Kühe Nehdorf

Betriebe dürfen nicht in die Enge gedrängt werden

NEHDORF (LUH). Hinter den westmittelfränkischen Landwirten liegt kein einfaches Jahr: Allen voran der ausbleibende Niederschlag und die damit einhergehende Dürre machten ihnen zu schaffen. Aber auch so manche in den Augen der Bauern nicht zielführende gesetzliche Richtlinie bereitete Sorgenfalten. Besonders die Schweinezucht erlebe momentan harte Zeiten, kritisch gesehen wird auch die Diskussion um das Ende der Anbindehaltung von Kühen.

Gerhard Steinbauer und seine Familie sind mit der kleinen Ortschaft Nehdorf verwurzelt wie wohl keine Zweiten. 1664 sollen seine Urahnen das Dorf nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut haben. Traditionell betreibt die Familie auf einer Fläche von 30 Hektar auch Landwirtschaft, heute im Nebenerwerb. 16 Kühe und insgesamt 55 Tiere stehen in den schon etwas in die Jahre gekommenen Stallungen. Die Haltungsform: Anbindehaltung. Also die Form, die momentan vor dem politischen Aus steht. Gerhard Steinbauer ist überzeugt: „Meinen Tieren geht es dennoch gut. Wenn ich abends meinen Rundgang mache, dann liegen die Tiere da ganz entspannt, schlafen oder wiederkäuen. Jeder Tierpsychologe wird sagen: Denen geht’s gut.“ Ihm beipflichtete Ernst Kettemann, Obmann des Bauernverbandes. In jedem zweiten Stall werde Anbindehaltung noch praktiziert. Jedoch stehen mittlerweile 70 Prozent der Kühe bayernweit in Laufställen. Anbindehaltung praktizieren also vor allem die kleinen Betriebe. Längst werden auch keine Anbindestelle mehr gebaut. Bereits seit den 70er Jahren gebe es keine Förderungen und Investitionen mehr für diese Haltungsform.

Es sei also „eh nur eine Frage der Zeit, bis solche Betriebe aussterben.“ Kettemann befürchtet, sollte ein Gesetz erlassen werden, könnte es eine ähnliche Entwicklung wie bei den Schweinebetrieben 2013 geben, wo durch eine Gesetzesänderung viele Betriebe schließen mussten.

Kettemann stellte klar, dass man sich vor Niemanden stelle, der Tierschutzverstöße begehen würde. Man solle aber alle Betriebe gleichberechtigen und nicht eine einzelne Berufsgruppe rausdrängen. Auch stellte Kettemann die Frage in den Raum ob es manchen Molkereien wirklich um das Tierwohl gehe, oder diese nicht schlicht Wettbewerbsvorteile sehen würden. Ein großes Thema war natürlich auch der heiße niederschlagsarme Sommer, der folglich Ernteausfälle und eine Erhöhung des Getreidepreises zur Folge hatte.

Trotzdem haben nur 100 von 3.600 landwirtschaftlichen Betrieben Hilfe aus den bereitgestellten Mitteln der bayerischen Landesregierung beantragt. Dies liege laut Kettemann daran, dass 2017 ein gutes Jahr für Futtervorräte war und die Betriebe sehr verantwortungsbewusst gehandelt hätten. Aus dem gesamtdeutschen Fond hatte sich niemand bedient, da dieser schlicht zu bürokratisch war.

2018 sollte für die Landwirte auch das erste Jahr sein, in der sie die neue Düngeverordnung praktizieren mussten. Diese stellte sich laut dem Bauernverband als „naturnah nicht umsetzbar heraus.“ Laut dem Obmann müsse man „Theorie und Praxis richtig miteinander verbinden, Wir aber hauen mit dem Vorschlaghammer drauf.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt die Kritik an den tiermedizinischen Entwicklungen. Kettemanns Apell hier: „Warum orientieren wir uns nicht am Tier?“ Aufgrund der geforderten Reduktion der absoluten Masse an eingesetzten Antibiotika würde so mancher Landwirt nicht mehr an erster Stelle auf das Tierwohl achten, sondern versuchen in der Statistik nicht durch erhöhten Antibiotika Einsatz aufzufallen. Erschreckendes gebe es auch bei den Schweinebauern zu berichten. Von 2.400 Betrieben in Mittelfranken im Jahr 2000 sind heuer nur noch 423 übrig. Man habe sich von einer Ferkelexportregion zu einer Importregion entwickelt. Schuld daran sei der Schweinekilopreis von momentan 1,36 Euro und die Unklarheit bei den Stallverordnungen. Dies würde zu einer Nullinvestitions-Situation führen und dazu, dass Schweinewirtschaft momentan kaum wirtschaftlich rentabel durchführbar sei. Wenig Verständnis hatten die Vorstandsmitglieder auch für die Ferkelkastrationsdiskussion übrig. Hier werde am Tier vorbeigeredet. Eine Versachlichung der Gespräche wäre wünschenswert. Generell wünscht sich der Obmann mehr Wertschätzung für die Verdienste der Bauern. So auch beim Thema Biodiversität. Man würde sich zum Beispiel der Initiative „Rettet die Bienen“ nicht verwehren, wenn nicht die Landwirtschaft regelmäßig an den Pranger gestellt werden würde und stattdessen die Verdienste der Bauern gewürdigt würden.

Foto: Gerhard Steinbauer ist Landwirt aus Überzeugung. Seit Jahren betreibt er in seiner Heimat eine traditionelle Landwirtschaft im Nebenerwerb. Doch mit der Viehaltung könnte bald Schluss sein. Die von Steinbauer praktizierte Anbindehaltung steht vor dem politischen Aus. Foto: Luca Herrmann

 

 

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