Bundesinnenministerium schränkt Zugang zu Integrationskursen drastisch ein

von | 23. Februar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Deutsch­kennt­nis­se sind ent­schei­dend dafür, dass zuge­wan­der­te Men­schen in Deutsch­land selbst ihren Lebens­un­ter­halt ver­die­nen kön­nen. Das sehen nicht nur Arbeits­markt­ex­per­ten so, son­dern auch vie­le Zuge­wan­der­te selbst, unab­hän­gig von ihrem Auf­ent­halts­sta­tus. Ukrai­ne­rin­nen Ukrai­ner, die vor Russ­lands Angriffs­krieg geflüch­tet und häu­fig gut aus­ge­bil­det sind, Asyl­su­chen­de im Ver­fah­ren oder Gedul­de­te: Mit aus­rei­chen­den Deutsch­kennt­nis­sen hät­ten zahl­rei­che Men­schen bes­te Aus­sich­ten, offe­ne Stel­len in deut­schen Unter­neh­men, in der Gesund­heits­ver­sor­gung oder in sozia­len Ein­rich­tun­gen zu beset­zen. Bis­her konn­ten sie in den vom Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge finan­zier­ten Kur­sen Deutsch ler­nen – aus frei­en Stü­cken, denn eine Ver­pflich­tung dazu besteht für die­se Grup­pen nicht. Das ist nun vor­bei: Anträ­ge Frei­wil­li­ger auf Teil­nah­me an den Kur­sen wer­den nicht mehr bewil­ligt. Als Begrün­dung wer­den Spar­zwän­ge ange­führt. 

Aus Sicht des Deut­schen Volks­hoch­schul-Ver­bands ist der Aus­schluss geschätz­ter 130.000 Men­schen vom Inte­gra­ti­ons­kurs kurz­sich­tig und kon­tra­pro­duk­tiv: „Men­schen, die sich in die Gesell­schaft inte­grie­ren und arbei­ten wol­len, wird signa­li­siert, dass dies uner­wünscht sei“, kom­men­tiert DVV-Ver­bands­di­rek­to­rin Julia von Wes­ter­holt. „Das wider­spricht der bis­he­ri­gen Stra­te­gie, Zuge­wan­der­te zügig in Exis­tenz sichern­de Arbeit zu brin­gen, und ent­behrt ange­sichts des pro­gnos­ti­zier­ten Man­gels an über sie­ben Mil­lio­nen Fach­kräf­ten bis 2035 jeder wirt­schaft­li­chen Ver­nunft.“ 

Abbau der Sprach­för­de­rung auch zu Las­ten der Kom­mu­nen

Dar­über hin­aus droht nun erneut Scha­den im Gesamt­pro­gramm Spra­che des Bun­des. Auf der Grund­la­ge der Inte­gra­ti­ons­kurs­sta­tis­tik (1. Halb­jahr 2025) geht der DVV davon aus, dass die frei­wil­lig Teil­neh­men­den einen Anteil von rund 55% aller Inte­gra­ti­ons­kurs­teil­neh­me­rin­nen  und ‑teil­neh­mer aus­ma­chen. Die­se Frei­wil­li­gen blei­ben nun weg. Allein mit Ver­pflich­te­ten ist jedoch in vie­len Regio­nen die vom zustän­di­gen Bun­des­amt vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­teil­neh­mer­zahl für einen Kurs­start nicht erreich­bar. Folg­lich ist über­all in Deutsch­land mit lan­gen War­te­zei­ten für die zur Teil­nah­me ver­pflich­te­ten Zuge­wan­der­ten und Kurs­aus­fäl­len zu rech­nen. Die am Gesamt­pro­gramm Spra­che betei­lig­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen kön­nen wert­vol­len Lehr­kräf­ten kei­ne Per­spek­ti­ve mehr bie­ten. Bereits ange­mie­te­te Räu­me ste­hen leer, müs­sen aber bezahlt wer­den. So wer­den die Volks­hoch­schu­len, die fast 45 Pro­zent der Inte­gra­ti­ons­kur­se bestrei­ten, finan­zi­ell geschä­digt – und damit auch die ohne­hin stark belas­te­ten Kom­mu­nen. Real gehol­fen ist den Städ­ten und Gemein­den, wenn Zuge­wan­der­te schnell in sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se gelan­gen. Ohne soli­de Deutsch­kennt­nis­se ist das kaum zu schaf­fen.

Das Minis­te­ri­um schwieg

Seit mehr als zwan­zig Jah­ren sind die Volks­hoch­schu­len ver­läss­li­che Part­ner der Bun­des­re­gie­rung bei der Inte­gra­ti­on Zuge­wan­der­ter. Auch die Volks­hoch­schu­le Gun­zen­hau­sen ist von Anfang an dabei und leis­tet damit einen wich­ti­gen Bei­trag zur Inte­gra­ti­ons­ar­beit im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und dar­über hin­aus. Gera­de in Kri­sen­si­tua­tio­nen hat sie ihre Leis­tungs­fä­hig­keit unter Beweis gestellt.

So etwa nach dem rus­si­schen Groß­an­griff auf die Ukrai­ne: Inner­halb kür­zes­ter Zeit wur­den die Inte­gra­ti­ons­kur­se mas­siv aus­ge­baut und die Zahl der durch­ge­führ­ten Kur­se ver­dop­pelt. Dadurch konn­ten Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne schnell Deutsch ler­nen, eine Arbeit auf­neh­men und ihren Lebens­un­ter­halt sowie den ihrer Fami­li­en selbst bestrei­ten. Mög­lich war dies nur durch das enga­gier­te Mit­wir­ken unse­rer lang­jäh­ri­gen Lehr­kräf­te.

Dass Zuge­wan­der­ten die frei­wil­li­ge Teil­nah­me an Inte­gra­ti­ons­kur­sen ver­sagt wür­de, zeich­ne­te sich seit Ende 2025 ab. Auf eine Erklä­rung war­te­ten die Trä­ger jedoch lan­ge ver­geb­lich. Erst in die­ser Woche und unter media­lem Druck wur­den sie offi­zi­ell über die Maß­nah­me des BMI infor­miert. Um den wirt­schaft­li­chen Scha­den zu begren­zen, müs­sen Kapa­zi­tä­ten in den Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nun rapi­de abge­baut wer­den. In der nächs­ten Kri­se wer­den sie feh­len.

Foto: Michae­la Ame­diek