2023 gab es mehr Verkehrsunfälle im Landkreis

von | 20. März 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ver­kehrs­un­fall­sta­tis­tik 2023 für den  Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen

Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen (red). Auch wenn die Stei­ge­rung nur mar­gi­nal ist — im Jahr 2023 gab es im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen mehr Ver­kehrs­un­fäl­le als im Vor­jahr.

Die Poli­zei­dienst­stel­len in Wei­ßen­burg, Gun­zen­hau­sen und Treucht­lin­gen nah­men ins­ge­samt 3471 Ver­kehrs­un­fäl­le auf, was im Ver­gleich zum Vor­jahr einer Stei­ge­rung um 0,49 % ent­spricht. Die über­wie­gen­de Anzahl von 2504 waren soge­nann­te Klein­un­fäl­le mit Sach­scha­den. Auch die Zahl der Ver­kehrs­un­fäl­le mit Per­so­nen­scha­den stieg um 8% leicht an, bei 351 Ver­kehrs­un­fäl­len wur­den 445 Per­so­nen ver­letzt, 86 davon erlit­ten sta­tis­tisch schwe­re Ver­let­zun­gen, muss­ten also unfall­be­dingt sta­tio­när im Kran­ken­haus behan­delt wer­den.

Im Jahr 2023 waren im Land­kreis 8 Ver­kehrs­to­te zu bekla­gen. Bei aller Tra­gik haben nach­fol­gend erläu­ter­te Ver­kehrs­un­fäl­le mit töd­li­chem Aus­gang alle­samt gemein, dass ihnen indi­vi­du­el­les Fehl­ver­hal­ten der Betei­lig­ten als Haupt­un­fall­ur­sa­che zugrun­de liegt.

Mas­sen­bach — Im Janu­ar über­sah eine 95-jäh­ri­ge Pkw-Fah­re­rin beim Ein­fah­ren in die B 13 einen im Quer­ver­kehr befind­li­chen, bevor­rech­tig­ten Pkw und ver­starb dar­auf­hin.

Ellin­gen — Im April über­sah ein Pkw-Fah­rer beim Abbie­gen von der B 2 nach links eine im Begeg­nungs­ver­kehr befind­li­che, bevor­rech­tig­te 49-jäh­ri­ge Motor­rad­fah­re­rin, wel­che noch an der Unfall­stel­le ver­starb.

Wei­mers­heim — Im Sep­tem­ber kam es zu einem Fron­tal­zu­sam­men­stoß zwei­er Pkw im Begeg­nungs­ver­kehr der Orts­ver­bin­dungs­stra­ße, als der Unfall­ver­ur­sa­cher im Kur­ven­be­reich auf die Fahr­bahn der 18-jäh­ri­gen Unfall­geg­ne­rin geriet und dort kol­li­dier­te. Die Geschä­dig­te ver­starb meh­re­re Wochen spä­ter an den Unfall­fol­gen. Auf­grund des Zeit­raums von mehr als 30 Tagen zwi­schen dem Unfall- und Todes­tag wird die­ser Ver­kehrs­un­fall aller­dings in der Sta­tis­tik offi­zi­ell nicht auf­ge­führt.

Wen­gen — Im Novem­ber über­sah und erfass­te ein Pkw-Fah­rer in den Mor­gen­stun­den fron­tal einen in glei­cher Rich­tung auf der Staats­stra­ße befind­li­chen Fahr­rad­fah­rer, wel­cher dar­auf­hin noch an der Unfall­stel­le ver­starb.

Plein­feld — Im Dezem­ber kam der Unfall­ver­ur­sa­cher im zwei­spu­ri­gen Bereich der B 2 aus unge­klär­ter Ursa­che auf die Gegen­fahr­bahn. Dort kol­li­dier­te er im Begeg­nungs­ver­kehr fron­tal mit dem Pkw einer 19-jäh­ri­gen Frau, wel­che am Fol­ge­tag ver­starb.

Treucht­lin­gen — Im Febru­ar über­fuhr ein Pkw auf der B2 in Fahrt­rich­tung Süden einen zum Unfall­zeit­punkt bereits auf der Fahr­bahn lie­gen­den 40-jäh­ri­gen Fuß­gän­ger, wel­cher zuvor mit Fahr­rad auf der Bun­des­stra­ße unter­wegs war. Die­ser ver­starb nach erfolg­lo­ser Reani­ma­ti­on vor Ort.

Gun­zen­hau­sen — Im Juli befuhr ein Pkw-Fah­rer die B13 in Fahrt­rich­tung Muhr am See, als die 60-jäh­ri­ge Unfall­ver­ur­sa­che­rin mit ihrem Mofa-Rol­ler auf die B13 eben­falls in glei­che Fahrt­rich­tung ein­fuhr. Trotz ein­ge­lei­te­ter Voll­brem­sung des Pkw-Fah­rers erfass­te die­ser die Unfall­geg­ne­rin fron­tal. Die­se ver­starb noch an der Unfall­stel­le.

