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Die Hesperidengärten – eine Oase in der Stadt

NÜRNBERG (DO). „Riesenschritt“ steht auf dem Schild des beschaulichen Fußweges, der auf der einen Seite entlang einer Häuserzeile – auf der anderen Seite an einer hohen Mauer verläuft. Fast am Ende befindet sich rechter Hand eine ganz unscheinbare, schmale Pforte. Sie gewährt Eintritt in eine aufwendig gestaltete Gartenanlage – die Hesperidengärten.

Der Himmel ist strahlend blau. Wasser plätschert und Vögel zwitschern, ansonsten ist es still, ganz still. Endlich habe ich den versteckten Eingang zu den Barockgärten im Stadtteil Sankt Johannis in Nürnberg gefunden. Der Verkehrslärm und die Hektik der Stadt, durch die ich vorher von der Altstadt her gelaufen bin, sind schnell vergessen. Keine Menschenseele weit und breit.Nur ich allein und um mich herum Idylle pur. Die Hesperidengärten sind Rekonstruktionen von Gartenanlagen, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert im Stadtteil Sankt Johannis typisch waren. Vermögende Kaufleute, die einst vor den Stadtmauern lebten, nutzten die Gärten, um sich zu erholen und zwischen Brunnen, Skulpturen, Blumenbeeten und Limonenbäumchen zu lustwandeln. In den 80er-Jahren wurden die Gärten gänzlich neu konstruiert. Der Bürgerverein Nürnberg hat sie zusammengelegt und liebevoll restauriert. Ihren Namen verdanken die Gärten den Hesperiden, den Töchtern des Hesperos, die in der griechischen Mythologie die goldenen Früchte bewachten. Vor mir liegen sie nun, die im Barockstil angelegten Hesperidengärten. Nebeneinander, die Länge kann ich nur erahnen. Jeder von ihnen mit einer hohen Schnitthecke umgeben. Innerhalb der Gärten sind wiederum kniehohe Buchshecken angeordnet – alle ganz akkurat in Form geschnitten. Diese fassen die Rasenflächen und Kieswege ein und halten die Stauden und Kräuter in Zaum. Viele kleine Bereiche, die es zu entdecken gilt. Auf einmal steigt mir Zitronenduft in die Nase. Herrlich gelbe Früchte hängen an den kleinen Bäumchen, die in Kübel gepflanzt und streng formal angeordnet sind.
Ich flaniere durch die bewachsene Bogenallee und bleibe immer wieder an den Skulpturen stehen. Diese befinden sich auf profilierten Postamenten – manche sind lebensgroß. Ihre Haltung ist meist voller Anmut. Am Zwergenensemble harre ich besonders lange aus. Einer davon, der sogenannte Vielfraß, streckt mir mit zufriedener Miene seinen dicken Bauch entgegen. Das südländische Flair mitten in Nürnberg ist einzigartig. Gemütlich spaziere ich weiter. Stets begleitet mich das Geplätscher von Wasser. Im Gegensatz zu den Statuen sind die vielen Brunnen relativ bescheiden ausgeführt.

Ein Highlight erwartet mich noch an der Südseite der Gärten: eine besondere Sonnenuhr. Die Uhrzeiten bestehen aus niedrig geschnittenen Buchsbüschen, die in Form von römischen Ziffern geschnitten sind. Schön anzusehen ist der Polstab durch die Steinkugel, der auf den Himmelsnordpol ausgerichtet ist. Was es mit der Uhr auf sich hat, lese ich an der Tafel nach. Zum Abschluss meines Rundgangs suche ich mir auf einer Parkbank unter einem Schatten spendenden Baum ein Plätzchen, um die Idylle noch einmal zu genießen. Die Hesperidengärten sind nicht allzu groß, aber ein Gesamtkunstwerk, aus dem man Kraft schöpfen kann. Die Gärten sind öffentlich, aber nicht durchgängig geöffnet.

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Traumhaft schön ist es, durch die bewachsene Bogenallee zu laufen. Fotos: Brigitte Dorr

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