Abgeordneter Wolfgang Hauber im Austausch mit der Fahrschule Schmidt

von | 3. März 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Situa­ti­on der Fahr­schu­len im Fokus

…und dem Ver­kehrs-Aus­bil­dungs-Zen­trum Schnei­der aus Gun­zen­hau­sen

Wei­ßen­burg / Gun­zen­hau­sen — Im Rah­men sei­ner regel­mä­ßig statt­fin­den­den Bür­ger­sprech­stun­de begrüß­te der Wei­ßen­bur­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Wolf­gang Hau­ber Ver­tre­ter der Fahr­schu­le Schmidt und dem VAZ Schnei­der aus Gun­zen­hau­sen in sei­nem Abge­ord­ne­ten­bü­ro in Wei­ßen­burg. Im Mit­tel­punkt des Gesprächs stan­den die geplan­te Reform der Fahr­aus­bil­dung durch die Bun­des­re­gie­rung sowie die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen der Bran­che.

Die Eck­punk­te der Reform sehen vor, die Fahr­aus­bil­dung kos­ten­güns­ti­ger, fle­xi­bler und moder­ner zu gestal­ten. Geplant sind unter ande­rem eine Redu­zie­rung der Pflicht­stun­den und Son­der­fahr­ten, ver­stärk­ter digi­ta­ler Theo­rie­un­ter­richt, eine Ver­ein­fa­chung des Lern­stoffs, der Ein­satz von Simu­la­to­ren sowie optio­nal ein beglei­te­tes Fah­ren durch Ange­hö­ri­ge, das zunächst erprobt wer­den soll. Die Reform soll schritt­wei­se ein­ge­führt wer­den und frü­hes­tens Anfang 2027 in Kraft tre­ten.

Deut­li­che Kri­tik aus der Pra­xis

Die Ver­tre­ter der Fahr­schu­len äußer­ten im Gespräch deut­li­che Kri­tik an den aktu­el­len Reform­plä­nen. Aus Sicht vie­ler Fahr­schu­len grei­fe der Ansatz zu kurz. Sie kon­zen­trie­re sich auf ver­meint­li­che Ein­spar­po­ten­zia­le ohne die prak­ti­schen Aus­wir­kun­gen auf Qua­li­tät, Sicher­heit tat­säch­li­che Kos­ten rea­lis­tisch zu bewer­ten und gehe am Kern des Pro­blems vor­bei. Zwar sei­en die Kos­ten für den Füh­rer­schein – ins­be­son­de­re für jun­ge Men­schen bzw. deren Fami­li­en – eine erheb­li­che Belas­tung. Weni­ger Aus­bil­dungs­in­hal­te bedeu­te­ten jedoch nicht auto­ma­tisch mehr Effi­zi­enz. „Eine Absen­kung des Aus­bil­dungs­ni­veaus darf nicht zu Las­ten der Ver­kehrs­si­cher­heit gehen“, mach­ten die Fahr­schul­ver­tre­ter deut­lich.

Der­zeit ver­zeich­nen vie­le Fahr­schu­len rück­läu­fi­ge Schü­ler­zah­len, da vie­le Inter­es­sen­ten auf sin­ken­de Kos­ten durch die Reform hof­fen. Die­se Ent­wick­lung belas­te die Betrie­be aktu­ell zusätz­lich. Der wich­tigs­te Punkt aus Sicht der Fahr­leh­rer blei­be die Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr. Die anhal­tend hohen und teils wei­ter stei­gen­den Durch­fall­quo­ten – sowohl im theo­re­ti­schen als auch im prak­ti­schen Prü­fungs­teil – zei­gen, wie wich­tig eine fun­dier­te Aus­bil­dung mit aus­rei­chen­den Unter­richts­ein­hei­ten sei. Auch bei not­wen­di­gen Wie­der­ho­lungs­prü­fun­gen blei­be das Niveau hoch.

