Ellingen — Am 1. Advent jährt sich die Einweihung der Christuskirche zum 100. Mal. Dieses besondere Jubiläum feiern wir mit einem Festgottesdienst um 10.00 Uhr in der Christuskirche und anschließendem Empfang im Gemeindehaus.
Im Gottesdienst übernehmen das Chörle unter der Leitung von Ulrike Haag und der Posaunenchor die musikalische Gestaltung. Den Empfang werden die Holzperlen mit ihrer Musik bereichern.
Für die Kinder gibt es während des Gottesdienstes eine Betreuung im Gemeindehaus und beim Empfang Bastelangebote.
Es werden Kirchen- und Dachbodenführungen angeboten und es kann eine Ausstellung mit Fotos aus 100 Jahren Konfirmatiion in der Christuskirche besucht werden.
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ – diese Liedzeile bekam am 1. Advent 1925 in Ellingen eine besondere Bedeutung: An diesem Tag wurde die neue evangelische Kirche feierlich eingeweiht. Nicht nur die evangelische Gemeinde, sondern die ganze Stadt feierte mit. Die Häuser waren beflaggt und geschmückt – auch die katholischen. Das gute Miteinander der Konfessionen, das man sich damals wünschte, hat sich bis heute zu einem wertschätzenden und vertrauensvollen Zusammenwirken entwickelt.
Schon um 1900 wuchs die Zahl der Evangelischen in Ellingen auf rund 250. Da sie zum Gottesdienst nach Weißenburg oder Höttingen mussten, gründeten engagierte Bürger 1909 einen Kirchenbauverein. Vorsitzende waren Schmiedemeister Friedrich Lang und später Baumschulenbesitzer Paul König. Der Verein sammelte im ganzen südlichen Mittelfranken Spenden und konnte bald ein Grundstück erwerben. Der Erste Weltkrieg stoppte jedoch alle Pläne.
Nach dem Krieg kümmerte sich Pfarrer Friedrich Veit aus Weißenburg um die Evangelischen im Rezattal. Ein Saal im Kindergarten durfte für Gottesdienste genutzt werden, wurde aber bald zu klein. Trotz Inflation und Geldverlust wagte man 1923 einen neuen Anlauf zum Bau einer Kirche – „eigentlich ohne Geld, aber durch Zusammenfassung aller Kräfte“. Viele halfen mit: Es wurden Steine aus Äckern gegraben, mit Ochsenkarren gefahren und Dachziegel mit Getreidespenden bezahlt. Auch katholische Bauern unterstützten das Vorhaben.
Der renommierte Architekt Prof. German Bestelmeyer entwarf einen achteckigen Zentralkirchenbau mit Zeltdach und zwiebelbekröntem Turm, der sich harmonisch ins Stadtbild einfügt. Am 24. August 1924 erfolgte die Grundsteinlegung. Doch am 4. Oktober stürzte der bereits 13,5 m hohe Turm ein – Gott sei Dank während der Mittagspause, sodass niemand verletzt wurde. Nach statischen Verbesserungen konnte der Bau fortgesetzt werden.
Dieses Unglück steigerte noch einmal die Unterstützung durch die Menschen in Ellingen und den Nachbargemeinden, so dass die Kirche am 29. Dezember 1925 eingeweiht werden konnte — ein Tag großer Dankbarkeit nach vielen Mühen und Rückschlägen.
Die Inneneinrichtung konnte allerdings erst nach und nach beschafft werden: 1930 die zweite Glocke, 1935 die Steinmeyer-Orgel, 1952 das große Kruzifix im Altarraum – eine Arbeit von Akademieprofessor Schorer. Anlässlich des 50jährigen Jubiläums wurde der provisorische Altar durch einen Steinaltar des Bildhauers Reinhard Fuchs ersetzt. Der gleiche Künstler fertigte auch eine neue Rückwand für das Kruzifix.
Seit 1990 trägt die Kirche den Namen „Christuskirche“. Diese Wahl unterstreicht, dass Christus das Zentrum der Kirche und der ganzen Gemeinde bildet.
Bei der Renovierung 2013 und 2014 wurden statische Probleme im Dachstuhl beseitigt und der Innenraum mit neuer Technik und neuem Anstrich versehen, so dass die Christuskirche ihre Besucher nicht nur zum 100. Geburtstag mit einer wunderbar einladenden Atmosphäre empfängt. (Pfarrerin Sibylle Bloch)
Bildunterschrift: Die Christuskirche im Stadtgarten – damals noch grüne Wiese. Foto: unbekannt


