Lass den Klick in Deiner Stadt! – Interview mit Citymanager Reinhard Skusa zur Situation der Aalener Innenstadt

Aalen (lind). Gleich drei Ankündigungen von Geschäftsschließungen erschütterten viele Aalener in den letzten Wochen. Neben dem Ende vom Stoff-Treff und Gamers Heaven sorgte vor allem das Ende von Spielzeug Wanner für Wehmut unter vielen Bürgern, hatten dort doch mehrere Generationen ihre Kinder mit Spielsachen ausgestattet. „Die Attraktivität der Innenstadt als Einkaufs- und Erlebniszentrum von Aalen und der ganzen Region zu erhöhen“, das ist in der Satzung des Vereins Aalen City aktiv (ACA) als grundlegender Zweck fest verankert. Die WochenZeitung sprach daher mit Citymanager Reinhard Skusa zur aktuellen Situation und über Unternehmungen, die Innenstadt zu stärken.

WZ: Herr Skusa, dass in der Innenstadt immer wieder mal Geschäfte schließen, ist normal, dass gleich drei in kürzester Zeit ihr Ende ankündigen ist schon außergewöhnlich. Was sagen Sie von Seiten des ACA zu den aktuellen Entwicklungen?

Reinhard Skusa (R.S.): Ja, in der Tat. Aber früher hat das kaum jemand interessiert. Heute sind die Menschen sensibler. Denn die Bedrohung durch die großen Internetkonzerne sehen immer mehr Kunden. Wie sieht die Welt aus in der wir leben möchten? Ist es gut für unsere Umwelt, wenn Millionen Pakete ohne Sinn versendet werden, um dann die Ware zu entsorgen? Ich glaube jeder einzelne kann mithelfen diese perverse Entwicklung zu stoppen: Lass den Klick in Deiner Stadt.

WZ: Welche Strategien verfolgt der ACA, um den Standort Aalen und die Innenstadt zu stärken.

R.S.: Wir vom ACA sind die Schnittstelle für viele wichtige Themen – z. B. sorgen wir mit vielen Aktionen und Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität. Uns ist es gelungen, die Parkgebühren zu reduzieren und über den Park- und Buschip vielen Kunden eine weitere Vergünstigung für‘s Busfahren und Parken zu organisieren.
Wir führen viele Gespräche mit Immobilieneigentümern und interessierten Mietern. Letztendlich waren wir auch maßgeblich an vielen Neu-Projekten beteiligt: Dem Ärztehaus, dem Mercatura und auch am Kubus.

WZ: Der Wandel der Geschäftswelt ist dennoch wohl kaum aufzuhalten, egal ob hier in Aalen oder anderswo auf der Welt, mit der Konkurrenzsituation durch‘s Internet. Wie schaut für Sie die Zukunft aus, was erwarten Sie 2030 in Aalen?

R.S.: Betriebe, welche schließen, haben oft viele Gründe. Es gibt schon lange keinen Plattenladen mehr, weil eben die Musik heute gestreamt wird. Unternehmer mit eigenen Immobilien haben oft über die Vermietung oder den Verkauf andere Lebensziele verwirklicht, nachdem sie das Geschäft geschlossen haben. Handel heißt Wandel, auch wenn es noch so schmerzt, aber bei attraktiven Flächen kommt oft auch etwas Hochwertiges nach: Auf Mode Kiesel folgte Schuh Kaufmann, auf das Reformhaus Kwoka folgte Dr. Skate, nach Schmuck Mallwitz kam Hussel, auf Rossmann folgte Reno und nach Thanner siedelte sich H&M an.  Was Aalen einzigartig macht, ist der Branchen-Mix. Es gibt eben viele Gründe, in die Stadt zu kommen. Morgens Erledigungen oder der Arztbesuch und dann Mittagspause mit über 2000 hungrigen Menschen gleichzeitig in der Stadt. Nachmittags liegt der Schwerpunkt auf dem Einkauf und abends lockt die außergewöhnliche Gastro-Landschaft. In Aalen wird niemals der Bordstein hochgeklappt.

WZ: Von daher ist Ihnen vor der Zukunft der Aalener Innenstadt nicht bange?

R.S.: Viele neue Trends zeigen in welche Richtung es zukünftig gehen kann. Fairtrade, vegan oder umweltbewusst – neue Marken und Ladenkonzepte kommen in die City. Klasse statt Masse, Qualität vor billig, damit lässt sich zukünftig punkten. Wer Beratung möchte und die Ware vor Ort sehen will, der lässt den Klick in seiner Stadt.  Riesige und unmenschliche Konzerne bestimmen den Onlinehandel. Aber die Kunden werden aufgeklärter. Vielen Menschen ist klar, dass dieser Weg unnötig Ressourcen vergeudet und die Umwelt extrem belastet.

WZ: Vielen Dank für die Informationen an unsere Leser und viel Erfolg in den kommenden Jahren.

Foto: Georg Lindner

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