Gunzenhausen — Die 50ste TheaterSpielzeit Gunzenhausen begann mit einem Gag-Feuerwerk und vor voller Hütte. Kein Geringerer als Kult-Komiker Tom Gerhardt fand den Weg in die Altmühlstadt, um als sein Alter-Ego „Dieter Krause“ ordentlich die Lachmuskeln des dankbaren Publikums zu massieren. Denn Hausmeister Krause ist Kult, in Deutschland fast so kultig, wie die Gunzenhäuser TheaterSpielzeit in Franken.
Nordwestlich des Weißwurstäquators hat Ende der 1990er-Jahre mit Hausmeister Krause eine Kultfigur die TV-Bühne betreten (insgesamt 80 Folgen), die sich heute wohl am ehesten mit der Faszination um Rita Falks bajuwarisch-grantelnden Dorfpolizisten Franz Eberhofer vergleichen lässt. Dialektsprechende Figuren, vollgepackt mit regionalbedingten Klischees und Alltagsgeschichten, wie wir sie alle selbst erleben oder zumindest schon einmal mitbekommen haben. Bewegt sich der Eberhofer im bayerischen Niederkaltenkirchen, so treibt Dieter Krause in Köln-Kalk sein Unwesen. Als spießbürgerlich-streitsüchtiger Hausmeister mit Dackel und Problemfamilie. Wurden wir damals gefragt, dann fanden wir das nicht lustig – eingeschaltet und gelacht haben wir trotzdem. Weil es Spaß machte und uns die wöchentlich auf die Dauer einer Serienfolge runtergebrochene Selbstzerstörung von Menschen vor Augen führte und letztlich auch die Fassadenhaftigkeit einer ganzen Generation. Hausmeister Krause ist Kult und das Konzept funktioniert noch immer. Auch als Theaterstück.
Neben Tom Gerhardt ist von früher noch Irene Schwarz als notorisch enttäuschte Ehefrau Lisbeth an Bord. Die Chemie zwischen beiden stimmt nach wie vor und so brilliert das Duo Infernale im permanenten Kampf zwischen Zu- und Abneigung. Tochter Carmen wird auf der Bühne von der wandlungsfähigen Luana Bellinghausen gespielt, die im flippigen 90er-Jahre Look und tiefem „Kölsch“ überzeugt. Für Sohn Tommie hat es nicht für eine Rolle gereicht, doch als Fan-Service wurde „Fettie“ ins Stück eingebaut. Er hat sich mit seinem tyrannischen Papa verkracht und sitzt nun – wie er am Telefon erzählt — eimersaufend am bulgarischen Goldstrand. Wie geliebt, strotzt sein verbaler Ausfluss von Inflektiven… sauf, sauf, schluck, schluck. Nicht lustig, gelacht haben wir trotzdem ganz laut (inklusive Tränen im Augenwinkel).
Der Plot von „Hausmeister Krause – Du lebst nur zweimal“ passt auf ein Bierfilz (Hochzeitstag vergessen, enttäuschte Ehefrau, Probleme im Verein etc.), doch darum geht es eben nicht. Als Publikum erfreuen wir uns an der Selbstzerstörung und den Klischees. So darf natürlich der streng hierarchisch geführte KTC nicht fehlen, also der Kölner Teckel Club. Dackel Bodo von der Hermannsklause ist zwar mittlerweile in den ewigen Jagdgründen, seine Urne begleitet die Familie jedoch weiterhin. Als Dackelclub-Präsident Karl Göbel überzeugt Stefan Preiss mit militärischem Look, Lederhose und Springerstiefeln. Nur kurz denkt der opportunistische Krause über den Putsch nach und möchte sich mit Hilfe seines Freundes Herbert zum neuen Präsidenten wählen lassen. Das gelingt natürlich (bis zum Happy End) nicht, denn Krause funktioniert nur als ewiger Loser. So wird er zum Napfwart degradiert. Apropos Loser: Ein großes Lob muss dem Herbert-Schauspieler Stephan Bieker ausgesprochen werden. Er spielt den dümmlich-blickendes Stotterer mit Bravour und mausert sich während des zweistündigen Auftritts zum Publikumsliebling.
Der wahre Star ist und bleibt jedoch Tom Gerhardt. Er hat als Schauspieler in „Voll normaaal“, „Ballermann 6“ oder eben „Hausmeister Krause“ eine ganze TV-Generation geprägt. Als Gesichtsakrobat ist er immer noch unschlagbar und sagt mit Mimik mehr als andere mit vielen Sätzen schaffen. Seine One-Liner sind wie heile Welt Glückskeks-und T‑Shirt-Spruch-Philosophie („Der Hund bleibt im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“) und sorgen für permanente Lacher. Wie sehr Gerhardt in seiner Rolle aufgeht, merken wir am Ende. Irene Schwarz muss sich stark zusammenreißen, um nicht selbst laut loszulachen. Und dass nach 20 Jahren TV-Ehe und vielen Bühnenauftritten.
Tom Gerhardt ist nicht nur lustig, sondern auch ein großer, reflektierender Schauspieler. Das zeigt der Fanatismus, den er in seiner Figur Dieter Krause angelegt hat. Mitläufer Krause wirkt immer ein wenig unsicher und braucht Autorität um zu funktionieren. Wenn es darauf ankommt schweigt er und schaut weg, er ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Wenn Mitmenschen hierbei auf der Strecke bleiben, dann ist das für ihn kein großer Verlust. Nur er zählt und mit Abstrichen seine Familie. Wer wissen will, wie Faschismus in Teilbereichen funktioniert oder welche Menschen ein autoritäres System überhaupt erst möglich machen — eins, zwei Folgen „Hausmeister Krause“ genügen. Und dennoch ist es richtig, hierüber mittels Komik und schlechten Witzen aufzuklären. Manchmal gleicht die Banalität des Bösen einer Komödie – das gilt es nur zu erkennen und anzunehmen.
Die TheaterSpielzeit Gunzenhausen geht am 13. Dezember 2026 weiter, dann mit dem modernen Klassiker „Der Club der toten Dichter“. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie auf der Homepage www.gunzenhausen.info oder direkt beim städtischen Kulturamt unter Tel.: 09831/508 300 (E‑Mail: kulturamt@gunzenhausen.de).
Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Grosser


