25- bis 40-Jährige als „Verlierer-Generation“ – Bund soll Wohneigentum fördern

von | 19. Februar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen: Pest­el-Insti­tut legt Unter­su­chung zum Wohn­ei­gen­tum vor

27.800 mal die eige­nen vier Wän­de: Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat eine Wohn­ei­gen­tums­quo­te von 61,8 Pro­zent

Woh­nen in den eige­nen vier Wän­den: Vom Ein­fa­mi­li­en­haus bis zur Eigen­tums­woh­nung – im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gibt es rund 27.800 Woh­nun­gen, für die kei­ne Mie­te bezahlt wer­den muss. Denn ihre Eigen­tü­mer nut­zen sie selbst. 12 Pro­zent davon leben in einer Eigen­tums­woh­nung. Das geht aus einer regio­na­len Woh­nungs­markt-Ana­ly­se her­vor, die das Pest­el-Insti­tut im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB) gemacht hat.

Die Wis­sen­schaft­ler ermit­tel­ten dabei für den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen eine Wohn­ei­gen­tums­quo­te von 61,8 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Bun­des­weit liegt die Quo­te bei 43,5 Pro­zent. „Damit ist Deutsch­land ein ‚Mie­ter-Land‘ und lan­det beim Ran­king zum Wohn­ei­gen­tum im Euro­pa-Ver­gleich nur auf dem vor­letz­ten Platz“, sagt Mat­thi­as Gün­ther vom Pest­el-Insti­tut.

„Die eige­nen vier Wän­de ran­gie­ren bei den Men­schen zwar immer noch ganz oben auf der Wunsch­lis­te. Aber gera­de die 25- bis 40-Jäh­ri­gen kön­nen sich immer sel­te­ner ein eige­nes Haus oder eine Eigen­tums­woh­nung leis­ten“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Rund 17.800 Men­schen die­ser Alters­grup­pe leben nach Anga­ben des Pest­el-Insti­tuts aktu­ell im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen. Immer mehr von ihnen sei­en aller­dings gezwun­gen, dau­er­haft zur Mie­te zu woh­nen. „Dabei gehö­ren gera­de Job­st­ar­ter und Fami­li­en­grün­der zur typi­schen Kli­en­tel für Woh­nungs­kauf und Haus­bau. Aber die ‚Nest­bau­er-Gene­ra­ti­on‘ ist längst zur Ver­lie­rer-Gene­ra­ti­on beim Wohn­ei­gen­tum gewor­den“, sagt Mat­thi­as Gün­ther.

Es feh­le an staat­li­cher Unter­stüt­zung, kri­ti­siert der Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del: „Der Bund hat zuletzt die Eigen­heim­zu­la­ge und dann das Bau­kin­der­geld abge­schafft – und damit die effek­ti­ve För­de­rung von Wohn­ei­gen­tum fak­tisch ein­ge­stellt“, sagt BDB-Ver­bands­prä­si­den­tin Katha­ri­na Metz­ger.

Metz­ger for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, schnell ein Pro­gramm für Wohn­ei­gen­tum – eine „Haus-För­de­rung“ – in die Wege zu lei­ten: „Not­wen­dig sind direk­te Zuschüs­se. Geld vom Bund also, das auch Durch­schnitts­ver­die­ner im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen in die Lage ver­setzt, end­lich eine Chan­ce auf die eige­nen vier Wän­de zu haben: Ein Start­ka­pi­tal für das ers­te selbst­ge­nutz­te Wohn­ei­gen­tum.“ Außer­dem sei ein Nied­rig­zins­pro­gramm not­wen­dig.

Wer Wohn­ei­gen­tum anschaf­fen wol­le, müs­se in die Lage ver­setzt wer­den, dies auch mit nur wenig Eigen­ka­pi­tal zu schaf­fen. „Das bedeu­tet dann aber auch, den Gür­tel enger zu schnal­len. Von Urlaubs­rei­sen bis zum Auto­kauf: Wer Wohn­ei­gen­tum will, muss über vie­le Jah­re erheb­li­che Abstri­che machen, lebt dann aber auch für Jahr­zehn­te in den eige­nen vier Wän­de und zahlt kei­ne Mie­te mehr“, so Katha­ri­na Metz­ger.

