Ärzte im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen sollen Parkinson-Patienten über Berufserkrankung aufklären

von | 4. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wer „grü­ne Jobs“ im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen macht, muss wis­sen: Dahin­ter kann ein Par­kin­son-Risi­ko ste­cken

Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen — Die „Jobs im Grü­nen“ ste­hen nicht immer nur für fri­sche Luft. „Wer im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen auf den Fel­dern oder in Gewächs­häu­sern arbei­tet, den kann es tref­fen: Ein erhöh­tes Risi­ko, Par­kin­son zu bekom­men. Und zwar immer dann, wenn er über Jah­re häu­fig mit Pflan­zen­schutz­mit­teln zu tun hat­te“, sagt Bern­hard Heiz­mann von der IG Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Das Par­kin­son-Syn­drom durch Pes­ti­zi­de sei als Berufs­krank­heit aner­kannt. Betrof­fe­ne müss­ten aller­dings nach­wei­sen, dass sie in ihrem Berufs­le­ben min­des­tens 100 Tage mit che­mi­schen Pflan­zen­schutz­mit­teln gear­bei­tet hät­ten – also jeweils ent­we­der mit Fun­gi­zi­den (zur Bekämp­fung von Pilz­krank­hei­ten), Insek­ti­zi­den (zur Bekämp­fung von Insek­ten) oder Her­bi­zi­den (zur Bekämp­fung von Unkraut), so die IG BAU Mit­tel­fran­ken.

„Dann bekom­men Beschäf­tig­te, die an Schüt­tel­läh­mung erkrankt sind, Unter­stüt­zung von der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung: Die Hil­fe der Berufs­ge­nos­sen­schaft reicht von guter medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung bis zu Geld­leis­tun­gen“, so Bern­hard Heiz­mann. Das gel­te neben Men­schen, die in der Land­wirt­schaft gear­bei­tet haben, bei­spiels­wei­se auch für Beschäf­tig­te im Gar­ten­bau und im Forst.

Gefah­ren lau­er­ten aller­dings auch in der Flo­ris­tik. Und sogar auf dem Bau: „Denn auch bei Sanie­rungs­ar­bei­ten wird mit Pes­ti­zi­den gear­bei­tet. Vie­len ist gar nicht bewusst, wo über­all Pes­ti­zi­de zu fin­den sind. Gera­de im Sani­tär­be­reich kom­men häu­fig Bau­stof­fe mit Anti-Schim­mel­mit­teln zum Ein­satz. Und die ent­hal­ten oft Pes­ti­zi­de“, erklärt Bern­hard Heiz­mann von der IG BAU Mit­tel­fran­ken.

An die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen appel­liert die Agrar-Gewerk­schaft, Par­kin­son-Pati­en­ten gezielt anzu­spre­chen, um abzu­klä­ren, ob es sich um eine Berufs­krank­heit han­de­le. Die gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen for­dert die IG BAU Mit­tel­fran­ken auf, Par­kin­son-Pati­en­ten anzu­schrei­ben und zu infor­mie­ren. „Immer­hin haben Pati­en­ten, wenn es um eine Berufs­er­kran­kung geht, die Chan­ce auf eine inten­si­ve Betreu­ung und gute medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, für die die Berufs­ge­nos­sen­schaft steht“, so Bern­hard Heiz­mann.

Der IG BAU-Bezirks­chef kün­digt außer­dem an, dass sich die Agrar-Gewerk­schaft auch dafür ein­set­zen wer­de, dass mehr Betrof­fe­ne die Aner­ken­nung als Berufs­krank­heit bekom­men: „Es geht vor allem um die, die nicht selbst Pflan­zen­schutz­mit­tel gespritzt haben, die aber zum Bei­spiel in Gewächs­häu­sern den Pes­ti­zi­den aus­ge­setzt waren“, so Heiz­mann.

Der Gewerk­schaf­ter rät Men­schen, die in gefähr­de­ten Bran­chen arbei­ten, sich bei Fra­gen an ihre jewei­li­ge Berufs­ge­nos­sen­schaft zu wen­den. Die Sozi­al­ver­si­che­rung für Land­wirt­schaft, Fors­ten und Gar­ten­bau (SVLFG) habe extra eine „Par­kin­son-Hot­line“ geschal­tet: 0561 / 785 — 10350. Außer­dem gebe die Berufs­ge­nos­sen­schaft Hin­wei­se auf ihrer Home­page: https://www.svlfg.de/fa-parkinson-durch-pflanzenschutzmittel.

Bild­un­ter­schrift: Wenn nach dem Job die Schüt­tel­läh­mung kommt: Par­kin­son durch che­mi­sche Pflan­zen­schutz­mit­tel ist als Berufs­krank­heit aner­kannt. Dar­auf hat die IG BAU Mit­tel­fran­ken hin­ge­wie­sen. „Denn wer auf dem Feld oder im Gewächs­haus über Jah­re häu­fig Pflan­zen­schutz­mit­tel spritzt, der hat ein erhöh­tes Risi­ko, spä­ter Par­kin­son zu bekom­men“, warnt Bern­hard Heiz­mann von der Agrar-Gewerk­schaft. Foto: IG BAU/Tobias Sei­fert