Unfallstatistik Ansbach

Unfallstatistik: Besorgniserregender Anstieg zu verzeichnen

Unfallstatistik: Besorgniserregender Anstieg zu verzeichnen

Ansbacher Polizei präsentiert Zahlen der Unfallstatistik 2018 für den Landkreis Ansbach

Ansbach (LuH). Von vier auf 17. Das war die Zahl, welche bei der Präsentation der Unfallstatistik im Landkreis Ansbach sofort ins Auge stach und die Vertreter der Ansbacher Polizeiinspektion und der Verkehrspolizei nachdenklich stimmte. Besorgniserregend sei zudem die Situation rund um den Schwerlastverkehr, auf den deutlich überlasteten Autobahnen A6 und A7.

Der sechsspurige Ausbau der A6 ist politischer und gesellschaftlicher Wille. Das haben die letzten Monate klar gezeigt. Nur fehle es weiterhin an der endgültigen Planungserlaubnis und so sind konkrete Aussagen über Planungsbau oder gar eine Fertigstellung nicht machbar. Deshalb werden die Probleme für den stellvertretenden Dienststellenleiter der Verkehrspolizei Ansbach, Norbert Just, nicht weniger.  Im Schnitt verkehren auf der A6 circa 57.000 Kraftwagen täglich, an Spitzenzeiten sind es gar 80.000 und das größtenteils auf zwei Fahrstreifen. Daher ist es als Erfolg zu werten, dass die VPI dieses Jahr mit 966 Unfällen eine Minderung um 10,39 Prozent verzeichnen könne. Zwei davon endeten wie bereits 2017 tödlich, 154 hatten Verletzte zu Folge (-6.67 Prozent).

Als Unfallursache Nummer eins nannte Just fehlenden Abstand. Aber auch durch überhöhte Geschwindigkeit und fehlerhafte Fahrbahnwechsel würde es immer wieder krachen. Als Hauptaufgabe bezeichnete der stv. Dienststellenleiter weiterhin Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen sowie die Überprüfung des Schwerkraftverkehrs. Hierbei klagte Just aber über die technische Ausrüstung, die reparaturanfällig sei und ihre Probleme mit den LED-Scheinwerfern moderner Autos hätte. Noch messe man nämlich analog. Just zeigte sich aber hoffnungsvoll, dass bald auch das digitale Zeitalter in der Ansbacher VPI anbrechen würde. Gar von mafiösen Strukturen war die Rede, als es um den Schwerlastverkehr ging. Über ein Viertel des Verkehrs würde durch LKWs entstehen, nachts gar knapp die Hälfte. Gängige Praxis sei es heutzutage, 7,5 Tonner als 3,5 Tonner zu versichern, um so Steuern zu sparen und sich manchen Vorschriften zu entziehen. Diese als 3,5 Tonner versicherten LKWs würden dann aber als 7,5 Tonner beladen oder eben selbst für ihre technische Ausstattung überladen. Der schwerste „3,5 Tonner“ hätte um die 14 Tonnen auf die Wage gebracht. Auch technische Mängel seien an der Tagesordnung. Fast jeder kontrollierte LKW sei in unterschiedlichem Ausmaß beanstandbar. Das große Problem sei, dass die vollständige Kontrolle eines Fahrzeugs 1,5 Stunden dauere. In dieser Zeit sind die ausführenden Beamten geblockt und können keine weiteren Kontrollen vornehmen. Mehr Personal würde Abhilfe leisten. So führen zu geringer Kontrolldruck und zu geringe Restriktion dazu, dass sich der Betrug für die meist osteuropäischen Speditionen rentiere. Denn in der Zeit in der vielleicht ein Fahrer erwischt werde, kämen dutzende weitere schon wieder durch. So seien auch die Unternehmen in Abwicklung und Strafenzahlung der Kontrollen meist sehr schnell und kooperativ.

Ein weiteres Problem ist nach wie vor die Bildung der Rettungsgasse, auch wenn hier langsam eine positive Entwicklung einsetzt. Geht man von der Autobahn auf die weiteren Straßen im Landkreis Ansbach, so lässt sich eine moderate Steigung der Unfälle um etwa 150 auf nun 5.382 verzeichnen, jedoch endeten 17 dieses Jahr tödlich. Auffällig darunter der hohe Anteil an „schwachen Verkehrsteilnehmern“, also Rad und Motorradfahrern, sowie Passanten, die zudem überproportional viele Unfälle selbst verschulden.

Die häufigste Unfallursache ist dabei das Überschreiten der Fahrbahnmarkierung, also das Abkommen von seiner Fahrbahnseite. Hier betonte der Sachbearbeiter Verkehr der Polizei Ansbach, Ludwig Hasenmüller, dass die Dunkelziffer für Abkommen von der Fahrbahn durch Smartphone-Nutzung wohl hoch sei. „Nutzen Sie die moderne Multimediaausattung ihrer Fahrzeuge richtig aus“, appellierte Hasenmüller. Große Sorgen bereiten den Polizisten zudem die Verkehrsunfallfluchten.

Die Angst, den Schadensfreiheitsrabatt zu verlieren, führe dazu, kleinere Rempler absichtlich zu übersehen. Aber auch Unwissenheit und Unsicherheit bei Fahranfängern sowie bewusste und unbewusste Ignoranz älterer Verkehrsteilnehmer führen zu Problemen. Positives gibt es hingegen von den Schulwegsunfällen zu berichten. Mit insgesamt sechs hat man einen neuen Tiefstwert erreicht.

Betonen wollten die Polizeibeamten zudem den noch recht frischen Paragraphen, der die Regelung von Multimediasystemen im Straßenverkehr regelt. Dieser untersagt die Benutzung während der Fahrt und auch an der Ampel, die über ein kurzes Wischen hinausgeht. Zudem wurden die Strafen angepasst. Auch Landrat Dr. Jürgen Ludwig betonte: „Ja wir haben ein Problem. Es ist nun an der Zeit, dass ein Umdenkprozess bei den Verkehrsteilnehmern geschieht und diese sich ändern. 17 Tote sind 17 zu viel.“ Der Landkreis könne nur weiter Knoten und Gefahrenpunkte durch straßenbauliche Maßnahmen entschärfen. Dies werde auch die Aufgabe für dieses Jahr sein, wie der Leiter des staatlichen Bauamtes Heinrich Schmidt erwähnte.

Foto: v.l.: stv. Dienststellenleiter PI Ansbach, Hans Albrecht, Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Leiter des staatlichen Bauamtes Ansbach Heinrich Schmidt, stv. Leiter der VPI Ansbach, Norbert Just, Sachbearbeiter Verkehr der Polizei Ansbach, Ludwig Hasenmüller Foto: Luca Herrmann

 

 

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