1200 Jahre Gunzenhausen – spannender Blick zurück

von | 25. Januar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Es ist ein visu­el­ler Trip in die jüngs­te Ver­gan­gen­heit, und doch erin­nern die rund 400 Bil­der eher an die Anfän­ge der Foto­gra­fie, das Vik­to­ria­ni­sche Zeit­al­ter oder alte Dra­cu­la- oder Fran­ken­stein­fil­me in schwarz-weiß. Ein­ge­la­den zu die­sem span­nen­den „Blick zurück“ hat­te der Ver­ein Kunst­fo­rum Frän­ki­sches Seen­land, der ver­gan­ge­nen Frei­tag­abend im Rah­men einer kurz­wei­li­gen Ver­nis­sa­ge die tol­len Ergeb­nis­se des 1200-Jah­re-Pro­jekts „Loch­ka­me­ra“ prä­sen­tier­te. Mit dabei: came­ra obscu­ra-Papst Gün­ter Der­leth, der die Akti­on von Beginn an mit Rat und Tat beglei­te­te. Die rund 400 Bil­der kön­nen noch bis zum 11. Febru­ar 2024 im M11 kos­ten­los besich­tigt wer­den.

Die gestell­te Auf­ga­be war denk­bar ein­fach: „Was fällt Ihnen zum The­ma Gun­zen­hau­sen und/oder zum Stadt­ju­bi­lä­um ein? Machen Sie ein Foto davon und rei­chen Sie es im Lau­fe des Jah­res 2023 beim Kunst­fo­rum Frän­ki­sches Seen­land e.V. ein.“ Pro­blem 1: Foto­gra­fiert wer­den muss­te mit einer came­ra obscu­ra, einer klei­nen Loch­ka­me­ra, die im Vor­feld von Gün­ter Der­leth und sei­nem Team 1200x aus Kar­ton hand­ge­bas­telt und das Jubi­lä­ums­jahr über an Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, Freun­de der Stadt oder Tou­ris­ten kos­ten­los ver­teilt wur­de. Pro­blem 2: Der Kame­ra­kar­ton hat­te an der Vor­der­sei­te zwar eine klei­ne Öff­nung zum Foto­gra­fie­ren, die­se war jedoch mit einem Kle­be­strei­fen ver­sie­gelt und muss­te zum „Bild machen“ abge­zo­gen wer­den. Nach einer Minu­te muss­te das Loch wie­der ver­sie­gelt wer­den. In die­ser Zeit durf­te die Loch­ka­me­ra bes­ten­falls nicht bewegt wer­den, dazu brauch­te es aus­rei­chend Hel­lig­keit und ein inter­es­san­tes Motiv.

Was in Zei­ten der Digi­tal­fo­to­gra­fie selt­sam anmu­tet, war schon Aris­to­te­les bekannt, Gün­ter Der­leth hat die­ses Prin­zip jedoch zur Kunst­form erho­ben und arbei­tet mitt­ler­wei­le seit 25 Jah­ren nach der came­ra obscu­ra-Logik. Das Beson­de­re: Der Foto­gra­fie­ren­de weiß nie, was am Ende raus­kommt, außer­dem wer­den Bewe­gun­gen auf­grund der lan­gen Belich­tungs­zeit nicht fest­ge­hal­ten. Dies führt zu erstaun­li­chen Ergeb­nis­sen, bei­spiels­wei­se zu einem men­schen­lee­ren Gun­zen­häu­ser Markt­platz zur gut besuch­ten Wochen­markt­zeit. Übrig blei­ben näm­lich nur die unbe­weg­li­chen Stän­de und Aus­la­gen, die sich stän­dig bewe­gen­den Men­schen wer­den nicht auf Bild fest­ge­hal­ten.

Die im M11 zu sehen­den Moti­ve sind abwechs­lungs­reich und über­ra­schend. Dazu haben sich gene­ra­tio­nen­über­grei­fend Inter­es­sier­te an der Akti­on betei­ligt, auch eine Schul­klas­se hat mit­ge­macht. Zu sehen sind Wahr­zei­chen der Stadt, aber auch pri­va­te Gär­ten, das Ker­wa-Rie­sen­rad oder All­tags­ge­gen­stän­de. Nicht alles ist auf den ers­ten Blick klar erkenn­bar, manch­mal deu­ten nur Sche­men das Foto­gra­fier­te kryp­tisch an. „Die Bil­der wir­ken wie Zeug­nis­se aus einer ande­ren Zeit“, betont Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz. „Heu­te sind wir es gewohnt, tech­nisch ein­wand­freie Bil­der zu schie­ßen. Mit die­ser Akti­on sind wir einen Schritt zurück­ge­gan­gen und sind damit tie­fer in die See­le Gun­zen­hau­sens ein­ge­taucht. Alle, die mit­ge­macht haben, konn­ten unse­re schö­ne Stadt noch bes­ser ken­nen ler­nen. Ich dan­ke für die Offen­heit und allen, die sich an die­ser tol­len Akti­on des Kunst­fo­rums betei­ligt haben.“

Das Foto­pro­jekt wur­de von der Stadt Gun­zen­hau­sen finan­zi­ell unter­stützt und ist ein wei­te­res kul­tu­rel­les High­light im Zusam­men­hang mit dem Jubi­lä­um. Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zum Fest­jahr erhal­ten Sie unter www.1200-gunzenhausen.de. Wis­sens­wer­tes zur Aus­stel­lung, Öff­nungs­zei­ten und Ansprech­part­ner sind unter www.kunstforum-fraenkisches-seenland.de zu fin­den.

Bild­un­ter­schrift: Kunst­fo­rums-Mit­ar­bei­te­rin Sig­rid Fucker und Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer. Foto: Stadt Gun­zen­hau­sen