Dr. Michael Rogowski wurde 80.

Dr. Michael Rogowski wird 80. „Ich bin stolz ein Heidenheimer zu sein und fühle mich hier sehr wohl.“ Exklusivgespräch mit Dr. Michael Rogowski, dem ehemaligen BDI Präsidenten und Maike Wagner, der
Geschäftstellen-und Redaktionleitung der Wochenzeitung Heidenheim –  zum bevorstehenden Geburtstag in der kommenden Woche.

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HEIDENHEIM (WAG). Lieber Herr Dr. Rogowski, Sie werden kommende Woche stolze 80 Jahre jung und sind immer noch voll aktiv. Eines Ihrer wichtigsten Leitmotive ist: „Es muss sich etwas bewegen“. Das war immer einer Ihrer Richtungsweiser. „Aber Bewegung alleine reicht nicht, Bewegung muss immer eine Richtung haben, man muss sich Ziele setzen, nicht Karriereziele – nein, denn es kommt meistens anders als man denkt, aber in der Sache“, so Sie damals als ehemaliger BDI Präsident bei der Preisverleihung des Ernst-BlicklePreises an Sie.

» Was bewegt Michael Rogowski heute?

Ja, immer noch vieles. Zunächst einmal bewegt mich, wie es denn weitergeht. Da ich aber kein Mensch bin, der sich gerne im Ungewissen aufhält, schiebe ich das immer ziemlich schnell wieder weg und sage mir, es beginnt halt die nächste Etappe. Das sind die nächsten zehn Jahre. Zunächst einmal freue ich mich darüber, dass meine Frau da ist, denn wenn ich mir vorstellen müsste die nächsten zehn Jahre alleine gehen zu müssen, das wäre furchtbar. Gemeinsam kann man vieles tun, was man gar nicht lange vorausplanen muss, auch wenn man sich sicher Gedanken machen sollte die wichtigen Dinge möglichst bald zu tun, weil wir ja nicht so ganz genau wissen, wie lange die Reise geht. Ich bin aber darüber hinaus sehr froh, dass ich auch noch beruflich tätig sein darf und zwar durch die Hanns-Voith-Stiftung in aller erster Linie. Die macht viel Freude und ich bin den Gesellschaftern dankbar, dass sie mir die Leitung des Beirates anvertraut haben und meine Frau Gabriele mit dabei ist, die ja eine ausgeprägtere soziale und künstlerische Ader hat als ich. Ich freue mich auch darüber, dass ich mit etlichen anderen Unternehmern und Managern vor fünf Jahren einen Fond gegründet habe; der nennt sich „Rantum capital“. Dieser beschäftigt sich in erster Linie mit der Finanzierung von mittelständischen Unternehmen. Da gibt es interessante Begegnungen, weil wir mit unserer Erfahrung, mit den Mittelständlern, denen wir Geld geben, fortlaufend in engem Kontakt stehen und zum Teil auch als Paten und als Berater agieren. Das macht Spaß, weil es eine Fortsetzung des langjährigen Berufslebens ist. Bewegen muss ich etwas, auch körperlich. Ich bin sehr froh darüber, dass ich immer noch ziemlich viel Sport machen kann und jeden Morgen entweder mit Gymnastik oder mit Laufen beginne. Es bewegt sich noch was und ich hoffe, dass sich noch lange etwas bewegt.

Thesen

» In Ihrem Buch „Für ein neues Wirtschaftswunder“ beschäftigen Sie sich mit 20 unterschiedlichen Thesen. Inwiefern sind Ihre Ansätze von persönlichen Bezügen geprägt?

