Großes Jubiläumskonzert in der Stadthalle Gunzenhausen
Seit drei Jahrzehnten singt sich Christoph Potzler in die Herzen seiner Fans. Gemeinsam mit dem Pianisten Achim Lauter tritt er als das Duo „Swinging Harmonists“ auf, gesungen und gespielt werden überwiegend Evergreens und Schlager aus der goldenen Ära der 1920- bis 1940er-Jahre. Auf der Bühne werden die beiden von Potzlers Ehefrau Lydia Mühlbauer unterstützt, die kurzweilig mit Witz und Charme durchs Programm moderiert. Vor kurzem feierten die drei Christoph Potzlers 30-jähriges Bühnenjubiläum in der Gunzenhäuser Stadthalle mit einem nostalgischen Konzert. Ein „Best of“ wurde zelebriert und den vielen Fans als außergewöhnliche musikalische Delikatesse serviert. Die Stadthalle war proppenvoll und die Stimmung fantastisch. Die Swinging Harmonists sind wie guter Cognac, sie werden im Alter immer besser und wollen mit Stil genossen werden.
Allein das Bühnenbild war preisverdächtig. Hierüber ließ uns Lydia Mühlbauer wissen, dass es sich keineswegs um eine spezielle Deko handelt, vielmehr um Einrichtungsgegenstände aus Christoph Potzlers Wohnzimmer. Augenzwinkernd und mit dem Schalk im Nacken ging es weiter, die Moderatorin und der Sänger fungierten auf der Bühne als frotzelnd-liebenswürdiges Ehepaar in seinen besten Jahren. Das Publikum hatten sie mit ihren ständigen Späßen und Anekdoten schnell um den Finger gewickelt und für sich gewonnen. Dass die Swinging Harmonists auch ernst sein können, bewies eine kleine Geschichte zum Lied „Irgendwo auf der Welt“. Das Stück der Comedian Harmonists wurde durch den 1932 veröffentlichen Film „Ein blonder Traum“ bekannt. Kurz darauf kamen die Nationalsozialisten an die Macht und die Fröhlichkeit verschwand.
Das sprachliche und musikalische Niveau der Swinging Harmonists ist hoch, es sitzt jedes Wort und jeder Ton. Mal wurde es sentimental, mal ernst, mal kokett – die Lieder drücken Gefühle aus und sind Wohltaten für Seele und Geist. Christoph Potzler zelebriert Stücke wie „Wenn die Sonja russisch tanzt“, „Was wichtig ist“ oder „Zwei Märchenaugen“. Die Gestik und Mimik sind perfekt auf die Texte abgestimmt, hier agiert ein erfahrener Bühnenprofi, der sich der Wirkung der Musik immer bewusst ist. Doch nicht nur das, denn auch er ist eine Marke: Im klassischen Frack gekleidet, sucht er den Kontakt zum Publikum, schreitet von der Bühne und verteilt mit einem einnehmenden Lächeln im Gesicht Rosen an die Besucherinnen. Dass manche Songs mittlerweile aus der Zeit gefallen scheinen, so etwa „Ob blond, ob braun“ oder „Oh Mädchen, mein Mädchen“, es ist geschenkt.
Ein begleitender Pianist steht traditionell eher im Schatten der Singenden. Umso schöner die Jubiläumskonzert-Geste, Achim Lauter für mehrere Stücke als Solist glänzen zu lassen. Eine Reise durch 100 Jahre Musikgeschichte ist in diesen Momenten greifbar nahe. Besonders die Swing-Einlagen überzeugen und zeigen, welch außergewöhnlicher Tastenkünstler der Münchner ist.
Die Zeit verflog förmlich und die Fans wollten nicht von den Swinging Harmonists lassen. Zugaben folgten und das Konzert wurde um 15 Minuten verlängert. Für die jahrzehntelange Begeisterung verteilten die Musiker Rosen an das Publikum, es war der krönende Höhepunkt eines begeisternden Nachmittags mit vielen zeitlosen Melodien und noch zeitloseren Künstlern.
Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Grosser


