Exklusives Interview mit Mountainbiker Steffen Thum

AALEN (FJW) Lieber Steffen Thum, du hast schon sehr früh mit dem Radfahren begonnen, wie kommt man als kleiner Junge auf die Idee sein Hobby zum Beruf zu machen? Hattest du Vorbilder?

Ich war immer schon ein sehr ehrgeiziges und wie ich jetzt als Vater einschätzen kann, für meine Eltern vermutlich auch ein ziemlich forderndes Kind. Reitturnier, Skirennen, Waldläufe, Tennisstunden, da war was los, doch als ich mit 15 Jahren auch noch Radrennen fahren wollte, ging alles sehr schnell. Binnen einem Jahr war das geliebte Pferd verkauft, Lauf- und Skischuhe dienten nur noch dem Training. Ich hatte den Sport gefunden, der mich so einnimmt, wie ich es mir immer vorgestellt habe und mich positive an meine körperlichen und auch psychischen Grenzen führen kann. Vorbilder an sich, eher nicht. Ich versuche meinen eigenen geradlinigen Weg zu gehen, wobei Integrität ein wichtiges Thema ist. Wenn man einen Sportler nennen will, den ich authentisch und nahezu immer als positiv und ehrlich empfinde, dann ist das Philipp Lahm.

Du bist  mitten im Kampf um die Arabien Epic-Rennserie. Wie bereitet man sich auf so eine Rennserie vor?

Rennstrecken können zwar sehr unterschiedlich ausfallen, doch am Ende ist Rennenfahren grundlegend oft auf mit demselben Zauberspruch lösbar: Du musst auf die Zähne beißen, an dich glauben und darfst nie aufgeben. In der Vorbereitung auf die Rennen in den Emiraten habe ich nichts speziell anders gemacht. Im Formaufbau kenne ich meinen Körper inzwischen sehr gut und weiß welche Schritte zu durchlaufen sind. Man sollte nur aufpassen, dass man mit gut gefüllten Speichern in die Wüste geht. Wenn du die Woche zuvor nicht viel trinkst, dich nicht optimal ernährt, dann sind Krämpfe, unter diesen schweren äußeren Umständen, nahezu vorprogrammiert. Aber eigentlich ist das plakativ und logisch, meine dreijährige Tochter sagte zuletzt: „Papa, du musst es in Dubai einfach machen wie die Kamele, die trinken auch immer viel Wasser und haben deshalb niemals durst wenn sie durch den Sand laufen“.

Du hast  den „Gesamtweltcup im Mountainbike Marathon“ auf die schwäbische Ostalb geholt. Wirst du auf offener Straße wiedererkannt?

Ja, aber absolut im Positiven. Sicherlich wissen viele in meiner Heimat, dass ich Radprofi bin, ich hab damit aber kein Problem. Ich versuche immer authentisch zu sein. Wenn man mich mal beim Mc Donalds in der Warteschlange sieht, dann muss ich das nicht verstecken, denn ich weiß, dass ich danach wieder hart trainieren werde. Zudem spielt sich medial das Meiste außerhalb des deutschsprachigen Raums ab. Zuhause in Aalen bin ich also weit entfernt, von vor meinem Haus campenden Groupies und übertriebenem und störendem Fanandrang.

Du bist Weltcupsieger, mehrfache  Siege und Podest Plätze  zeichnen dich aus. Was möchtest Du sportlich unbedingt noch erreichen?

Es geht mir nicht nur um meinen persönlichen Erfolg. Ich habe inzwischen ein Team um mich herum, das ist sozusagen mein Job, meine Firma aber auch ein wenig meine sportliche Familie. Siege welche ich einfahre, sind unsere gemeinsamen und somit sind auch Ziele nicht mehr meine eigenen, sondern unsere teambezogenen Ziele. Auf jeden Erfolg, welcher auf unserer Liste steht, freue ich mich. Egal ob Transalp, CapeEpic oder ein Weltcup in den USA. Wenn man da überhaupt zwei Themen oder Erfolge herausgreifen möchte, von welchen ich noch träume, dann würde ich sagen: Es wäre wunderbar, wenn unser Team noch zu den Olympischen Spielen reist und einer sich das Regenbogentrikot des Weltmeisters überstreifen darf

Kannst du unseren Leserinnen und Lesern, eine coole Strecke zum Radfahren hier in der Region empfehlen?

Das Schöne am Radfahren ist das Entdecken. Man fühlt sich auch in gewisser Weise frei von äußeren Zwängen, hört auf seinen Körper und kann ein wenig mit seinen eigenen Grenzen spielen. Vor dem Training weiß ich oft nicht wohin genau die Reise geht, denn ich bevorzuge viele kleine Runden. Damit ist man flexibler und entscheidet nach Tagesform, ob man nach dem Braunenberg und dem Aalbäumle auch noch den Kocherursprung hinten hoch nach Brastelburg fährt oder ob es für heute reicht und man lieber nachhause rollt. Wichtiger wie die Strecke an sich ist, dass man sie auch mit einem Lachen im Gesicht beendet

Foto: Privat

 

 

 

 

 

 

 

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