Ja gut, das ist eine Mischung. Auf der einen Seite entstand das Buch aufgrund der Herausforderungen, denen ich gegenüberstand als ich BDI Präsident war. Es beruht aber auch auf einigen Erfahrungen, die ich schon in den 90er Jahren als ich u.a. VDMA Präsident war, gesammelt hatte – wie z.B. das Thema Subventionen. Es hat mich auf die Palme gebracht, dass Politiker zwar sehr gerne Subventionen vergeben über die sich natürlich jeder freut, aber ebenso gerne vergessen die Subventionen auch wieder zu streichen. Damals entstand die Idee, Subventionen sozusagen mit Verfallsdatums zu versehen. Allgemein gesprochen war das Buch der Versuch herauszuarbeiten, wo man ansetzen müsste, wenn man ein neues Wirtschaftswunder erreichen möchte. Das war allerdings in der Zeit in der die Wirtschaftskrise in Deutschland am größten war. Die Arbeitslosigkeit betrug über fünf Millionen, Hartz 4 war gerade im Entstehen etc.. Bitte fragen Sie mich jetzt nicht, was das Buch bewirkt hat, das habe ich nicht mit verfolgt (lacht). Es sollte ein Anstoß sein.

Hanns-Voith-Stifung

» Sie sind Vorsitzender des Stiftungsrats der größten Stiftung der Umgebung, die auch in einem schwierigen Börsenjahr 2018 sehr erfolgreich blieb. Welche Besonderheiten gewinnt die Stiftung durch die Persönlichkeiten, die in ihrem Beirat vertreten sind und welche Ziele würden Sie persönlich für die Zukunft der Hanns-Voith Stiftung anstreben? „Stichwort: Digitalisierung und Schule“.

Die maßgeblichen Entscheidungen werden vom Vorstand vorbereitet und im Beirat beschlossen. Es ist schön, dass die Stiftung, die eigentlich den Gesellschaftern der Firma Voith gehört, sie wurde Hanns Voith anlässlich seines 40-jährigen Firmenjubiläums 1953 geschenkt, von diesen sehr ernst genommen wird und sie sich intensiv in der Stiftung engagieren. Wir haben so eine schöne Mischung zwischen Vertretern der Gesellschafter und von „Außenstehenden“. Meine Frau ist mit dabei, OB Ilg ist dabei, ebenso der Vorsitzende des Vorstands und die Vertreter/innen der Gesellschafter.
Die Stiftung wird aus meiner Sicht immer das Thema Bildung im Mittelpunkt haben, das ist quasi unsere DNA. Bildung war der Anlass sie zu gründen. Hanns Voith hatte eine besondere Beziehung zum Thema Bildung. Heute ist es so, dass die Stiftung ungefähr die Hälfte ihrer Mittel für Bildung einsetzt, aber darüber hinaus für ein breites Feld anderer Aktivitäten. Diese sind ja in der Regel bekannt. Bildung bekommt jedoch eine neue Herausforderung durch das Thema Digitalisierung. Wir wissen und lesen, dass wir diesbezüglich nicht zu den fortschrittlichsten Ländern auf dieser Erde gehören, dass wir aber zu den fortschrittlichsten Ländern gehören sollten, denn welchen anderen Rohstoff  hat Deutschland als Bildung?  Und Digitalisierung kann man aus der Zukunft  der Bildung einfach nicht mehr weg denken. Deshalb überlegen wir gerade, in welcher Form sich die Hanns-Voith-Stiftung in diesem Thema engagieren kann. Das ist natürlich auch eine Frage der Mittel, die wir zur Verfügung haben. Wir wissen heute noch nicht genau, wieviel an Mitteln wir dafür benötigen. Wir wissen nur eines, dass unser Ziel nicht darin erschöpft  sein kann, einer oder mehreren Schulen Computer oder Laptops oder Tablets auf den Tisch zu stellen.  Die Digitalisierung muss eingebunden sein in ein Ausbildungskonzept. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr bereits etwas Konkretes vorschlagen und umsetzen können.

Archäopark

» Der Archäopark erfreut sich seit 2017 der Anerkennung als Weltkulturerbe durch die Unesco. Die ältesten derzeit bekannten Zeugnisse menschlichen Kunstschaffens liegen seither innerhalb des Würdigungsradars der HannsVoith-Stiftung. Inwieweit sehen Sie die Landesregierung als mitwirkenden Unterstützer; initiativ hatte sie die Nominierung der Lonetalhöhlen angeregt.

