Kleine Langohren bei den Okapis und Poitou-Eseln

Stuttgart (wz). Gleich doppelt konnte man sich in der Wilhelma in Stuttgart in der vergangenen Woche über Nachwuchs freuen: Im Giraffenhaus erblickte ein gesundes Okapikalb das Licht der Welt, während bei den Poitou-Eseln ein kleines Fohlen über den Schaubauernhof tobt. Beide Jungtiere sind willkommene Lichtblicke im Wilhelma-Alltag, der derzeit aufgrund der Corona-Pandemie hinter verschlossenen Toren stattfindet. Auch für den Fortbestand der beiden Arten sind die Neuzugänge von großer Bedeutung. Die Okapis sind in ihrem Heimatgebiet, der Demokratischen Republik Kongo, stark gefährdet. Dort leben schätzungsweise noch 15.000 dieser scheuen Tiere. Nur rund 70 Waldgiraffen gibt es in 24 europäischen Zoos – nun verstärkt durch den neugeborenen Okapibullen des Zoologisch-Botanischen Gartens. Dass die Geburt nach der 14-monatigen Tragzeit nicht mehr lange auf sich warten lassen würde, hatte Mutter Nyota schon einige Tage vor dem Termin gezeigt. Obwohl der warme Sonnenschein auf die Außenanlage gelockt hatte, blieb sie lieber im Innenbereich. Am Dienstag, 7. April, kam das Kalb dann ganz unbeobachtet auf die Welt. „Als wir morgens kamen, stand der Kleine schon und Nyota hatte ihn sauber und trocken geleckt“, berichtet Revierleiter Daniel Wenning. „Sie säugt ihn regelmäßig und kümmert sich wirklich hervorragend um ihn. Besser könnte es nicht laufen.“ Die Freude darüber ist groß, denn bei Nyotas erstem Nachwuchs im Oktober 2018 gab es Komplikationen. Die unerfahrene Okapikuh ließ ihr Jungtier nicht ans Euter, wenig später starb es während einer notwendig gewordenen Operation. Umso schöner ist es, dass Nyota ihren neuen Schützling nun so liebevoll umsorgt. Der noch namenlose Jungbulle macht einen kräftigen Eindruck und übt sich bereits an ersten Galoppsprüngen. Den Großteil des Tages verbringt er allerdings ruhend im Stall, während Nyota stundenweise Ausflüge ins Vorgehege unternehmen darf. Denn Okapijungtiere sind Ablieger und halten sich die ersten Lebenswochen größtenteils versteckt. Vater Shomari bekommt von seinem Nachwuchs dagegen nur wenig mit. Da die Regenwaldbewohner Einzelgänger sind, beteiligt er sich nicht an der Aufzucht. Eine morgendliche Überraschung war auch das Fohlen bei den Poitou-Eseln auf dem Schaubauernhof. Das neugeborene Langohr stand am Ostersonntag, 12. April, zu Dienstbeginn schon fest mit seinen vier stämmigen Beinen im Leben. Im Gegensatz zu Mutter Brise trägt die kleine Stute noch nicht das rassetypische zottelige Haarkleid, das sich erst im Alter von einem Jahr entwickelt. Das Fohlenfell ist zunächst sehr dunkel, kurz und plüschig, bevor es sich langsam aufhellt. Die Haustierrasse stammt aus dem Westen Frankreichs und ist schon seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Waren sie einst zur Züchtung großer und leistungsstarker Maultiere beliebt, standen die Poitou-Esel in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts fast vor dem Aussterben. Dank eines koordinierten Zuchtprogramms konnte diese Rasse jedoch bis heute erhalten werden. Das jüngste Stutfohlen der Wilhelma ist zudem das Ergebnis einer langen Zusammenarbeit mit dem französischen Zuchtverband. Während die ersten beiden Fohlen von Mutter Brise und Hengst Nepomuk aber nach Frankreich umgezogen sind, darf der jüngste Sprössling im Zoologisch-Botanischen Garten bleiben und zukünftig hoffentlich selbst einmal zum Erhalt der edlen Esel beitragen.

Foto: Wilhelma Stuttgart

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