Wich­tig sei, dass die För­de­rung des Bun­des für die „Chan­ce auf Woh­nen im Eigen­tum“ kein „kom­pli­zier­tes Büro­kra­tie­mons­ter“ wer­den dür­fe. Dabei zie­hen der Bau­stoff-Fach­han­del und der Dach­ver­band der Mau­er­stein-Indus­trie an einem Strang: Das Start­ka­pi­tal des Staa­tes müs­se genau­so wie zins­güns­ti­ges Bau­geld schnell und ein­fach bereit­ge­stellt wer­den, sagt Han­nes Zapf. Er ist Vor­sit­zen­der der Deut­schen Gesell­schaft für Mau­er­werks- und Woh­nungs­bau (DGfM).

Zapf for­dert außer­dem, der Bund müs­se sei­ne Unter­stüt­zung für Wohn­ei­gen­tum lang­fris­tig garan­tie­ren. „Es muss eine Mara­thon- und darf kei­ne Sprint-För­de­rung geben. Wer sich heu­te ent­schei­det, Geld für ein Haus oder eine Eigen­tums­woh­nung zu spa­ren, muss sich auch in drei, fünf oder sie­ben Jah­ren noch dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die För­de­rung als fes­te Zusa­ge des Staa­tes steht“, so Han­nes Zapf.

An die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von CSU und SPD aus dem Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und ganz Bay­ern appel­liert die Prä­si­den­tin des Bau­stoff-Fach­han­dels, Katha­ri­na Metz­ger, Wort zu hal­ten: „Im Koali­ti­ons­ver­trag steht klipp und klar, dass Wohn­ei­gen­tum geför­dert wer­den soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Pas­sie­re nichts, gehe die Hän­ge­par­tie wei­ter: „Alle war­ten auf Unter­stüt­zung vom Bund. Solan­ge die nicht kommt, liegt der Traum von den eige­nen vier Wän­den wei­ter­hin auf Eis“, so Metz­ger.

Immer­hin sei das Wohn­ei­gen­tum auch fürs Alter wich­tig: „Als bewohn­ba­re Ren­te – als ein Stück ‚Ren­te in Stein‘ näm­lich“, macht Han­nes Zapf deut­lich. Das bes­te Bei­spiel dafür sei­en die gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge: „Die Baby-Boo­mer gehen jetzt nach und nach in Ren­te. Damit haben sie deut­lich weni­ger Geld im Porte­mon­naie. Die Mie­te bleibt aber oder steigt sogar. Die Fol­ge: Immer mehr Neu-Rent­ner kön­nen sich ihre bis­he­ri­ge Woh­nung nicht mehr leis­ten – sie woh­nen sich arm“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Für den Chef-Öko­no­men des Pest­el-Insti­tuts ist die „Wohn­ar­mut im Alter vor allem eine Mie­ter­ar­mut“. Wer Wohn­ei­gen­tum habe, kom­me finan­zi­ell im Alter „deut­lich bes­ser über die Run­den“.

Bild­un­ter­schrift: Geld ins Haus ste­cken: Damit auch Durch­schnitts­ver­die­ner im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sich wie­der ein Haus oder eine Eigen­tums­woh­nung leis­ten kön­nen, soll der Bund eine „Haus-För­de­rung“ schaf­fen. Das for­dern Bran­chen­ver­bän­de. Da beim Wohn­ei­gen­tum die Mie­te weg­fal­le, ren­tier­ten sich die eige­nen vier Wän­de im Alter: als eine „bewohn­ba­re Ren­te“ – als ein Stück „Ren­te in Stein“. Foto: Nils Hil­le­brand