Bio-Bayern-Tour macht Station im mittelfränkischen Puschendorf

von | 21. August 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Puschen­dorf (bbv).  Nach einem jahr­zehn­te­lan­gen kon­ti­nu­ier­li­chen Wachs­tum ver­zeich­net der Absatz von Bio-Lebens­mit­teln und Geträn­ken seit 2022 erst­mals einen Rück­gang. Zwar kau­fen die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher immer noch mehr Bio-Pro­duk­te als vor dem Absatz­boom wäh­rend der Coro­na-Zeit. Den­noch ist jedes Umsatz-Minus schmerz­haft, ins­be­son­de­re für die Bio-Direkt­ver­mark­ter und regio­na­len Bio-Land­wir­te.

Wie sich das ver­än­der­te Markt­um­feld auf den ein­zel­nen Bio-Betrieb vor Ort aus­wirkt und wie der Baye­ri­sche Bau­ern­ver­band (BBV), Bezirks­ver­band Mit­tel­fran­ken, die aktu­el­le Situa­ti­on der Öko­land­wirt­schaft in Bay­ern beur­teilt – dar­um geht es bei der Bio-Bay­ern-Tour 2023 des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­ban­des, die zu inter­es­san­ten und viel­sei­ti­gen Bio-Betrie­ben in den baye­ri­schen Regie­rungs­be­zir­ken füh­ren. In Mit­tel­fran­ken lud der BBV auf den Zacher­hof der Fami­lie Weg­horn in Puschen­dorf (Land­kreis Fürth) ein.

Der Betrieb Zacher­hof hat sich auf die Erzeu­gung von Bio-Rind­fleisch spe­zia­li­siert. Von der Auf­zucht der Rin­der bis zur Ver­mark­tung des Rind­flei­sches fin­det alles direkt auf dem Hof im Land­kreis Fürth statt. Die Mut­ter­kü­he der Ras­se Deutsch Angus wer­den nach den Richt­li­ni­en des Anbau­ver­ban­des Bio­land mit Wei­de­zu­gang gehal­ten. In den Herbst-/Win­ter­mo­na­ten wird im Hof­la­den alle zwei Wochen fri­sches Rind­fleisch ange­bo­ten. In den Som­mer­mo­na­ten öff­net der Hof­la­den alle vier Wochen mit fri­schem Fleisch im Ange­bot.

Seit die Lebens­hal­tungs­kos­ten wegen des Ukrai­ne-Krie­ges deut­lich gestie­gen sind, ist der Absatz­rück­gang auch bei Fami­lie Weg­horn spür­bar. „Zum Glück haben wir über­wie­gend treue Stamm­kun­den, die uns auch in Kri­sen­zei­ten unter­stüt­zen, sodass wir unse­re Rin­der wei­ter­hin voll­stän­dig direkt ab Hof ver­mark­ten kön­nen“, so Gerald Weg­horn. Auf­fäl­lig ist, dass die Kun­den zwar wei­ter­hin bewusst Rind­fleisch aus der Regi­on ein­kau­fen, aber gerin­ge­re Men­gen nach­fra­gen. Der Fami­lie Weg­horn sind aller­dings auch Berufs­kol­le­gen bekannt, die mit ihrem Hof­la­den mehr mit den Absatz­ein­bu­ßen zu kämp­fen haben.

Fami­lie Weg­horn setzt sich für die Wei­ter­ent­wick­lung des Öko­land­baus ein. Des­we­gen möch­ten sie Land­wir­te, die sich für eine Umstel­lung ihres Betrie­bes zur öko­lo­gi­schen Wirt­schafts­wei­se inte­re­sie­ren, unter­stütz­ten. Dafür enga­gie­ren sie sich im Rah­men des bay­ern­wei­ten Bio­Re­gio-Betriebs­net­zes und bie­ten inter­es­sier­ten Betrie­ben in Gesprä­chen und Betriebs­be­sich­ti­gun­gen Ein­bli­cke in ihre Erfah­run­gen als lang­jäh­rig öko­lo­gisch wirt­schaf­ten­der Betrieb an.

Der BBV und des­sen Lan­des­fach­aus­schuss für Öko­lo­gi­schen Land­bau steht allen Land­wirts­fa­mi­li­en, die ihren Betrieb auf öko­lo­gi­sche Wirt­schafts­wei­se umstel­len möch­ten, unter­stüt­zend zur Sei­te. Den­noch sieht er ein pau­scha­les Aus­bau­ziel, wie es sich die Baye­ri­sche Lan­des­re­gie­rung zum Ziel gesetzt hat, kri­tisch. „Beim Aus­bau des Öko­land­baus in Bay­ern set­zen wir uns dafür ein, dass die­ser Hand in Hand mit den Märk­ten ent­wi­ckelt wird“, erklärt Peter Könin­ger, Prä­si­dent des Bezirks­ver­ban­des Mit­tel­fran­ken. „Für uns kommt es dar­auf an, dass er den Öko­be­trie­ben und denen, die es wer­den wol­len, eine posi­ti­ve Zukunfts­per­spek­ti­ve mit der nöti­gen Wert­schöp­fung
bie­tet.“ Chris­ti­ne Rei­tels­hö­fer, Bezirks­bäue­rin Mit­tel­fran­ken, ergänzt: „Allein die poli­ti­sche Ziel­set­zung, dass im Jahr 2030 30% der land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen in Bay­ern öko­lo­gisch bewirt­schaf­tet wer­den, hel­fe den umstel­lungs­in­ter­es­sier­ten Land­wir­ten nicht, wenn sich die Absatz­märk­te nicht in ver­gleich­ba­ren Maß ent­wi­ckeln.“

Mit der Bio-Bay­ern-Tour möch­te der BBV die Viel­falt der hei­mi­schen Bio-Betrie­be auf­zei­gen und die Ver­brau­cher dazu ermun­tern, bei jedem Ein­kauf auf die Her­kunft der Lebens­mit­tel zu ach­ten. Denn hin­ter jedem regio­na­len Pro­dukt ste­hen Men­schen und Betrie­be, die es erzeugt und ver­ar­bei­tet haben. Die­se Arbeit der Bio-Betrie­be darf nicht durch die Jagd nach dem güns­tigs­ten Preis über­la­gert wer­den. Die ein­zel­nen Sta­tio­nen der Bio Bay­ern Tour sind hier zu fin­den: https://www.bayerischerbauernverband.de/bio-bayern-tour.

Foto: BBV — Haupt­ge­schäfts­stel­le Mit­tel­fran­ken