Spiel­berg — Im Juli befuhr ein 15-jäh­ri­ger Jugend­li­cher mit sei­nem Leicht­kraft­rad die Kreis­stra­ße WUG25 in Spiel­berg. Vor einer Rechts­kur­ve kam er inner­orts allein­be­tei­ligt nach rechts von der Fahr­bahn ab, fuhr über den Geh­steig und die Böschung und prall­te gegen eine Haus­wand. Bei Ein­tref­fen der Ein­satz­kräf­te war der Ver­un­fall­te bereits meh­re­re Stun­den tot.

Ost­heim — Im Okto­ber kol­li­dier­te ein Pkw-Fah­rer auf der B 466 zwi­schen Ost­heim und West­heim beim Über­hol­vor­gang mit einem im Gegen­ver­kehr befind­li­chen, 16-jäh­ri­gen Fah­rer eines Leicht­kraft­ra­des. Durch den Fron­tal­auf­prall erlitt der Zwei­rad­fah­rer töd­li­che Ver­let­zun­gen.

Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kommt der Arbeit der Unfall­kom­mis­si­on bei der Begut­ach­tung von Unfall­schwer­punk­ten und Ört­lich­kei­ten schwe­rer Ver­kehrs­un­fäl­le beson­de­re Bedeu­tung zu. So wur­den exem­pla­risch im Rah­men einer Ver­kehrs­schau mit Stra­ßen­bau­last­trä­ger und Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­de kurz nach dem töd­li­chen Unfall­ge­sche­hen in Ellin­gen meh­re­re kurz­fris­tig wirk­sa­me Maß­nah­men bespro­chen. Im Ein­ver­neh­men mit der Stadt Ellin­gen sol­len so neben der Ver­län­ge­rung der Sperr­flä­chen bei­der zwei­spu­ri­gen Berei­che und der Ein­schrän­kung der erlaub­ten Fahrt­rich­tung beim Ein­fah­ren in die Bun­des­stra­ße rechts durch eine Begren­zung der Geschwin­dig­keit auf 70 km/h in Fahrt­rich­tung Nürn­berg wei­te­re töd­li­che Unfäl­le ver­mie­den bzw. zumin­dest schwe­re Unfall­fol­gen abge­mil­dert wer­den. Eine ent­spre­chend lau­ten­de ver­kehrs­recht­li­che Anord­nung ist bereits ergan­gen und wird vor­aus­sicht­lich im Früh­jahr 2024 umge­setzt.

Bei den 7 ver­zeich­ne­ten Schul­weg­un­fäl­len im Jahr 2023 erlit­ten die jewei­li­gen Geschä­dig­ten glück­li­cher­wei­se kei­ne schwe­re­ren Ver­let­zun­gen. Die Unfall­sze­na­ri­en wur­den in enger Koope­ra­ti­on zwi­schen PHM Amber­ger, Ver­kehrs­er­zie­her im Land­kreis sowie den Mit­ar­bei­tern Ver­kehr der PI Gun­zen­hau­sen, PHK Lass­nig und PHM Tem­me von der PI Treucht­lin­gen zusam­men mit Lehr­kräf­ten der Schu­len pro­ak­tiv mode­riert und teil­wei­se in erneu­ten Ver­kehrs­un­ter­rich­ten in den Klas­sen der betrof­fe­nen Kin­der auf­ge­ar­bei­tet.

Die Zahl der Ver­kehrs­un­fäl­le mit Betei­li­gung von jun­gen Erwach­se­nen im Alter von 18 bis 24 Jah­ren sta­gniert nahe­zu gleich­blei­bend bei 202 Fäl­len. Bedau­er­li­cher­wei­se ist bei den an Ver­kehrs­un­fäl­len betei­lig­ten Senio­ren im Alter ab 65 Jah­ren wie in den Vor­jah­ren ein erneu­ter Anstieg von 228 in 2022 auf 245 Ver­kehrs­un­fäl­le in 2023 fest­zu­stel­len, wobei in 168 Fäl­len die Senio­ren als Unfall­ver­ur­sa­cher auf­ge­führt wer­den. 63 Senio­ren wur­den hier­bei ver­letzt.

Auch die ver­stärk­te Nut­zung von Pedelec und Fahr­rä­dern führt seit Jah­ren wenig ver­wun­der­lich zu einem ten­den­zi­el­len Anstieg bei den Rad­fahr­un­fäl­len. Bei 105 Ver­kehrs­un­fäl­len bedeu­tet dies eine Stei­ge­rung um knapp 13 % im Ver­gleich zum Vor­jahr. In die­sem Zusam­men­hang bie­ten die Poli­zei­in­spek­tio­nen im Land­kreis in Zusam­men­ar­beit mit der Kreis­ver­kehrs­wacht spe­zi­el­le Pedelec Trai­nings für Senio­ren an, wo neben theo­re­ti­scher Ver­mitt­lung des siche­ren Umgangs mit dem E‑Bike auch pra­xis­be­zo­ge­ne Fahr­übun­gen in einem abge­sperr­ten Bereich erprobt wer­den kön­nen.

