Wohnbau in Klein- und Mittelstädten

NÖRDLINGEN (MAB). Das Forum Stadt – Netzwerk historischer Städte e.V. und die Stadt Nördlingen konnten am Donnerstag und am Freitag circa 120 Teilnehmer bei der Internationalen Städtetagung begrüßen. Das Thema lautete „Neue Wohnungsfrage: Wohnbauen in Klein- und Mittelstädten“, eine für Nördlingen immer bedeutsamer werdende Angelegenheit.

Die neue Wohnungsfrage ist heute kein rein großstädtisches Problem mehr, sondern hat längst auch die Klein- und Mittelstädte mit Einwohnerzahlen zwischen 5000 und 100.000 erreicht. Der Immobilienmarkt boomt, Mieten und Kaufpreise von Wohnungen explodieren. Das Forum Stadt, das seit fast 60 Jahren Denkanstöße für die Ermöglichung modernen Lebens in historischen Städten liefert, will mit der Tagung neue Lösungen aufzeigen und Verantwortliche aus Kommunen und kommunalem Bau zusammenbringen.

Laut Tagungskurator Prof. Dr. Tilman Harlander leben fast 60 Prozent der deutschen Bevölkerung in Klein- und Mittelstädten, Die Steigerungsrate der Mieten sei hier prozentual sogar höher als in den Großstädten. Fatal sei, dass die Städte aufgrund letztlich falscher Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung nicht auf den gesteigerten Wohnungsbedarf vorbereitet seien – statt eines Bevölkerungsrückgangs wächst die Zahl der Wohnungssuchenden wegen des Zuzugs von Migranten.

„Die aktuellen Probleme sind im hohen Maße vom Rückzug des Staates aus dem Wohnungsmarkt bedingt“, meint Dr. Zieger, Erster Vorsitzender des Vereins und Oberbürgermeister von Esslingen am Neckar. Die Wohnungsversorgung nehme einen zu hohen Teil des Einkommens ein, die Verstädterung seit den 70er Jahren rücke schwächere Marktteilnehmer in prekäre Verhältnisse. „Das ist ein Marktversagen unserer Marktwirtschaft“, brachte Dr. Zieger es auf den Punkt. Einige Lösungsansätze, die später bei der Tagung Thema werden sollten, wurden bereits im Pressegespräch vorgestellt. Ein Beispiel war der kommunale Wohnungsbau, dessen größtes Problem laut Dipl.-Ing. Julius Mihm die schwierige Gewinnung der nötigen Bauflächen sei. „Die planungsrechtliche Bereitstellung von Flächen ist in Deutschland zu schwierig und zu langwierig“, meinte Dr. Zieger. Außerdem sei eine Übernormung zu beobachten: Der heutzutage nötige technische Aufwand beim Hausbau aufgrund umfangreicher rechtlicher Auflagen treibe die Preise in die Höhe. Neue Methoden seriellen Wohnungsbaus, höhere Dichte und auch die geteilte Nutzung von Wohnraum müssten diskutiert werden.

Tagungskurator Prof. Dr. Tilman Harlander hielt fest, dass es unbedingt gemeinwohlorientierte Träger im Wohnungsbau brauche – die Stadt Nördlingen könne sich glücklich schätzen, ihre Baugenossenschaft zu haben. Oberbürgermeister Hermann Faul stimmte zu und berichtete, dass sich circa 190 Wohnungen derzeit in Nördlingen „in der Pipeline“ befänden. Das Forum Stadt sieht Nördlingen wegen seines behutsamen Umgangs mit dem historischen Wohnungsbestand, dem altstadtgerechten Neubau von Wohnungen und zahlreicher neuer Bauträger als idealen Ort für die Tagung an – vielleicht kann Nördlingen Anreize liefern, die Wohnungssituation in den Klein- und Mittelstädten insgesamt zu verbessern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildunterschrift:     Suchten in Nördlingen neue Lösungen für die Wohnungsfrage (von links): Dipl.-Ing. Julius Mihm, Oberbürgermeister Hermann Faul, Dr. Jürgen Zieger, Prof. Dr. Tilman Harlander, Prof. Dr. Harald Bodenschatz und Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel     FOTO:     Maximilian Bosch

 

 

 

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