Artikelreihe „Einsamkeit“: Wohin, wenn Babys mehr schreien als Eltern aushalten können?

von | 5. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Schwan­ger­schaft und Geburt stel­len im Leben von Eltern vie­les auf den Kopf. Nichts scheint mehr wie vor­her zu sein. Obwohl sich Eltern meist gut vor­be­rei­tet haben und sich auf den neu­en Lebens­ab­schnitt freu­en, gibt es Momen­te, in denen man sich rat­los fühlt und das Ver­hal­ten des Babys nicht ver­steht und auch nicht begrün­den kann.

Schrei­en, um Bedürf­nis­se zu äußern

Wich­tig ist für frisch geba­cke­ne Müt­ter und Väter zu wis­sen, dass es erst­mal völ­lig nor­mal ist, dass Babys schrei­en. Nur so kön­nen sie sich aus­drü­cken und ihre Bedürf­nis­se mit­tei­len. „Hun­ger, Müdig­keit, Bauch­weh, ande­res Unwohl­sein oder auch die Sehn­sucht nach Nähe wer­den durch Schrei­en geäu­ßert“, erklä­ren die Fach­kräf­te in spe­zi­el­len Bera­tungs­stel­len und nen­nen dies Regu­la­ti­ons­stö­rung. Noch dazu muss sich das Baby in den ers­ten drei oder vier Mona­ten noch an vie­les gewöh­nen. Man­che von ihnen kön­nen sich schon begrenzt selbst beru­hi­gen. Sind sie unru­hig oder unsi­cher, nuckeln sie zum Bei­spiel an ihrer Hand, legen die Hand auf den Bauch oder zie­hen die Bei­ne an.

Doch man­che Babys schrei­en stun­den­lang und Eltern kön­nen sich dadurch erschöpft und ver­un­si­chert füh­len, wenn es nicht gelingt, das Baby zu beru­hi­gen. „Noch dazu schla­fe ich als Mama viel zu wenig und füh­le mich oft hilf­los. Die Stim­mung in der Fami­lie ist ange­spannt, Wut ent­steht ganz schnell in mei­nem Bauch und ich bin manch­mal am Ran­de der Ver­zweif­lung“, äußert eine Mut­ter, deren Baby noch kei­ne eige­nen Mög­lich­kei­ten gefun­den hat, sich selbst zur Ruhe zu brin­gen. Selbst Hil­fe­stel­lun­gen kön­nen Babys mit Regu­la­ti­ons­stö­run­gen kaum anneh­men. Mamas und Papas von sehr unru­hi­gen Babys bleibt oft nicht mal mehr die Kraft, sich Unter­stüt­zung zu holen; sie zie­hen sich zurück, füh­len sich nicht sel­ten allein­ge­las­sen und ein­sam.

Dem Baby hel­fen, sich zu beru­hi­gen

Es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, um ein Baby zu beru­hi­gen. Ein Patent­re­zept gibt es aller­dings nicht, da jedes Baby und auch sei­ne Eltern anders sind. Hilf­reich könn­te sein, das Händ­chen des Babys zu strei­cheln, es sanft auf dem Arm zu schau­keln, ein ruhi­ges Lied vor­zu­sin­gen, den Bauch oder Rücken sanft zu mas­sie­ren, das Baby im Tuch zu tra­gen oder an der fri­schen Luft spa­zie­ren zu gehen. Eltern soll­ten ein­fach aus­pro­bie­ren, wel­che Metho­de gut­tut und sich aus­rei­chend Zeit dafür las­sen. Denn Hek­tik kann auch schnell zu Über­rei­zung beim Kind füh­ren. Je ruhi­ger Mama oder Papa blei­ben, des­to bes­ser kann sich auch ihr Kind ent­span­nen.

Mög­li­cher­wei­se muss das Baby aber auch die Anspan­nung, die es emp­fin­det ein­fach her­aus­schrei­en. Dann ist es wich­tig, sich von dem Gedan­ken zu lösen, das Kind beru­hi­gen zu müs­sen und ihm statt­des­sen Trost zu schen­ken. Dem­entspre­chend ist es wich­tig, nicht zu ver­ges­sen, dass Babys nicht schrei­en, um die Erwach­se­nen zu ärgern.