Das Aus­bil­dungs- und Kon­zen­tra­ti­ons­ni­veau der Schü­ler sei zuneh­mend schwä­cher, das Ver­ständ­nis für den Ver­kehr und kom­ple­xe Situa­tio­nen ist gering. Die Prü­fungs­an­for­de­run­gen zur Sicher­heit aller bleibt aber unver­än­dert. Die Aus­bil­dung auf Ange­hö­ri­ge aus­zu­la­gern, sehen die Anwe­sen­den kri­tisch. Es bedarf voll­stän­di­ge und aktu­el­le Kennt­nis­se über die Ver­kehrs­re­geln, um hier der Fahr­leh­rer­an­tei­le ein­spa­ren zu kön­nen. Nicht ohne Grund sei Aus­bil­dung der Fahr­leh­rer im Jahr 2018 refor­miert wor­den. Grund damals die Ansprü­che an den Stra­ßen­ver­kehr und die Schü­ler gewe­sen.

Ver­kehrs­si­cher­heit hat Prio­ri­tät

Für Wolf­gang Hau­ber, der frü­her als Poli­zei­haupt­kom­mis­sar tätig war, hat die Ver­kehrs­si­cher­heit obers­te Prio­ri­tät: „Unse­re Ver­kehrs­si­cher­heit darf nicht dem Rot­stift zum Opfer fal­len!“ Eine stär­ke­re aber bezahl­ba­re Digi­ta­li­sie­rung kön­ne die Aus­bil­dung sinn­voll unter­stüt­zen, sie jedoch nicht voll­stän­dig erset­zen. „Eine voll­stän­di­ge Ver­la­ge­rung ins Digi­ta­le ist gera­de für leis­tungs­schwä­che­re Schü­ler pro­ble­ma­tisch“, beton­ten die Fahr­schul­ver­tre­ter. Sie for­der­ten einen enge­ren Aus­tausch zwi­schen Poli­tik und Prak­ti­kern, um pra­xis­na­he Lösun­gen zu ent­wi­ckeln.

Markt bestimmt Prei­se – struk­tu­rel­le Kos­ten blei­ben

Ein wei­te­rer Punkt der Dis­kus­si­on betraf die Preis­ge­stal­tung. Eine staat­lich fest­ge­leg­te Gebüh­ren­ord­nung für Fahr­schu­len exis­tiert nicht; die Prei­se wer­den vom Markt bestimmt. Dazu zäh­len unter ande­rem Steu­ern, Abga­ben, Per­so­nal- und Betriebs­kos­ten wie Fahr­zeu­ge, Kraft­stof­fe, Werk­statt­kos­ten Mie­ten sowie stei­gen­de büro­kra­ti­sche Anfor­de­run­gen. Gera­de auch auf­grund des Fach­kräf­te­man­gels muss­ten die Gehäl­ter ange­ho­ben wer­den. „Preis­an­pas­sun­gen erfol­gen nicht zur Gewinn­ma­xi­mie­rung, son­dern aus wirt­schaft­li­cher und infla­tio­när beding­ter Not­wen­dig­keit. Ent­las­tung und Preis­sen­kung kön­ne durch steu­er­li­che Maß­nah­men wie eine Her­ab­sen­kung der Mehr­wert­steu­er gelin­gen“, so die Gäs­te.

Hau­ber ver­wies dar­auf, dass die Frak­ti­on der FREIE WÄHLER bereits 2024 einen Antrag zur Redu­zie­rung der Füh­rer­schein­kos­ten im Baye­ri­schen Land­tag unter­stützt habe. Gera­de im länd­li­chen Raum mit ein­ge­schränk­tem öffent­li­chem Nah­ver­kehr sei die Fahr­erlaub­nis von zen­tra­ler Bedeu­tung für Mobi­li­tät und Chan­cen­gleich­heit. „Ein Füh­rer­schein darf kein Luxus­gut sein“, beton­te Hau­ber. Gleich­zei­tig müs­se jedoch sicher­ge­stellt blei­ben, dass die Rah­men­be­din­gun­gen für die Fahr­schu­len trag­fä­hig sind. Der Wei­ßen­bur­ger Abge­ord­ne­te kün­dig­te an, sich wei­ter­hin für eine ganz­heit­li­che und pra­xis­na­he Ver­bes­se­rung ein­zu­set­zen.

Bild­un­ter­schrift (v.l.n.r.): MdL Wolf­gang Hau­ber, Ange­la Schmidt, Domi­nik Schäff und Roland Schmidt. Foto: Abge­ord­ne­ten­bü­ro Wolf­gang Hau­ber