IHK-Vollversammlung-Personelle Veränderungen im Präsidium

HEIDENHEIM (RED) In ihrer Herbstsitzung behandelte die IHK-Vollversammlung am 26. November 2018 die derzeitigen Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sowie aktuelle Maßnahmen der Wirtschaftsförderung. Aus dem Zeiss-Vorstand folgt im IHK-Präsidium Dr. Matthias Metz auf Thomas Spitzenpfeil. Behandelt wurden auch die Wirtschaftsplanungen  sowie die Abrechnung des Neubaus des IHK-Bildungszentrums. Im Anschluss an den offiziellen Teil sprach Andreas Joehle, Mitglied der Vollversammlung und Vorstandsvorsitzender Paul Hartmann AG, zum Thema: „Fit for future: Drive, Change und 200 Jahre Tradition“.

Ein bedenkliches Stimmungsbild ergab die Aussprache über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Branchenübergreifend fehlen Fachkräfte, so der Tenor; aber nicht nur diese, teilweise sind auch Mitarbeiter für Helfertätigkeiten zur Mangelware geworden. Weiter verschärft hat sich der Mangel vor allem in der Dienstleistungsbranche, insbesondere in der Logistik und in der Gastronomie. Dringend benötigte Berufskraftfahrer werden überwiegend aus Osteuropa rekrutiert. Der Bedarf kann zwar gedeckt werden, allerdings erschwert der angespannte Wohnungsmarkt den Zugang neuer Mitarbeiter, für die eine Komplettversorgung notwendig ist. Hierzu zählen auch Sprachkurse. Mangelnde Sprachkenntnisse sind gerade auch in der Gastronomie der größte Hemmschuh, um an neue Mitarbeiter zu kommen. Angesichts der unverändert guten Konjunktur und der demografischen Entwicklung wird sich die Problematik allgemein weiter verschärfen. IHK-Präsident Markus Maier: „Aus dem Fachkräftemangel ist ein Arbeitskräftemangel geworden. Es geht um jede helfende Hand.“ Vor diesem Hintergrund begrüßte die Vollversammlung die Pläne der Koalitionsregierung für eine konkrete Ausgestaltung eines Einwanderungsgesetzes sowie eines „Spurwechsels“ für geduldete Flüchtlinge. Dabei sollen mehrere Regelungen gelockert werden, um den Fachkräftemangel einzudämmen. So soll künftig jeder mit „anerkannter Qualifikation“ und Arbeitsvertrag in Deutschland arbeiten dürfen. Auch sollen Asylbewerber, die sich in Ausbildung befinden, in dieser Zeit nicht abgeschoben werden und können zwei Jahre nach ihrer Ausbildung weiterbeschäftigt werden. Mit dem Spurwechsel sollen Flüchtlinge mit einem Arbeitsplatz auch bei einem negativen Asylbescheid in Deutschland bleiben können.

Aktive Wirtschaftsförderung

Über aktuelle Themen der Wirtschaftsförderung informierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle das Gremium. Hierzu zählen u. a. die erfolgreiche Premiere der Mitmachausstellung Make Ostwürttemberg mit über 9.000 Besuchern und die Delegationsreise „Ostwürttemberg meets Austria“ nach Wien mit zahlreichen Folgekontakten. Erfolgreich entwickelt hat sich das Projekt Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg. Die Fördergelder sind geflossen; das Konzept befindet sich jetzt in der Umsetzung und die drei Standorte in der Region werden aufgebaut.

Neubau Bildungszentrum offiziell abgeschlossen

Mit der Abrechnung des Bauwirtschaftsplans wurde der Bauausschuss für den von Bund und Land zu großen Teilen geförderten Neubau des IHK-Bildungszentrums in Aalen offiziell entlastet. Das Projekt blieb nicht nur im Zeit-, sondern vor allem auch mit rund 22 Mio. Euro inkl. Werkstattausstattung im vorgegebenen Kostenrahmen. IHK-Präsident Maier gratulierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle, die „mit Know-how und diplomatischem Geschick das Projekt im Griff hatte“. Auch dem Bauausschuss attestierte er eine hervorragende Arbeit und bedankte sich für dessen Engagement.

