46. Gunzenhäuser Theaterspielzeit – Begeisterndes Chiemgauer Volkstheater

von | 13. März 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red). Wer den gro­ßen Erfolg des Chiem­gau­er Volks­thea­ters ver­ste­hen möch­te, der muss in die emo­tio­na­len Tie­fen der Publi­kums­see­le hin­ab­tau­chen. Nicht, dass dies an die­ser Stel­le voll­ends gelin­gen wird, doch der ein oder ande­re Erklä­rungs­ver­such soll­te doch raus­sprin­gen. Denn: Die Fan­ge­mein­de ist rie­sig und das Ensem­ble um Thea­ter­mas­ter­mind Bernd Helf­rich füllt vie­ler­orts die Hal­len. Dabei sind die Geschich­ten weder beson­ders anspruchs­voll, noch ver­su­chen sich die Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler effekt­ha­sche­risch oder beson­ders künst­le­risch in Sze­ne zu set­zen. Wie der Name schon sagt, es ist Volks­thea­ter, für den Plot wur­de den Men­schen — frei nach Luther — „aufs Maul gschaut“. Das was auf der Büh­ne pas­siert, könn­te sich genau­so irgend­wo abspie­len, die Cha­rak­te­re ähneln immer jeman­den, den Mann oder Frau kennt, viel­leicht auch nur um drei Ecken. Die Figu­ren sind nie­mals unan­tast­bar und unre­al, son­dern echt und zum Anfas­sen. Nun war das Chiem­gau­er Volks­thea­ter mit der kurz­wei­li­gen Komö­die „Alter schützt vor G´sundheit nicht“ von René Hein­ers­dorff in der Gun­zen­häu­ser Stadt­hal­le zu Gast. Und erwar­tungs­ge­mäß waren die Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er hell­auf begeis­tert.

Der Inhalt ist schnell erzählt. Bernd Helf­rich spielt den 77-jäh­ri­gen Gün­ther, top­fit­ter Gesund­heits­fe­ti­schist und stol­zer Über­le­ben­der von vier Ehe­frau­en. Er ver­misst höchs­tens die im Stadt­park begra­be­ne York­shire-Hün­din Man­dy, ansons­ten ver­treibt er sich die Zeit mit aus­ge­wo­ge­ner Ernäh­rung und Sport­stun­den mit Nach­bar Max (Andre­as Löscher). Gün­thers Sohn Kai (Flo Bau­er) kommt so gar nicht nach dem stol­zen Papa. Viel schlim­mer: Er ist ein rich­ti­ger Pech­vo­gel. Die Fami­li­en­im­mo­bi­lie hat er ver­zockt, die Frau ist ihm weg­ge­lau­fen und nun ver­sucht er sich mit klei­ne­ren Betrü­ge­rei­en über Was­ser zu hal­ten. Sein neu­es­ter kri­mi­nel­ler Coup: Für den prin­zi­pi­en­treu­en Papa hat er bei der Kran­ken­ver­si­che­rung Pfle­ge­stu­fe 4 bean­tragt und bevor der über­haupt wider­spre­chen kann, steht auch schon die Kran­ken­kas­sen­prü­fe­rin (Simo­na Mai) vor der Tür. Die ist selbst­re­dend äußerst attrak­tiv und Gün­ther spielt den Pfle­ge­fall. Aller­dings gerät er schnell an sei­ne Gren­zen, denn das Spiel ist schnell durch­schaut.

Am Ende fliegt natür­lich alles auf und Papa, Sohn, Nach­bar und Publi­kum ler­nen ihre Lek­tio­nen. Davor gab es viel Situa­ti­ons­ko­mik, Wort­ge­fech­te und den ein oder ande­ren Sei­ten­hieb gegen das Gesund­heits­sys­tem der aktu­el­len Ampel­re­gie­rung. Helf­rich und sein Schau­spiel­team bewie­sen dabei ein­mal mehr ein fei­nes Gespür für die Wün­sche der Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er. Die lus­ti­gen Momen­te waren per­fekt insze­niert, immer an der rich­ti­gen Stel­le und nur dazu da, um den Men­schen Unter­hal­tung zu bie­ten. Wer eine Auf­füh­rung der Chiem­gau­er besucht, der klinkt sich ein paar Stun­den aus sei­nem All­tag aus und kann – wenn er denn will — alles um sich her­um ver­ges­sen. Hier ist kein Platz für Inter­pre­ta­tio­nen oder Phi­lo­so­phie, gebo­ten wird ein intel­lek­tu­ell anspruchs­lo­ser Plot mit Spaß­ga­ran­tie. Bevor dies falsch ver­stan­den wird: Das Chiem­gau­er Volks­thea­ter ver­dient das höchs­te Lob, denn es hat das rich­ti­ge Gespür für das, was sein Publi­kum sehen will. Dem­entspre­chend sind die Thea­ter­stü­cke per­fekt dosiert in Inhalt und Tem­po. Das ist gro­ße Thea­ter­kunst und weit wert­vol­ler als gewoll­te, aber nicht gekonn­te Stü­cke mit auf­ge­setz­tem, über­mä­ßig gro­ßem Anspruch.

Am Sams­tag, den 25. März 2023 geht die Gun­zen­häu­ser Thea­ter­spiel­zeit mit dem Klas­si­ker „Fräu­lein Julie“ in die nächs­te Run­de. Ab 19.30 Uhr spie­len Judith Ros­mair und Domi­ni­que Hor­witz im berühm­ten Stück August Strind­bergs. Nähe­re Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie unter www.gunzenhausen.info oder direkt beim Kul­tur­bü­ro der Stadt Gun­zen­hau­sen unter Tel. 09831 508 109.

Foto: Stadt Gun­zen­hau­sen