Ansbach Zirkus-Wildtierverbot

Eine wegweisende Entscheidung

ANSBACH/STUTTGART (RED). Löwen, Elefanten und Co. gehören nicht in die Manege: In Ansbach soll künftig ein Wildtierverbot für Zirkusse gelten. Die knappe Mehrheit des Stadtrats schloss sich dem Antrag der Offenen Linken an. Damit ist Ansbach die hundertste deutsche Stadt, die ein solches Verbot beschließt. PETA begrüßt die wegweisende Entscheidung. Die Tierrechtsorganisation erachtet diesen Schritt sowohl aus Tierschutzgründen als auch aufgrund der Gefahren, die von Großwildtieren wie Elefanten, Großkatzen oder Nashörnern für den Menschen ausgehen, für notwendig. „Ansbach nimmt eine Vorbildfunktion ein“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Wir hoffen, dass der Beschluss der Stadt Ansbach auch Signalwirkung für ein grundsätzlichen Zirkus-Wildtierverbot in Deutschland ist.“ 

In Deutschland gibt es die Möglichkeit, durch kommunale Beschlüsse Zirkusunternehmen den Auftritt auf öffentlichen Flächen zu untersagen, wenn sie bestimmte Tierarten mitführen. Bundesweit haben dies nun insgesamt 100 Städte und Kommunalvertretungen – darunter Leipzig, Stuttgart und Düsseldorf – getan. Grundlage für eine kommunale Regelung des Zirkus-Wildtierverbots ist ein Rechtsgutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, in dem ausdrücklich die Rechtskonformität kommunaler Verbote aus Gründen der Gefahrenabwehr dargestellt wird. Unfälle mit und Ausbrüche von Wildtieren wie Elefanten, Tigern oder Bären aus deutschen Zirkusbetrieben sind vielfach dokumentiert. Insgesamt kam es zwischen 2009 und 2017 zu mindestens 46 Ausbrüchen von Bären, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Nashörnern und Primaten aus Zirkusbetrieben in Deutschland. Dabei wurden in den vergangenen Jahren mehrere Menschen getötet und verletzt. EU-weit ist Deutschland das Land mit den mit Abstand meisten Zwischenfällen mit Tieren aus Zirkussen.

In 27 europäischen Ländern, darunter beispielsweise Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland, sind bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus nicht mehr erlaubt. 2016 forderte der deutsche Bundesrat bereits zum dritten Mal ein Verbot von Wildtieren wie Elefanten, Giraffen und Flusspferden im Zirkus und begründete in seinem Entschließungsantrag wissenschaftlich, warum diese Tierarten erheblichem Leid ausgesetzt sind – unabhängig vom jeweiligen Betrieb. Bezüglich exotischer Wildtierarten spricht sich auch die Bundestierärztekammer für ein Verbot aus, ebenso wie die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können.

 

Bildunterschrift: Für viele Tiere die letzte Rettung: Das Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf  ist eine Auffangstation für in Not geratene Raubkatzen, Primaten und Exoten aller Art. Auch Tiger, die zuvor ein Leben in der Manege führten, haben hier ein neues Zuhause gefunden. Foto: Martina Schürmeyer

 

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