Haushaltsberatungen verabschiedet

In den Haushaltsberatungen verabschiedete die IHK-Vollversammlung den von der Rechnungsprüfungsstelle der IHKs in Bielefeld geprüften Jahresabschluss 2017. Nach Jahren geprägt von einem deutlichen Abbau der Rücklagen endete das Finanzjahr 2017 mit einem Ertrag von 0,- Euro bei einer Entnahme aus den Rücklagen von knapp 1,1 Mio. Euro. Zudem wurde der Wirtschaftsplan 2019 verabschiedet, welcher weiterhin stark durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld bestimmt ist. Es entsteht trotz positiver Betriebsergebnisse ein negatives Finanzergebnis. Um die künftige Handlungsfähigkeit der IHK Ostwürttemberg sicherzustellen, folgte die IHK Vollversammlung mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Präsidiums und verabschiedete eine Anpassung der gewinnabhängigen Umlage von derzeit 0,17 auf 0,26 Prozent des Gewerbeertrags der Mitgliedsunternehmen. Die Grundbeiträge werden dennoch beibehalten. „Das Präsidium ist der Auffassung, dass dieser Vorschlag eine ausgewogene Balance herstellt zwischen der notwendigen finanziellen Grundlage für die IHK Ostwürttemberg und dem berechtigten Interesse aller IHK-Mitglieder auf niedrige Beiträge bei gleichzeitig voller Leistungsfähigkeit“, erklärt IHK-Präsident Markus Maier. Das Volumen des Wirtschaftsplans 2019 umfasst rund 12,5 Mio. Euro. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle ergänzt „Dieser Umlagesatz ermöglicht es uns, die verbliebenen Rücklagen, die nur einen Bruchteil der prognostizierten Risiken abdecken, für die Zeit des weiteren Niedrigzinsumfeldes zu gewährleisten.“

Personelle Veränderungen

Nach dem Ausscheiden von Stephan Schaller, ehemals Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung von Voith, und dem bisherigen IHK-Vizepräsidenten Thomas Spitzenpfeil, bis 30. September dieses Jahres Mitglied des Konzernvorstands der Carl Zeiss AG, Oberkochen, sind gleich zwei für Ostwürttemberg besonders prägende und umsatz- bzw. ertragsstarke Unternehmen nicht mehr in der Vollversammlung vertreten. Um die Industrie dennoch entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wieder angemessen in der Vollversammlung zu repräsentieren, folgte das Gremium dem Vorschlag des Präsidiums und wählte Dr. Matthias Metz, Mitglied des Zeiss-Konzernvorstands in die Vollversammlung zu. Dr. Metz wurde auch in das Präsidium der IHK gewählt. Nachgerückt in die Vollversammlung sind Axel Lang, Geschäftsführer der WKS GmbH in Aalen, und Dr. Claus Biechele, Inhaber der Apotheke am Prediger in Schwäbisch Gmünd.

Hartmann-Chef hält Gastvortrag

Mit seinem Gastvortrag spannte Andreas Joehle, Mitglied der IHK-Vollversammlung und Vorstandsvorsitzender der Paul Hartmann AG, einen weiten Bogen von den Ursprüngen bis zur heutigen Position als einer der weltweit führenden Hersteller von Medizin- und Pflegeprodukten im 200. Jahr des Bestehens. Am 1. März 1818 gegründet entwickelt sich das Unternehmen zunächst zu einer der größten Baumwollspinnereien in Deutschland. Das änderte sich als 1873/74 der weltweit erste antiseptische Wundverband Medizingeschichte geschrieben hat. Der erste Schritt ins Ausland erfolgte 1882. Der Einstieg in den Inkontinenzmarkt 1974 war strategischer Weitblick und Formel für neue Geschäftsbereiche. Zwischen 2000 und 2009 erweiterten nachhaltige Akquisitionen die medizinischen Kernsegmente. Seit 2013 ist Andreas Joehle an der Konzernspitze. Mit einem neuen Innovationsparadigma will er den langfristigen Erfolg absichern. Das bedeutet: Wachstum generieren durch neue Ideen, Geschäftsmodelle und Pilotanwendungen in einer Phase, in der man dafür Zeit aufwenden kann. Und dies in einem schwierigen Marktumfeld mit weniger Geld für Pflege und Gesundheit, fehlenden Fachkräften und gestiegener Regularien für die Zulassung neuer Medizinprodukte. Joehle setzt auf eine ganzheitliche Unternehmensstrategie mit Führung, Verantwortung, Verpflichtung und Umsetzung. Dies klinge zwar banal, sei aber aus Hartmann-Sicht essentiell als Treiber für die Veränderung und betont dabei die notwendige Konsequenz im Handeln, auf allen Bereichen und auf allen Ebenen. Dabei müssten Themen und Verhalten vorgelebt werden. Und schließlich setzt Joehle auf Diversität bei den Mitarbeitern, um vor allem international nachhaltig erfolgreich zu sein. In der Schweiz startete die Pilotanwendung „Hartmann easy“ als neue digitale Handelsplattform. Nach sechs Monaten wurde mit 1.000 Kunden ein Umsatz von 900.000 Euro pro Monat erwirtschaftet.

 

FOTO: IHK

 

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