960 U3-Jährige in Kitas im Landkreis

von | 23. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Fami­li­en brau­chen plan­ba­re Arbeits­zei­ten – des­halb muss der 8‑Stun­den-Tag blei­ben

Den Job und den „Rest des Lebens“ unter einen Hut brin­gen: Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gibt es für rund 960 Kin­der unter 3 Jah­ren einen Kita­platz. Die Betreu­ungs­quo­te liegt damit nach Anga­ben der amt­li­chen Sta­tis­tik bei knapp 38 Pro­zent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbei­ten, müs­sen sie sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass ihre Kin­der betreut wer­den“, sagt Tim Lün­ne­mann von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG). So lie­ge der lan­des­wei­te Bedarf, den Eltern bei der Betreu­ungs­quo­te von Unter-3-Jäh­ri­gen in Bay­ern haben, bei 47 Pro­zent. Die NGG Nürn­berg-Fürth beruft sich dabei auf eine Stu­die des Deut­schen Jugend­in­sti­tuts (DJI).

Erheb­li­che Pro­ble­me sieht die Gewerk­schaft jetzt auf Eltern im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zukom­men. Grund sind Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, das Arbeits­zeit­ge­setz zu ändern und den 8‑Stun­den-Tag abzu­schaf­fen: „Wenn das pas­siert, dann bricht für Eltern jede Pla­nung bei der Kin­der­be­treu­ung zusam­men. Denn dann kann ein Arbeits­tag auch mal zwei oder sogar drei­ein­halb Stun­den län­ger wer­den. Mit Ver­läss­lich­keit, die Eltern drin­gend brau­chen, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Tim Lün­ne­mann.

Denn eine ver­läss­li­che Betreu­ung sei gera­de für berufs­tä­ti­ge Eltern wich­tig. „Meis­tens sind Kita- und Arbeits­zei­ten schon jetzt auf Kan­te genäht – also eng mit­ein­an­der abge­stimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünkt­lich wie­der abho­len, bevor die Kita schließt. Aber wenn der Chef dem­nächst aus einem 8‑Stun­den-Tag einen Arbeits­tag mit 10 oder 12 Stun­den am Stück machen kann, wird es für Fami­li­en nahe­zu unmög­lich, ihren All­tag ver­läss­lich zu pla­nen“, sagt Tim Lün­ne­mann. Am Ende beein­träch­ti­ge das sogar die Berufs­tä­tig­keit der Eltern.

Kri­tisch wer­de das auch für die Pfle­ge: „Wer sich zu Hau­se – zum Bei­spiel in enger Abspra­che mit Pfle­ge­diens­ten – um Ange­hö­ri­ge küm­mert, kann alles gebrau­chen, aber kei­nen XL-Arbeits­tag“, sagt der Geschäfts­füh­rer der NGG Nürn­berg-Fürth. Auch bei der Pfle­ge gel­te: „Ver­läss­lich­keit ist das A und O“, so Lün­ne­mann. Schon des­halb sei die von der Bun­des­re­gie­rung geplan­te Auf­wei­chung des 8‑Stun­den-Tages „Gift für alle, die im Moment alles dar­an­set­zen, den Spa­gat zwi­schen Job und Fami­lie zu schaf­fen“.

Betrof­fen sei­en hier vor allem Frau­en: 51 Pro­zent von ihnen gaben, so die NGG, bei einer bun­des­wei­ten Beschäf­tig­ten­be­fra­gung (Index Gute Arbeit) des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des (DGB) an, sich zu Hau­se um Ange­hö­ri­ge – gera­de um Kin­der oder Älte­re – zu küm­mern. Bei den Män­nern sei­en es 41 Pro­zent. Schon heu­te hät­te gut ein Fünf­tel aller Beschäf­tig­ten häu­fig Pro­ble­me, Fami­lie und Job zeit­lich zu ver­ein­ba­ren. Bei allein­er­zie­hen­den Frau­en sei­en dies aktu­ell sogar 42 Pro­zent.

„Soll­te Schwarz-Rot jetzt den 8‑Stun­den-Tag abschaf­fen und bei der Wochen­ar­beits­zeit ein Höchst­li­mit von 48 und in Aus­nah­me­fäl­len sogar bis zu 73,5 Stun­den set­zen, wür­de die Bun­des­re­gie­rung damit ech­te Pro­ble­me für vie­le Fami­li­en im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen pro­vo­zie­ren – im Job und in der Fami­lie“, warnt NGG-Geschäfts­füh­rer Tim Lün­ne­mann.

Dabei such­ten nicht nur das Gast­ge­wer­be und das Lebens­mit­tel­hand­werk, son­dern auch vie­le Betrie­be der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie hän­de­rin­gend qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal. „Den Arbeits­kräf­te­man­gel in die­sen Betrie­ben lösen wir nicht durch län­ge­re Arbeits­ta­ge, son­dern durch bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und mehr Kita-Plät­ze“, so Tim Lün­ne­mann.

Außer­dem sei­en län­ge­re Arbeits­ta­ge auch eine Gefahr für die Gesund­heit: „Nach 8 Stun­den im Job steigt das Unfall­ri­si­ko immer mehr an. Nach 12 Stun­den ist es sogar dop­pelt so hoch wie bei einem regu­lä­ren 8‑Stun­den-Tag“, so Lün­ne­mann. Aber auch Schlaf­stö­run­gen, Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Burn­out könn­ten die Fol­ge von zu lan­gen Arbeits­ta­gen sein.

Mehr Infos unter: https://www.ngg.net/themen/mit-macht-fuer-die‑8

Bild­un­ter­schrift: 8 Stun­den sind genug: „Wer vom Chef einen XL-Arbeits­tag mit 10 oder sogar 12 Stun­den auf­ge­brummt bekommt, kann sich weder um Kin­der noch um Ange­hö­ri­ge, die zu Hau­se auf Pfle­ge war­ten, küm­mern“, sagt Tim Lün­ne­mann von der NGG Nürn­berg-Fürth. Die Gewerk­schaft erteilt den Plä­nen der Bun­des­re­gie­rung, den 8‑Stun­den-Tag zu kip­pen, damit eine kla­re Absa­ge. Foto: NGG/ Nils Hill­le­brand