Angehörige willkommen: Zertifikat für das Klinikum Altmühlfranken

von | 22. Juli 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gunzenhausen/ Wei­ßen­burg (red). Ein­schrän­kun­gen der Besuchs­zei­ten auf Inten­siv­sta­tio­nen gehö­ren der Ver­gan­gen­heit an. Mit die­ser Maxi­me hat der Ver­ein Pfle­ge e.V. im Jahr 2007 das Pro­jekt „Ange­hö­ri­gen­freund­li­che Inten­siv­sta­ti­on“ initi­iert. Auch das Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken mit den Stand­or­ten Wei­ßen­burg und Gun­zen­hau­sen ist zer­ti­fi­ziert und weiß um die beson­de­re Bedeu­tung der Ange­hö­ri­gen von schwer­kran­ken Pati­en­ten.

Wor­te hel­fen – den Pati­en­ten und den Ange­hö­ri­gen
Liegt ein Pati­ent auf der Inten­siv­sta­ti­on, ist die Situa­ti­on für Ange­hö­ri­ge in aller Regel mit Angst und dem zen­tra­len Bedürf­nis nach Infor­ma­ti­on ver­bun­den. Wor­te des Pfle­ge­per­so­nals und des medi­zi­ni­schen Teams kön­nen daher eine enor­me Stüt­ze sein, sie kön­nen Mut machen, Halt und Hoff­nung spen­den, auf­klä­ren — aber auch ver­un­si­chern. Sicher ist: Für die Pati­en­ten sind die Ange­hö­ri­gen die wich­tigs­ten Per­so­nen und umge­kehrt. Sie in das Behand­lungs­ge­sche­hen zu inte­grie­ren, ist eine zen­tra­le Auf­ga­be des Per­so­nals auf den Inten­siv­sta­tio­nen des Kli­ni­kums
Alt­mühl­fran­ken.

“Die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Ange­hö­ri­gen war frü­her eine eher unlieb­sa­me Auf­ga­be. Das hat sich in der Ver­gan­gen­heit glück­li­cher­wei­se stark gewan­delt: Die Fami­lie in den Rege­ne­ra­ti­ons­pro­zess zu inte­grie­ren, ist enorm wich­tig und gehört unbe­dingt dazu”, so der Chef­arzt der Anäs­the­sie und Inten­siv­me­di­zin am Stand­ort Gun­zen­hau­sen, Dr. Marc Gut­sche. Auch für Kin­der, deren Ange­hö­ri­ge auf der Inten­siv­sta­ti­on behan­delt wer­den, ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Per­so­nal von unschätz­ba­rem Wert. “Wir ver­su­chen, Kin­dern die Situa­ti­on zu erklä­ren. Wich­tig ist, kei­ne Unge­wiss­heit zu erzeu­gen”, meint Flo­ri­an Hier­mei­er, Assis­tenz­arzt auf der Inten­siv­sta­ti­on am Stand­ort Wei­ßen­burg.

Kei­ne star­ren Besuchs­zei­ten
Auch auf der Web­site des Kli­ni­kums liest man “Wir haben bewusst auf star­re Besuchs­zei­ten ver­zich­tet”. Was vor eini­gen Jah­ren bun­des­weit noch gän­gi­ge Pra­xis war, wur­de in den meis­ten Kli­ni­ken nach und nach auf­ge­bro­chen. Peter Dei­tigs­mann, Lei­ter der Inten­siv­sta­ti­on am Stand­ort Gun­zen­hau­sen, erklärt: “Ange­hö­ri­ge dür­fen immer kom­men; wir bemü­hen uns, die Besuchs­zei­ten so zu legen, dass es in den All­tag der Ange­hö­ri­gen passt – und nicht umge­kehrt. Jedoch kann es – vor allem vor­mit­tags — auch zu War­te­zei­ten kom­men, wenn bei­spiels­wei­se Unter­su­chun­gen anste­hen. Es ist daher durch­aus sinn­voll, vor einem Besuch kurz tele­fo­nisch nach­zu­fra­gen, damit die Ange­hö­ri­gen nicht lan­ge war­ten müs­sen.” Dass bei­de Stand­or­te am Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken mit dem Zer­ti­fi­kat “Ange­hö­ri­gen­freund­li­che Inten­siv­sta­ti­on” aus­ge­zeich­net sind, freut die Teams. “Die Aus­zeich­nung ist das eine – das Beson­de­re ist, dass das gan­ze Haus das Kon­zept des Zer­ti­fi­kats lebt”, meint Chef­arzt Dr. Marc Gut­sche.