Das Thema plagt uns. Es darf nicht sein, dass die Aktivitäten im Wesentlichen dem bürgerschaftlichen Engagement obliegen. Das Land hat den Antrag gestellt. Weltkulturerbe ist erstmal Land und Bund und dann erst die Provinz. Im Moment geschieht hauptsächlich in der Provinz etwas. Es ist nicht so, dass das Land gar nichts tut. In einem konkreten Projekt, der Wegführung im Lone- und Achtal ist das Land mit engagiert, aber das reicht natürlich hinten und vorn nicht. Wir wollen und müssen dieses Weltkulturerbe weiterentwickeln, hegen und
pflegen. Es geht halt nicht nur durch bürgerschaftliches Engagement. Dafür bedarf es auch Geld von den öffentlichen Händen. Die kleine Stadt Niederstotzingen mit etwa 4.000 Einwohnern ist alleiniger Träger des Archäoparks. Sie ist finanziell für den Archäopark verantwortlich, kann diese Last aber auf Dauer, trotz Unterstützung durch den Förderverein Eiszeitkunst, nicht alleine schultern. Wir sollten froh sein, es zu haben, denn es ist so eine außergewöhnliche Geschichte ältester künstlerischer Schaffenskraft , die hat sich, so wie wir es heute wissen, einige Kilometer entfernt von hier entwickelt und entfaltet. In Form von handwerklicher Fertigung wie Kunstwerken, in Form von Nachbildungen von Tieren, auch im Sinne von Musik. Ich denke an die Flöten aber auch an praktische Dinge, wie die ältesten bekannten Feuersteine vom Vogelherd. Es wäre ein Jammer, wenn wir im Laufe der nächsten Jahre nicht sagen können alle haben
zusammengefunden, alle haben sich daran beteiligt, alle unterstützten das und zwar auch das Land. Die Kelten-Kunst, die momentan große Unterstützung durch das Land erfährt, ist eine schöne und wichtige Sache. Aber es kann nicht sein, dass dafür Geld da ist und für das, was hier im Lone- und Achtal geschieht, nicht.

Politik & Wirtschaft

» Die Welt ist durch die globale Vernetzung stark zusammengerückt – wie sehe für Sie erfolgreiche Vernetzung von Politik und Wirtschaft aus?

Zunächst will ich das Thema Globalisierung aufgreifen, denn es ist für mich ein Schlüsselthema für den Zustand und die Entwicklung unserer Welt und unserer Weltwirtschaft . Es ist unbestreitbar so, dass es Millionen von Menschen heute viel besser geht als früher Die Armutsquote, weltweit betrachtet ist deutlich am Sinken. Das verdanken wir der Globalisierung, nämlich der Vernetzung der Länder auf der Welt. Darüber hinaus glaube ich, dass politische Vernetzung getrieben wird von wirtschaftlicher Vernetzung, und dass dies dazu führen kann, dass sich demokratische Systeme etablieren und entwickeln. Wenn man momentan in die Welt blickt, könnte man zwar zu gegenteiligen Schlüssen kommen, weil es ja ziemlich kunterbunt zugeht, worüber man ja allein wieder ein Buch schreiben könnte. Ich bin aber felsenfest überzeugt davon, dass sind zwar Störfeuer, die aber letztlich die Entwicklung zum Guten nicht aufhalten können. Auch  Trump wird die Welt nicht auf den Kopf stellen. Also, ich bleibe Optimist, dass durch weitergehende wirtschaftliche Vernetzung, die ich mir übrigens auch für Europa wünsche, wir letztlich vorankommen und für die große Mehrheit der Menschen etwas Gutes tun.
Mein Traum ist ja immer noch die „Vereinigten Staaten von Europa“, wenn auch nicht der ganzen 27 und schon gar nicht auf einen Schlag. Ich bin ein Anhänger des Beginnens im kleinen Kreis, der vorangeht und nach und nach andere Staaten nachzieht.

