Besonderer Abend – Der Stummfilmklassiker „Nosferatu“ wurde musikalisch neu interpretiert

von | 28. August 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Mehr als 100 Jah­re hat der Stumm­film „Nos­fe­ra­tu – Eine Sym­pho­nie des Grau­ens“ mitt­ler­wei­le auf sei­nem krum­men Vam­pir­bu­ckel. 1922 fla­cker­te die Dra­cu­la­in­ter­pre­ta­ti­on von Fried­rich Wil­helm Mur­nau erst­mals über die Kino­lein­wand und hin­ter­ließ bei der von Krieg, Spa­ni­scher Grip­pe und von Wirt­schafts­kri­se gebeu­tel­ten deut­schen Gesell­schaft tie­fen Ein­druck. Die beglei­ten­de Musik kom­po­nier­te Hans Erd­mann, sein dra­ma­ti­scher „score“ glich einer emo­tio­na­len Ach­ter­bahn­fahrt. Der Sarg­de­ckel könn­te nun zuge­schla­gen wer­den, doch die Gun­zen­häu­ser Stumm­film­rei­he drückt beim Sound­track ein­fach die „Löschen“-Taste. Fer­tig ist die inno­va­ti­ve Mam­mut­auf­ga­be, denn die nun laut­lo­sen Sze­nen des Films müs­sen musi­ka­lisch neu ver­tont wer­den. Im Jubi­lä­ums­jahr 2023 hat­te die Avant­gar­de-Band „Sut­clif­fe“ den Film „Das Cabi­net des Dr. Cali­ga­ri“ ein­drucks­voll neu inter­pre­tiert. „Nos­fe­ra­tu – eine Sym­pho­nie des Grau­ens“ haben sich nun die Klas­sik­ex­per­ten vom „Ensem­ble Dol­ceran­do“ vor­ge­nom­men. Das Ergeb­nis wur­de vor kur­zem im Rah­men eines Stumm­film­abends im Fal­ken­gar­ten live per­formt. Von Barock bis Pop, von Kir­chen­lied bis Ohr­wurm – gebo­ten wur­de ein viel­sei­ti­ges, phan­tas­ti­sches Event für Freun­de und Fans beson­de­rer Momen­te.

Unzäh­li­ge Stun­den Arbeit haben die Musi­ker in die Neu­ver­to­nung des Gru­sel­films inves­tiert. Ist die ursprüng­li­che Aus­sa­ge sehr düs­ter, wur­de dem Werk nun punk­tu­ell eine auf­lo­ckern­de, manch­mal fast komi­sche Note mit­ge­ge­ben. Die rund 30 dar­ge­bo­te­nen Songs waren the­ma­tisch pas­send und auf die ein­zel­nen Sze­nen zuge­schnit­ten. So durf­te das Publi­kum unter­schied­lichs­ten Gen­res lau­schen, dar­un­ter Aus­zü­gen aus dem Musi­cal „Tanz der Vam­pi­re“ (Sze­ne: Nos­fe­ra­tus Erlö­sung), Kir­chen­lie­dern wie „Die Nacht ist vor­ge­drun­gen“ (Sze­ne: Nos­fe­ra­tu trinkt Blut) oder Ohr­wür­mern der Mar­ke „Sai­ling“ (Sze­ne: Nos­fe­ra­tu reist auf dem See­weg von Rumä­ni­en nach Deutsch­land).

„Gun­zen­hau­sen ist nicht nur das Kul­tur­zen­trum des Frän­ki­schen Seen­lands, wir haben dazu den hohen Anspruch, immer bes­ser zu wer­den und inno­va­ti­ve Ver­an­stal­tun­gen zu prä­sen­tie­ren“, betont Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz. „Jeder unse­rer Stumm­film­aben­de ist ein ein­zig­ar­ti­ges, für sich ste­hen­des Erleb­nis. Hier wer­den Sound­tracks nicht nach­ge­spielt, son­dern ein Film ganz neu inter­pre­tiert. Bis­her gül­ti­ge Aus­sa­gen wer­den damit auf den Kopf gestellt und als Zuschau­er erle­ben wir ein ganz neu­es Werk. Das Ensem­ble Dol­ceran­do hat das groß­ar­tig gemacht und sich an die­sem so beson­de­ren Abend nicht nur in die Ohren des Publi­kums, son­dern auch in das ein oder ande­re Herz gespielt.“

Das Kon­zept der Gun­zen­häu­ser Stumm­film­rei­he sieht jähr­lich wech­seln­de Fil­me an einem jähr­lich wech­seln­den Auf­füh­rungs­ort vor. Nach­dem ein Klas­si­ker aus­ge­wählt wur­de, begibt sich das Orga-Team aus Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer und Pres­se­re­fe­rent Manu­el Gros­ser auf die Suche nach einer für die­ses Kunst­werk pas­sen­den Band, Kapel­le oder Com­bo. Vor dem eigent­li­chen Film gibt es eine his­to­ri­sche und medi­en­wis­sen­schaft­li­che Ein­ord­nung, die Hin­ter­grün­de erklärt und Zusatz­in­for­ma­tio­nen lie­fert. „Film­fans sind im Frän­ki­schen Seen­land ein wenig die Hun­ger­kas­te“, so Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer. „Wer unse­re Stumm­film­aben­de besucht, sieht das gan­ze Gen­re mit ande­ren Augen. Im nächs­ten Jahr ent­füh­ren wir Sie ins mär­chen­haf­te Prag und Sie dür­fen gespannt sein, wel­che Art von Musik wir dafür aus­wäh­len wer­den.“

Foto: Stadt Gunzenhausen/ Tere­sa Bis­wan­ger