6. Literarischer Spaziergang durch Gunzenhausen

von | 4. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Ist es Ihnen auf­ge­fal­len? Ein bun­tes Trei­ben herrsch­te im Gun­zen­häu­ser Bahn­hofs­vier­tel kürz­lich, denn alle hal­be Stun­de tauch­te ein Trupp gut gelaun­ter Men­schen auf, spa­zier­te kurz über den Asphalt und ver­schwand wie­der. Was war pas­siert? Die Kul­tur­ma­che­rei Gun­zen­hau­sen e.V. lud zu ihrem belieb­ten Lite­ra­ri­schen Spa­zier­gang durch die Alt­mühl­stadt ein. Dies­mal hat­te sich das Orga-Team den Bereich um den Bahn­hof für die kos­ten­lo­se Lese­rei­se aus­ge­sucht. Das
Bes­te: Der Lite­ra­ri­sche Spa­zier­gang ist nicht nur was für Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler oder Ger­ma­nis­ten, son­dern rich­tet sich an Kul­tur­be­geis­ter­te, die ger­ne Geschich­ten hören und ein paar schö­ne Momen­te mit Gleich­ge­sinn­ten erle­ben wol­len. Klein und Groß, Jung und Alt ist will­kom­men und kann ger­ne mit auf die lite­ra­ri­sche Rei­se gehen.

Orga­ni­sa­to­rin Ulri­ke Fischer freu­te sich über ein abwechs­lungs­reich-bun­tes Fest der Wor­te und hat­te dazu meh­re­re, nicht-all­täg­li­che Sta­tio­nen aus­ge­wählt. Gele­sen wur­den 20-minü­ti­ge Kurz­ge­schich­ten und Aus­zü­ge aus Büchern, fünf­mal an fünf ver­schie­de­nen Orten. Ohne fest­ge­leg­ten Weg und Pro­gramm konn­ten die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer an jeder Sta­ti­on den Spa­zier­gang begin­nen und wäh­rend der Ver­an­stal­tung ent­schei­den, wel­chen Platz sie als nächs­tes besu­chen wol­len.

In den Übungs­räu­men des Tanz­hau­ses ließ Chris­ti­ne Höl­ler die Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer in die lite­ra­ri­sche Welt des Sports und des Tan­zes ein­tau­chen. Sie las u.a. eine humor­vol­le Geschich­te aus Mark Spörr­les Text­samm­lung „Ist der Herd wirk­lich aus?“ vor. Dar­in geht es um einen Möch­te­gern­sport­ler, eine Läu­fer­kar­rie­re vor­täuscht. Die zwei­te Geschich­te stamm­te von Nils Mohl. Sein Text „Tan­zen gehen“ the­ma­ti­siert die sprach­lo­se Bezie­hung eines älte­ren Ehe­paars, die durch gemein­sa­men Tanz wie­der auf­ein­an­der zuge­hen kön­nen.

Die zwei­te Lese­sta­ti­on befand sich an einem eher unge­wöhn­li­chen Ort, näm­lich in einem abge­stell­ten Stadt­bus vor dem Bahn­hofs­ge­bäu­de. Mar­vin Hofer las dort eine kur­ze, span­nen­de Jugend­ge­schich­te um die ame­ri­ka­ni­sche Bür­ger­recht­le­rin Rosa Parks vor. In „Der Bus von Rosa Parks“ von Fabri­zio Silei erzählt ein Groß­va­ter sei­nem Nef­fen von Ras­sen­tren­nung, Mut und Zivil­cou­ra­ge. Und von einer star­ken Frau, die gesell­schaft­li­che Gren­zen über­win­den konn­te.

Kers­tin Zels begrüß­te Lite­ra­tur­freun­de im Foy­er des Frei­zeit­bads Jura­ma­re, stil­echt mit auf­ge­bla­se­ner Schwimm­fi­gur „Fla­min­go“ auf dem Tisch. Ihr Buch-Tipp: „War­um wir schwim­men“ von Bon­nie Tsui. Deren sym­pa­thi­sche Hym­ne auf das Kal­te Nass ist humor­voll und phi­lo­so­phisch ange­haucht. Schwim­men ist nicht nur Sport, son­dern kann Geschich­te, Hei­lung, Sucht oder Freu­de sein.

In der archi­tek­to­nisch beein­dru­cken­den ehe­ma­li­gen Güter­hal­le, jetzt Pla­nungs­bü­ro Hoch­rei­ter-Lech­ner, war­te­te Kris­ty Husz auf neu­gie­ri­ge Bücher­freun­de. Die gebür­ti­ge Unga­rin hat­te sich den Lite­ra­tur­klas­si­ker „Ich den­ke oft an Pirosch­ka“ von Hugo Har­tung aus­ge­wählt. Die toll vor­ge­tra­ge­nen Zug­sze­ne inklu­si­ve regio­na­ler Tona­li­tät begeis­ter­te als klei­ne Gesell­schafts­mo­dell­stu­die und als anek­do­ten­rei­che Gesprächs­samm­lung.

Im leicht unheim­li­chen, ganz in blau beleuch­te­tem Tun­nel an der Ecke Bahnhofsplatz/Zufuhrstraße las Wolf­gang Ecker­lein Fried­rich Dür­ren­matts sur­rea­le Kurz­ge­schich­te „Der Tun­nel“ vor. In einem vor sich hin rasen­den Zug blickt ein 24-jäh­ri­ger Mann dem Tod ins Auge, gestellt wer­den wich­ti­ge Fra­gen um die The­men Glau­be, Leben und mensch­li­che Exis­tenz.

Der Lite­ra­ri­sche Spa­zier­gang war lei­der viel zu schnell vor­bei und schon jetzt freut sich die Kul­tur­ma­che­rei Gun­zen­hau­sen e.V. auf eine Fort­set­zung im nächs­ten Jahr. Wer Nähe­res über den Gun­zen­häu­ser Ver­ein wis­sen möch­te, der sich neben­bei auch immer über neue Mit­glie­der freut, für den ist die Inter­net­sei­te www.diekulturmacherei.de ers­te Anlauf­stel­le.

Bild­un­ter­schrift: Wolf­gang Ecker­lein Fried­rich las Dür­ren­matts sur­rea­le Kurz­ge­schich­te „Der Tun­nel“ vor. Foto: Stadt Gunzenhausen/ Kul­tur­ma­che­rei