Möchten Sie etwas zum Brexit sagen?

Ja, das ist die Oberdummheit! Man kann sich nur an den Kopf fassen, wie man so verbohrt sein kann, als Briten heute noch zu glauben, man sei eine Weltmacht. „Common wealth“ geht anders als die Engländer das heute glauben. Das geht nicht durch Desintegration, das geht nur durch Integration. Ich bin felsenfest überzeugt, die Engländer werden diesen Schritt, wenn es denn überhaupt passiert, irgendwann bedauern. Ich hoffe nicht erst dann, wenn es zu spät ist. Noch immer glaube ich, es wird den harten Brexit nicht geben.

Chefsache 

» Die grundlegende Reform des Steuerwesens betrachteten Sie stets als Chefsache, überregulierte Wirtschaft und starke Bevormundung der Bürger – mündet das nicht in eine Resignation der Bevölkerung?

So sehe ich das. Ich glaube, dass die Mehrzahl der Menschen nicht froh damit leben könnte,  dass sie, unabhängig was sie selber tun, jeden Monat einen Scheck überwiesen bekommen. Ich bin kein Anhänger von Bürgergeld, ich bin auch kein Anhänger von dem sogenannten arbeitslosen Grundeinkommen. Ich bin der Meinung, der Mensch braucht Beschäftigung, der Mensch will selbst etwas tun und etwas beitragen. Dass es viele Menschen gibt, die dazu nicht in der Lage sind, das ist leider so. Für diese Menschen muss es entsprechende Hilfen geben, aber nicht mit der Gießkanne für alle und auch nicht automatisch auf Dauer.

Reformeifer

» In der BRD sind Reformen und Veränderung in aller Munde. Was halten Sie vom aktuellen Reformeifer und was sollte sich die Gesellschaft aus Ihrer Sicht bewahren?

Ich tue mir sehr schwer von Reformeifer zu sprechen und wenn, dann allenfalls im Sinne von sogenannten Sozialreformen, die aus einer vermeintlich vollen Kasse schöpfen, obwohl sie inzwischen schon feststellen müssen, dass die Kassen irgendwann auch mal wieder leerer sein werden. Das Schlimme an diesen Sozialleistungen ist ja, dass dies Dauerlasten sind. Von dem, was man da heute gibt, kommt man in aller Regel morgen nicht mehr runter. Der Einzige, der es mal geschafft hat, war Gerhard Schröder. Durch seine Agenda 2010, auch im Sozialbereich Reformen zurück zu bewegen, was aber nach vorne führte. Dafür musste er ja bitter büßen. Ich glaube, dass unsere Wirtschaftspolitik seit Jahren falsch aufgestellt ist, die Reformen, die eigentlich notwendig wären, um der Wirtschaft  mehr Freiraum zu
schaffen, und diese von Bürokratie ein Stück weit zu befreien und mehr Selbstverantwortung zu belassen, ja sogar zuzumuten, das passiert aber nicht. Diesbezüglich stehe ich auf dem Standpunkt, da hat die aktuelle Bundesregierung, auch Angela  Merkel als Chefin der Bundesregierung, ziemlich kläglich versagt. Wir brauchen nicht mehr Regeln und weniger Liberalismus, wir brauchen mehr Freiheit. Als ich BDI Präsident wurde, habe ich mir ein Motto auf die Fahnen geschrieben: „Fesseln sprengen. Freiheit wagen.“ Darüber haben wir ein regelrechtes Programm gemacht. Das könnte ich heute wieder sagen und das ist ein Jammer, dass man das heute immer noch sagen muss. Inzwischen sind rund 15 Jahre vergangen, seitdem wir das als BDI formuliert haben und es hat sich nach vorne im Sinne einer aktiven Wirtschaftspolitik so gut wie nichts getan. Jetzt spricht man neuerdings von Industriepolitik, ich verstehe ja, halte es sogar für sehr wichtig, dass man sich die Frage stellt, wie kann man dazu beitragen, dass große Wirtschaftskomplexe auch in der Bundesrepublik und in Europa eine Chance haben, Stichwort Bahnfusion Siemens/Alstrom. Primär geht es bei der Industriepolitik aber nicht um direkte
Einflussnahme auf das Geschehen, sondern um die Rahmenbedingungen und in Bezug auf diese haben war viel Handlungsbedarf. Stichworte sind Bildung, Infrastruktur, Steuern. Die Steuerreform ist seit langem überfällig. Die Steuerbelastung in der Bundesrepublik ist nicht attraktiv im internationalen Vergleich, insbesondere die von Privatunternehmen und Personengesellschaft en. Die Sozialquote nimmt immer weiter zu, anstatt abzunehmen. Das gleiche gilt für die Bürokratie. Die Forschungsförderung ist seit langem versprochen und ist auch Teil des Regierungsprogramms gemäß des Koalitionsvertrag. So könnte man gerade weiter machen. Also, meine Zeugnisnote lautet „mangelhaft “. Meine Vorstellung von Sozialpolitik, ja von Wirtschaftspolitik generell, heißt „ Hilfe zur Selbsthilfe“, aber nicht Hilfe auf Dauer. Dem Einzelnen helfen, ihn befähigen, dass er in Selbstverantwortung leben kann, das ist meines Erachtens langfristig betrachtet der bessere Weg, als ein würdeloser Empfänger von Almosen.