Das unstill­ba­re Schrei­en eines Babys kann Eltern sehr belas­ten. Damit Eltern nicht die Beherr­schung ver­lie­ren, emp­feh­len Exper­tin­nen und Exper­ten, das Baby an einen siche­ren Ort zu legen, zum Bei­spiel ins Git­ter­bett und kurz den Raum zu ver­las­sen, um tief durch­zu­at­men und Stress abzu­bau­en. Dabei alle paar Minu­ten nach dem Baby schau­en und sich, wenn nötig, Unter­stüt­zung holen. Denn es gibt nichts Schlim­me­res, als aus Hilf­lo­sig­keit und Wut das Baby zu schüt­teln. Es fügt dem Baby schwe­re lebens­lan­ge Schä­den zu.

Nicht nur das Schrei­en ist eine Regu­la­ti­ons­stö­rung

Ähn­lich belas­tend sind für die Eltern Situa­tio­nen, in denen das Baby die Nah­rung ver­wei­gert, in den Näch­ten stünd­lich schrei­end auf­wacht oder nicht ohne Hil­fe in den Schlaf fin­det. Auch ein Klein­kind, das tags­über stän­dig unzu­frie­den ist, Auf­merk­sam­keit for­dert, ängst­lich klam­mert oder hef­tig trotzt, kann die Eltern-Kind-Bezie­hung belas­ten.

Eltern wer­den nicht allei­ne gelas­sen

Wich­tig ist, dass auch medi­zi­ni­sche Ursa­chen, die für das Schrei­en des Babys ver­ant­wort­lich sein kön­nen, die durch eine Unter­su­chung bei einer Kin­der­ärz­tin oder einem Kin­der­arzt, Haus­ärz­tin oder Haus­arzt abge­klärt wer­den müs­sen. Ist das Baby gesund, so fin­den belas­te­te Eltern Bera­tung und Hil­fe in spe­zia­li­sier­ten Bera­tungs­stel­len oder bei einem Fach­arzt sowie in Schrei­am­bu­lan­zen, die meist an Kin­der­kli­ni­ken ange­schlos­sen sind.

Die regio­na­len und über­re­gio­na­len Ansprech­part­ner sowie Not­fall­num­mern hat die KoKi-Netz­werk frü­he Kind­heit in ihrem „Bit­te nicht schüt­teln“ – Fly­er gelis­tet. „Jede Fami­lie, die ein Baby bekommt, erhält den Fly­er mit dem Will­kom­mens­brief des Land­krei­ses zuge­sandt. So ist er für den Not­fall bei den Eltern“, erklä­ren die KoKi Mit­ar­bei­te­rin­nen Chris­ti­ne Mül­ler und San­dra Heu­ber­ger-Streb.

Zudem ist der Fly­er auf der KoKi Home­page unter www.altmuehlfranken.de/soziales/kinderschutzstelle/ zu fin­den.

Bild­un­ter­schrift: Infor­ma­tio­nen zum The­ma fin­den Betrof­fe­ne bei der KoKi-Netz­werk frü­he Kind­heit. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen

Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on: Um die viel­fäl­ti­gen Aspek­te von Ein­sam­keit in den Fokus der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit zu len­ken, wur­de vom Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge der dies­jäh­ri­ge Prä­ven­ti­ons­schwer­punkt auf die „Gesund­heit­li­chen Fol­gen von Ein­sam­keit“ gelegt. Inner­halb die­ses Rah­mens wur­de in Koope­ra­ti­on mit unter­schied­li­chen Insti­tu­tio­nen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen von der Gesund­heits­re­gi­onplus eine Arti­kel­rei­he erstellt, die monat­lich gezielt einen poten­ti­ell von Ein­sam­keit betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis anspricht und spe­zi­fi­sche Unterstützungs‑, Ver­net­zungs- und Hilfs­an­ge­bo­te des Land­krei­ses vor­stellt. Anhand rea­ler Bei­spie­le wird ver­sucht, auf das The­ma auf­merk­sam zu machen und auch zu sen­si­bi­li­sie­ren. Beglei­tend zu der Arti­kel­rei­he infor­miert das Land­rats­amt auch auf der Home­page und in den sozia­len Medi­en über das The­ma.