Landrat Klaus Pavel; Ostalbkreis; Ostwürttemberg

„Uns geht’s so gut wie noch nie“ – Interview mit Landrat Klaus Pavel

AALEN (LIND). Seit 1996 leitet Klaus Pavel als Landrat die Geschicke des Ostalbkreises. Der Diplom-Verwaltungswirt wurde seitdem zweimal ohne Gegenkandidaten wiedergewählt und ist als Landrat oberster Verwaltungsbeamter für die über 310.000 Bürger des Ostalbkreises. Mit dem gebürtigen Göppinger sprach WochenZeitungs-Redakteur Georg Lindner zu aktuellen Themen.

WZ: Herr Pavel, wohl nahezu alle Bürger der Region kennen sie natürlich als Landrat – beschreiben Sie uns doch kurz, was Sie als Landrat primär für Aufgaben haben.

Als Landrat leite ich die Kreisverwaltung, die sowohl kreiskommunale Behörde wie auch untere staatliche Verwaltungsbehörde ist. Dazukommt die klassische Kreispolitik, sei es die Zusammenarbeit mit den örtlichen Kommunen und Nachbarlandkreisen, der Regierung in Stuttgart oder den Bundesbehörden. Ich sehe mich als erster Wirtschaftsförderer vor allem als Dienstleister für die  Bürger, Vereine und Betriebe – wichtig ist mir auch, das soziale Fundament in der Gesellschaft zu wahren und unser Zusammenleben fair und gerecht mitzugestalten.

WZ: Im Gegensatz zu Kollegen anderer Bundesländer sind Sie in der erfreulichen Situation, dass es dem Landkreis relativ gut geht: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Tiefstand, die Gewerbesteuer spült soviel Geld in die Kassen der Kommunen wie nie und auch sonst steht die Region außerordentlich gut da. Was unternimmt der Landkreis, damit diese Situation auch längerfristig so positiv erhalten bleibt?

Das Landratsamt ist dafür da, die Rahmenbedingungen unternehmensfreundlich zu gestalten, was z.B. die Verkehrsinfrastruktur anbelangt. Dazu sorgen wir auch für starke berufliche Schulen und die Unterstützung der Hochschulen.

WZ: Mit den Dauerthemen B 29 neu, LEA Ellwangen und anderen Problemfeldern beherrschen aber auch einige Themen die Diskussion, in denen die Region nicht ganz so gut aufgestellt ist. Welche Hauptprobleme sehen Sie für die Region?

Ich sehe die LEA Ellwangen nicht so sehr als Problem, sondern mehr als eine Herausforderung. Hier – wie bei anderen Themen – kümmert sich der Ostalbkreis. Die B29 hat natürlich gerade aktuell zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen eine massives Problem, das zumindest teilweise mit der Inbetriebnahme der Ortsumfahrung Mögglingen im kommenden Frühjahr behoben sein wird. Weiterhin unerledigt bleibt zunächst leider der Bereich von der A7 bis nach Nördlingen. Über Jahrzehnte ist die Verkehrsinfrastruktur nicht mit dem steigenden Verkehr mitgewachsen, das müssen wir jetzt alles nachholen.

WZ: Neben den gerade angesprochenen Punkten, was steht in den kommenden Jahren ebenfalls auf der Agenda des Landratsamtes?

Bei den Kliniken warten riesige Investitionen auf uns, etwa 45 Mio. Euro planen wir hier in den nächsten Jahren ein. Beim ÖPNV wollen wir das Defizit um 10 Mio. Euro reduzieren. Auch der Bau des neuen, zweiten Landratsamtes, in dem wir die in Aalen verstreuten Außenstellen zentral zusammenführen wollen, bleibt wichtiges Thema für die kommenden Jahre. Außerdem wollen wir die Strukturentwicklung weiter ausbauen und uns noch intensiver z.B. um Gelder aus EU-Programmen bemühen.

WZ: Ihre Amtskollegen in manchen Bundesländern wie z.B. in Bayern werden direkt von den Bürgern gewählt. Hier bestimmen die Kreistagsmitglieder, wer Landrat wird. Empfinden Sie dies als Nachteil?

Als früherer Bürgermeister schätze ich die direkte Wahl durch den Bürger, ich wäre daher lieber auch direkt gewählt. Abgesehen davon habe ich aber immer eine großartige Unterstützung aus dem Kreistag bekommen. Alles in allem arbeiten wir hier engagiert gut zusammen für die Zukunft unseres Landkreises.

WZ: Herr Pavel, vor Kurzem feierten Sie ihren 65. Geburtstag und sind nun noch zwei weitere  Jahre im Amt. In den Parteien der Region sucht man bereits nach geeigneten Kandidaten für Nachfolge. Wenn Sie Ihre Amtszeit überblicken, was empfinden Sie persönlich interessant am Beruf des Landrates?

Als Landrat bearbeitet man eine riesige Vielfalt an Themen, stündlich muss man sich um unterschiedlichste Dinge kümmern. Da der Ostalbkreis ein sehr großer Landkreis mit über 310.000 Bürgern ist, muss man sehr viele Termine wahrnehmen, um allen gerecht zu werden. Mir gefällt, dass unsere Entscheidungen direkt und unmittelbar beim Bürger ankommen.

WZ Herr Landrat, danke für das Gespräch. Hätten Sie noch ein Schlusswort für die Bürger?

Uns geht’s hier im Ostalbkreis so gut wie nie. Wir alle müssen aber immer weiter daran arbeiten, dass diese gute Situation so bleibt auch für kommende Generationen.

Foto: Georg Lindner/Wochenzeitung Aalen

Landrat Klaus Pavel; Ostalbkreis; Ostwürttemberg

Klaus Pavel, Landrat des Ostalbkreises, vor dem Wappen des Landkreises. Foto: Georg Lindner

 

 

 

 

 

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