Pati­ent kann Wil­len oft­mals nicht erklä­ren
Bei schwerst­kran­ken Pati­en­ten, die ihren eige­nen Wil­len nicht mehr erklä­ren kön­nen, kommt der Pati­en­ten­ver­fü­gung bzw. der Vor­sor­ge­voll­macht eine zen­tra­le Bedeu­tung zu. Ist eine sol­che nicht ver­füg­bar, müs­sen Ange­hö­ri­ge oft­mals schwer­wie­gen­de Ent­schei­dun­gen tref­fen. Auch in Hin­blick auf das The­ma Organ­spen­de emp­fiehlt Chef­arzt Gut­sche stets, den eige­nen Wil­len fest­zu­hal­ten und mit der Fami­lie zu bespre­chen. Auch in Fäl­len, in denen es kei­ne Hoff­nung mehr gibt, kann ein Gespräch zwi­schen Per­so­nal und der Fami­lie des Ster­ben­den Halt geben. “Wenn ein Pati­ent ver­stirbt, besteht jeder­zeit die Mög­lich­keit, Zeit mit ihm zu ver­brin­gen. Es ist auch das Recht unse­rer Pati­en­ten, von ihren Ange­hö­ri­gen besucht zu wer­den”, so Peter Dei­tigs­mann.

Coro­na als schwie­ri­ger Son­der­fall
Dass Besu­che von Ange­hö­ri­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on jeder­zeit mög­lich sind, war noch vor weni­gen Jah­ren inmit­ten der Coro­na-Pan­de­mie schlicht unmög­lich. Zu wenig wuss­te man über das Virus und die Angst, ande­re schwerst­kran­ke Men­schen anzu­ste­cken, war groß. “Wir bekom­men sehr viel posi­ti­ves Feed­back dafür, dass Ange­hö­ri­ge in unse­rem Kli­ni­kum pro­ak­tiv in den Gene­sungs­pro­zess inte­griert wer­den. Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie war dies lei­der nicht der Fall, wes­we­gen wir auch heu­te noch Kri­tik erfah­ren” erzählt Chef­arzt Gut­sche.  “Ange­hö­ri­ge und Freun­de konn­te sich von ihren Lie­ben zum Teil nicht ver­ab­schie­den, das war für die Fami­li­en und das Inten­siv­team eine belas­ten­de Erfah­rung. Die Fol­gen der Covid-Pan­de­mie müs­sen in unse­rer Gesell­schaft wei­ter auf­ge­ar­bei­tet wer­den”, ist sich Gut­sche sicher.

Mit­ein­an­der spre­chen
Bei jeder Infor­ma­ti­on, die im Kli­ni­kum an Ange­hö­ri­ge wei­ter­geg­ben wird, ist der Daten­schutz zu beach­ten. Doch selbst wenn ein Pati­ent kei­ne nahen Ver­wand­ten wie Ehe­part­ner, Kin­der oder Geschwis­ter hat, hilft Freun­den oft­mals das per­sön­li­che Gespräch mit dem Pfle­ge­per­so­nal. “Sowohl zwi­schen den Pati­en­ten, die teils lan­ge Zeit  bei uns sind, als auch zwi­schen deren Ange­hö­ri­gen und dem Per­so­nal ent­ste­hen gewis­se Bezie­hun­gen. Gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en hilft bei­den Sei­ten und der per­sön­li­che Aus­tausch ist das A und O”, schließt Dei­tigs­mann ab. Pati­en­ten und Besu­cher kön­nen sich sicher sein, dass man sich am Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken der beson­de­ren Bedeu­tung der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Ange­hö­ri­gen bewusst ist.

Bild­un­ter­schrift: Die Teams auf den Inten­siv­sta­tio­nen an den Stand­or­ten Gun­zen­hau­sen und Wei­ßen­burg bestehen aus Ärz­tin­nen und Ärz­ten, spe­zia­li­sier­ten Pfle­ge­fach­kräf­ten sowie ver­schie­de­nen The­ra­peu­ten wie Phy­sio­the­ra­peu­ten, Logo­pä­den etc. Im Kli­ni­kum weiß man: Ange­hö­ri­ge spie­len bei der Gene­sung von Schwerst­kran­ken eine zen­tra­le Rol­le. Foto: Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken, Johan­na Mül­ler