Ansbach Caritas

Staatsministerin Schreyer macht sich für Frauenhäuser stark

ANSBACH (ASC). Laut Experten werden allein in Bayern jährlich 140.000 Frauen Opfer von Gewalt. 19.673 Fälle häuslicher Gewalt registrierte die Polizei allein im Jahr 2017. Dabei ist die Dunkelziffer gerade in diesem Bereich noch um ein Vielfaches höher. Zufolge einer Studie, die das bayerische Sozialministerium in Auftrag gegeben hat, müssten 35 Prozent mehr Plätze in Frauenhäusern geschaffen werden. Um diesen Missstand zu entschärfen, brachte das Ministerium im Juni 2018 ein Konzept zum Schutz von gewaltbetroffenen Frauen heraus. Nun kam Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, auf Einladung des Caritas-Verbandes Ansbach und des Landtagsabgeordneten Andreas Schalk in die Markgrafenstadt, um sich über die Arbeit der Caritas Ansbach zu informieren und deren Anliegen anzuhören.

Das Ansbacher Frauenhaus wurde 1991 eingerichtet. In diesen 27 Jahren bot es 2.107 Frauen und 2.415 Kinder, Schutz und Unterkunft (Stand: 31. August 2018). Aufgenommen werden vor allem Frauen aus den Einzugsgebieten Stadt und Landkreis Ansbach, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, Landkreis Neustadt a.d. Aisch/Bad Windsheim und dem gesamten Bundesgebiet. Auch für die Verantwortlichen des Frauenhauses ist die andauernde Wohnungsnot ein großes Thema. Wegen der langen Wohnungssuche sei die Verweildauer der Frauen im Frauenhaus stark angestiegen. Lag sie im Jahr 2016 noch bei 46,85 Tagen, stieg sie im Folgejahr auf 56,9 Tagen, für das Jahr 2018 liege man bei 60,2 Tage, so die Leiterin des Frauenhauses Brigitte Guggenberger.

Interventionsstellen  mit proaktiver Beratung  für Frauen

Im Oktober 2015 richtete die Caritas die Interventionsstelle ein. Der wichtigste Kooperationspartner für ihre Arbeit ist die Polizei. Viele Frauen nehmen nach schweren Gewalterfahrungen von sich aus keine Hilfe in Anspruch. Die Taten sind zu sehr mit Scham und Schuld besetzt. Deshalb brauchen sie aktive Hilfsangebote wie Berater, die zu ihnen Kontakt aufnehmen. Konkret bedeutet das, dass nach einem polizeilichen Einsatz bei häuslicher Gewalt oder Stalking die Einsatzbeamten auf die Beratungsstelle hinweisen. Bei Einverständnis der Frau werden ihre Daten an die Interventionsstelle übermittelt, die innerhalb von drei Werktagen Kontakt zu der Betroffenen aufnimmt. „Damit werden Frauen noch in einer sehr frühen Phase (der Gewalt) erreicht“, erläuterte Heinz Kestler, Geschäftsführer von Caritas Ansbach. Man erreiche damit eine völlig neue Zielgruppe, „und dort wo der Kontakt zustande kommt, ist die Inanspruchnahme hoch“, erläuterte Kestler weiter. Mitarbeiter der Caritas gehen deshalb in die Polizeiinspektionen, um die Beamten für das Thema zu sensibilisieren. Gerade der Bereich der seelischen Gewalt sei für Außenstehende schwer nachvollziehbar, weiß auch Staatsministerin Schreyer, die selbst gelernte Sozialpädagogin ist und lange Zeit als Familientherapeutin tätig war. Doch nicht nur für Polizisten hält Staatsministerin Schreyer Schulungen für wichtig, auch für Richter im Bereich Familienrecht sieht sie großen Handlungsbedarf: „Wir müssen überlegen, wie wir dieses Themenfeld seelische Gewalt bei den Entscheidungsträgern anders positionieren.“

Foto: Als Präsent überreichte der Geschäftsführer der Caritas Heinz Kestler an Staatsministerin Kerstin Schreyer Marmelade, die von Frauen im Frauenhaus selbst gemacht wurde. Foto: Anika Schildbach

 

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