Familie

» Welchen Stellenwert nehmen bei Ihnen Familie und Privates innerhalb eines erfolgreichen Arbeitslebens ein?

» Welche Bedeutung hat Ihr familiäres Umfeld für Sie?

Die Familie hatte schon nicht allzu viel von mir während meiner beruflichen Zeit. Das tut natürlich nachher auch weh, weil es die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern prägt. Gott sei Dank hatte ich meine Frau, die vieles ausglich, was von mir nicht da war. Insbesondere meine Frau hat hier sehr viel Freiraum für mich geschaffen. Die „Bürden wie auch die Würden“ haben wir gemeinsam getragen. Jetzt, da ich mehr Zeit habe, genieße ich unsere Enkelkinder und sogar einen Urenkel, den kleinen Oskar.

Ehrungen

» Sie wurden für Ihre Verdienste in der Wirtschaft vielfach ausgezeichnet und geehrt. Etwa mit…

•  Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
•  Bundesverdienstkreuz am Bande
•  Ehrensenator Würde der Universität Tübingen
•  Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
•  Ehrenring der Stadt St. Pölten
•  Ehrenbürger der Stadt Heidenheim
•  Orden der Aufgehenden Sonne für die Verdienste um die
deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehung
•  Ernst- Blickle –Preis, der mit 100.000 Euro dotiert ist.

» Auf welche der Auszeichnungen sind Sie besonders stolz?

In erster Linie vielleicht doch stolz auf den Ehrenbürger der Stadt Heidenheim, denn Heidenheim ist unsere Heimat geworden und dann so geehrt zu werden durch diese Stadt, das ist schon schön. Aber es ist auch Verpflichtung präsent zu sein, zu helfen und sich einzubringen. Natürlich, auch schön ist das Große Bundesverdienstkreuz und auch der Ehrenring von St. Pölten, weil ich durch Voith sehr viel mit St. Pölten zu tun hatte und insbesondere damit, die kriegsbedingt verloren gegangene Mehrheit an Voith St. Pölten zurück zu erwerben.

» Wie ist es dann gelungen diese 60% zurück zu erwerben?

Der Schwabe würde sagen „ Nur net lugg lau“ nur nicht locker lassen, immer dran bleiben, Freundschaftliche Bande schaff en und pflegen. Versuchen klar zu machen, wie strategisch bedeutsam es ist, dass Voith St. Pölten Teil des Voith Konzernes ist und nicht irgendwo daneben steht. Das einzige, was mich bei den Auszeichnungen stört ist, wenn man das so liest, dass muss ein super Kerl sein. Es ist ja ganz selten so, dass so eine Auszeichnung alleine auf die Person zurück geht, der die Auszeichnung verliehen wird. Da spielen ja immer viele Menschen eine Rolle, hier müsste man ja ein ganzes Bündel von Menschen miteinbeziehen, das geht leider nicht. Insofern fühle ich mich als Träger einer Ehrung, die eigentlich vielen zugedacht ist.

