Volkstrauertag Ansbach

„Wir müssen zu Schülern werden“

ANSBACH (ASC). 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und 80 Jahre nach der Reichspogromnacht ist am Volkstrauertag bundesweit der Opfer von Gewaltherrschaft und der Kriegstoten aller Nationen gedacht worden. Angesichts des Krieges, der Gewalt und Zerstörung, die weltweit noch immer präsent sind, soll der Tag auch zum Frieden ermahnen.

„Seit dem 11. November vor 100 Jahren schwiegen die Waffen, doch wie ein Frieden aussehen sollte, war noch nicht klar. An eine Aussöhnung mit dem Kriegsgegner war nicht zu denken und von möglichen Freunden sprach niemand“, stellte Bürgermeister Thomas Deffner bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2018 vor dem Ehrenmahl an der St. Johanniskirche fest. „Am Ende der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, dem Ersten Weltkrieg, wurden in den Jahren danach die falschen Schlüsse gezogen, und das trotz der 17 Millionen Toten, die der Erste Weltkrieg gefordert hatte“, erinnerte Deffner. „Und so kam es zu einem noch brutaleren Krieg, der einen staatlich gewollten Völkermord bisher nie bekannten Ausmaßes ermöglichte, der bereits vor Kriegsbeginn mit der Reichspogromnacht vor 80 Jahren seinen Anfang nahm.“ Erst nach dem Zweiten Weltkrieg sei es möglich gewesen einen dauerhaften Frieden in Mitteleuropa herzustellen. Doch auch in den Staaten des Ostblocks, da­runter die ehemalige DDR, wurden bis 1989 Menschen seelisch und körperlich gequält, gefoltert und ermordet. Diese Verbrechen, so Deffner, dürften nicht mit Begriffen wir Ostalgie verharmlost oder relativiert werden. Auch deshalb erinnerte Deffner an die Worte der Schriftstellerin Dr. Ingeborg Bachmann: „Die Geschichte lehrt ständig, aber sie findet keine Schüler.“

„Wir müssen selbst zu Schülern werden und der Geschichte zu weiteren Schülern verhelfen“, mahnte Deffner an. Trotz Schwierigkeiten in der EU dürfe man nie an einem geeinigten Europa zweifeln. „Die Opfer derer, denen wir heute gedenken verpflichten uns dazu.“

Bürgermeister Thomas Deffner dankte den Mitwirkenden, darunter Pfarrer von St. Gumbertus Dr. Dieter Kuhn, Pastoralreferent Edgar Schlusche, den Abordnungen der Feuerwehr, Bundeswehr und US-Armee, den Reservisten des VdKs und des Sozialverbandes Deutschland sowie dem Posaunenchor Schalkhausen, der die Gedenkstunde begleitete.

Foto: Am Volkstrauertag versammelten sich vor dem Ehrenmal an der Südseite der Johanniskirche zahlreiche Bürger, um der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken und ein Signal für den Frieden zu setzen. Foto: Anika Schildbach

 

 

  • Wochenzeitung - Werbung - Hier könnte Ihre Werbung stehen