Bei 57 Unfäl­len waren Motor­rad­fah­rer betei­ligt, wovon mit 50 Zwei­rad­fah­rern erfreu­li­cher­wei­se gut 7% weni­ger ver­letzt wur­den als in 2022. Zudem ereig­ne­ten sich 2023 etwa 10% weni­ger Unfäl­le mit Betei­li­gung von Fuß­gän­gern.

Ein mit dem Gesamt­un­fall­zah­len kor­re­lie­ren­der Anstieg ist auch im Bereich der Fah­rer­fluch­ten zu ver­zeich­nen. Bei 431 Unfall­fluch­ten konn­te in 163 Fäl­len (19 mehr als im Vor­jahr) der jewei­li­ge Ver­ur­sa­cher, nicht zuletzt auf­grund vie­ler Mit­tei­lun­gen und Hin­wei­se aus der Bevöl­ke­rung, ermit­telt wer­den. Die Anzahl der Ver­kehrs­un­fäl­le unter Alko­hol- bzw. Dro­gen­ein­fluss befin­det sich mit 31 Fäl­len im Durch­schnitt der letz­ten Jah­re. In der Gesamt­schau der Unfall­ur­sa­chen nimmt die­se Unfall­grup­pe einen sehr gerin­gen Anteil ein. Haupt­un­fall­ur­sa­chen sind viel­mehr unge­nü­gen­der Sicher­heits­ab­stand, Feh­ler beim Abbie­gen, Wen­den und Rück­wärts­fah­ren sowie Vor­fahrts­ver­stö­ße, aber auch Ablen­kung und teil­wei­se nicht ange­pass­te Geschwin­dig­keit. Aber selbst ohne indi­vi­du­el­les Fehl­ver­hal­ten kann es immer wie­der zu Ver­kehrs­un­fäl­len kom­men. So ver­zeich­net die Sta­tis­tik ins­ge­samt 1520 Wild­un­fäl­le, 92 weni­ger als im Vor­jahr.

Zur Bekämp­fung der Geschwin­dig­keits­un­fäl­le wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr im Land­kreis bei Geschwin­dig­keits­über­wa­chun­gen mit dem Hand­la­ser­mess­ge­rät 1095 Ein­satz­stun­den geleis­tet. 307 Ver­kehrs­teil­neh­mer muss­ten ein Ver­war­nungs­geld ent­rich­ten, 712 erhiel­ten einen Buß­geld­be­scheid inklu­si­ve Punk­te in Flens­burg. Zusätz­lich über­wach­te die Ver­kehrs­po­li­zei Ans­bach mit tech­ni­schem Gerät (Licht­schran­ke, Radar­ge­rät) Unfall­häu­fungs­stel­len und Gefah­ren­punk­te im Land­kreis. Auch sei­tens der kom­mu­na­len Ver­kehrs­über­wa­chung der Städ­te Wei­ßen­burg, Gun­zen­hau­sen und Treucht­lin­gen wur­den Geschwin­dig­keits­kon­trol­len durch­ge­führt.

Ins­ge­samt wur­den 120 Blut­ent­nah­men (Alko­hol) bzw. Atem­al­ko­hol­tests ver­an­lasst. Bezüg­lich Fahr­ten unter Dro­gen­ein­fluss muss­ten sich 57 Kraft­fahr­zeug­füh­rer ver­ant­wor­ten. 183 Kraft­fah­rer muss­ten ein Ver­war­nungs­geld wegen eines Ver­sto­ßes gegen die Gurt­an­le­ge­pflicht ent­rich­ten. 636 Buß­geld­be­schei­de ergin­gen gegen Fahr­zeug­füh­rer wegen ver­bo­te­ner Benut­zung des Mobil­te­le­fons.

Nach­dem die Pro­ble­ma­tik der unzu­läs­si­gen Lärm­be­läs­ti­gung durch soge­nann­te Tuner und Poser in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu erhöh­tem Beschwer­de­auf­kom­men führ­te, konn­te die­sem Phä­no­men durch geziel­te Kon­troll­ak­tio­nen, u.a. zusam­men mit der eigens dar­auf spe­zia­li­sier­ten Kon­troll­grup­pe Car­tu­ning des Poli­zei­prä­si­di­ums Mit­tel­fran­ken erfolg­reich begeg­net wer­den. 64 Ver­stö­ße wegen dem Erlö­schen der Betriebs­er­laub­nis an nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­rüs­te­ten Fahr­zeu­gen und 16 Buß­geld­ver­fah­ren wegen der Ver­ur­sa­chung unzu­läs­si­gen Lärms unter Ver­wen­dung eines Kfz waren in die­sem Delikts­feld land­kreis­weit zu ver­zeich­nen. Auch wei­ter­hin wer­den rele­van­te Ver­stö­ße in die­sem Bereich kon­se­quent ver­folgt und geahn­det.

Foto: Pix­a­bay