Lieber Herr Rogowski, zeugen gerade die Vielzahl der Ehrungen von Ihrem persönlichen Leitbild etwas bewegen zu wollen und in der Richtung zu bleiben?

Ja, das auch.

Weltkonjunktur

» Welche Prognosen können Sie zur Entwicklung der Weltkonjunktur in den nächsten 20 Jahren abgeben? Wo liegen Chancen und Risiken?

Grundsätzlich bin ich optimistisch; die Weltwirtschaft  wird weiter wachsen. Es gibt riesige Potenziale nicht zuletzt übrigens ausgelöst durch die Industrie 4.0, die Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Wenn es uns gelingt die Globalisierung fortzuführen, sehe ich überhaupt keine Grenzen. Wir müssen nur schauen, das wir die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, auch zielgerichtet einsetzten und nicht verplempern. Und da sind wir wieder bei dem Thema, bei dem meines Erachtens in Deutschland aber auch in ganz Europa große Schwachstellen vorhanden sind. Ich glaube allerdings, dass die Europäer letztendlich begreifen werden, dass sie gegen die Großen, USA, China begrenzt auch Russland nur gemeinsam etwas ausrichten können, und das in jeder Hinsicht. Wir werden sicher auf dem Weg der nächsten 20 Jahre ups and downs erleben aber wir werden in 20 Jahren weiter sein als wir heute sind, und zwar nicht zum Schlechten.

Wünsche 

» Was möchten Sie den jungen Wirtschaftsingenieuren gerne mitgeben und wünschen?

… das Sie ein attraktives Studium gewählt haben. Die Verbindung von Ökonomie- und Ingenieurwissenschaft en ist sehr, sehr vorteilhaft ,  insbesondere dann, wenn man in der Industrie berufl ich tätig sein möchte. Ich habe das Studium nie bereut und kann das jedem jungen Menschen empfehlen. Darüber hinaus empfehle ich jedem jungen Studierenden: Schau Dir die Welt an, „hock net bloß dahoim rum“ und lerne Sprachen!

Ehrenbürger Senator h.c. Dr. Michael Rogowski

Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Anerkennung, die eine Kommune aussprechen kann. Die Verleihung bedeutet eine außergewöhnliche Auszeichnung, von der entsprechend der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg sorgfältig Gebrauch gemacht werden sollte. Seit Anfang des vorigen Jahrhunderts haben gerade mal elf Persönlichkeiten den Heidenheimer Ehrenbürgerbrief erhalten. Alle haben ihre Spuren in der Stadt oder in unserem Leben hinterlassen. Senator h.c. Dr. Michael Rogowski Ehrenbürger seit 02. April 2004 * 13. März 1939 in Stuttgart.
Fünf Jahrzehnte lang hat er sein Leben, sein Wissen und Können der Weiterentwicklung des Hauses Voith und damit auch der Stadt Heidenheim gewidmet. Zuletzt war er Vorsitzender des Konzernvorstandes. 2000 wechselte er auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden und leitete den Gesellschafterausschuss. Seit 2010 ist er Vorsitzender der Hanns Voith-Stiftung. Hervorgetreten ist er durch seine der deutschen Wirtschaft  dienende ehrenamtliche Tätigkeit in maßgeblichen Spitzenorganisationen. So war er u. a. Präsident des VDMA – Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. und Präsident des BDI – Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. Er setzt sich stets für Heidenheim ein und tritt als Kunst-, Kultur- und Sportmäzen in Erscheinung.

Ganz lieben Dank
für das spannende Gespräch.
Fotos: Maike Wagner

 

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