Caritas von Inflation und Ukrainekrieg herausgefordert

von | 9. September 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Eich­stätt (red). „Viel Ener­gie not­wen­dig“ lau­tet der Titel des Jah­res­be­rich­tes 2022 des Cari­tas­ver­ban­des für die Diö­ze­se Eich­stätt, der vor weni­gen Tagen her­aus­ge­kom­men ist. In dem 70 Sei­ten umfas­sen­den Heft wird zum Groß­teil beschrie­ben, wie einer­seits gestie­ge­ne Ener­gie­prei­se und Infla­ti­on sowie ande­rer­seits der Ukrai­ne­krieg die Arbeit in den Ein­rich­tun­gen des katho­li­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des beherrsch­te. „Es ist bewun­derns­wert, dass auch die­se Her­aus­for­de­run­gen wie­der­um gemein­sam gemeis­tert wer­den konn­ten. Dafür gebührt allen Betei­lig­ten höchs­te Ach­tung und größ­ter Dank“, schreibt Cari­tas­di­rek­tor Alfred Frank in sei­nem Vor­wort.

Pro­blem gestie­ge­ne Ener­gie­prei­se

Im Bericht des Kern­diens­tes „All­ge­mei­ne Sozi­al­be­ra­tung (ASB)“ heißt es: „Die enorm gestie­ge­nen Ener­gie­prei­se haben uns im zwei­ten Halb­jahr stark beschäf­tigt. Da der Strom im Regel­satz vom Bür­ger­geld – vor­her Arbeits­lo­sen­geld II – ent­hal­ten ist, wird jede Erhö­hung zur Gefahr für den Lebens­un­ter­halt, und die Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung braucht dann die Unter­stüt­zung der ASB.“ Im Abschnitt über die Schuld­ner- und Insol­venz­be­ra­tung wird berich­tet, dass Bud­get­be­ra­tung immer schwie­ri­ger wer­de „und oft­mals ist der Haus­halts­plan der Kli­en­tin­nen und Kli­en­ten so knapp gestrickt, dass kaum Spiel­raum zur Bewäl­ti­gung bleibt. Die stei­gen­den Ener­gie­prei­se und damit ver­bun­de­nen extrem erhöh­ten Abschlags­zah­lun­gen wur­den erheb­lich mehr zum Pro­blem.“ Laut der Bahn­hofs­mis­si­on hat dort die Aus­ga­be von klei­ne­ren Brot­zei­ten und Geträn­ken stark zuge­nom­men: „ver­mut­lich eine Fol­ge der hohen Ener­gie­prei­se und der gestie­ge­nen Infla­ti­on“.

Die Bahn­hofs­mis­si­on war bereits weni­ge Tage nach dem Angriff Russ­lands auf die Ukrai­ne im Ein­satz für Flücht­lin­ge aus dem Land. Die Ehren­amt­li­chen leis­te­ten für die­se am Gleis ers­te Hil­fen und Ori­en­tie­run­gen und schenk­ten eini­gen Kaf­fee und Tee aus. Im Jah­res­be­richt wird dar­an erin­nert, dass sie auch spon­tan einen „Not­dienst“ fürs Wochen­en­de auf die Bei­ne stell­ten. Vor allem war aber natür­lich die Flücht­lings- und Inte­gra­ti­ons­be­ra­tung (FIB) durch die Flucht von Men­schen aus der Ukrai­ne her­aus­ge­for­dert. Die Bera­te­rin­nen und Bera­ter such­ten Dol­met­scher für die Kli­en­tin­nen und Kli­en­ten und beant­wor­te­ten Anfra­gen von Pri­vat­per­so­nen, die Hil­fe oder auch Wohn­raum zur Ver­fü­gung stell­ten. An man­chen Stand­or­ten wie zum Bei­spiel in Ingol­stadt wur­de von der FIB auch eine Bera­tung in einer Turn­hal­le, die als Not­un­ter­kunft dien­te, ange­bo­ten. „Die Cari­tas-Bera­tungs­stel­len hal­fen auch in exis­ten­zi­el­len Not­la­gen, wenn kei­ne Lebens­mit­tel oder lebens­wich­ti­ge Medi­ka­men­te zur Ver­fü­gung stan­den“, heißt es im Jah­res­be­richt.

In der Erzie­hungs­be­ra­tungs­stel­le Nürn­berg-Lang­was­ser beriet eine aus der Ukrai­ne stam­men­de Psy­cho­lo­gin geflüch­te­te Men­schen: einer­seits hin­sicht­lich ihrer Kriegs- und Flucht­er­leb­nis­se, ande­rer­seits zu den The­men, derent­we­gen eine Erzie­hungs­be­ra­tungs­stel­le grund­sätz­lich auf­ge­sucht wird, zum Bei­spiel zu Bezie­hungs- und Ver­hal­tens­pro­ble­men, Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­rung, Schul­schwie­rig­kei­ten oder Fami­li­en­the­men.

Auch die Arbeit der drei Fach­ver­bän­de Mal­te­ser Hilfs­dienst, Kreuz­bund und Sozi­al­dienst katho­li­scher Frau­en wird erneut im Jah­res­be­richt beschrie­ben – hier unter ande­rem die Her­aus­for­de­run­gen, vor denen der Mal­te­ser Hilfs­dienst durch den Ukrai­ne­krieg stand: „Der Schwer­punkt der Unter­stüt­zung der Mal­te­ser lag zunächst auf Hilfs­trans­por­ten in die Ukrai­ne und ihre Anrai­ner­staa­ten. Schon bald jedoch konn­te man Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne vor Ort hel­fen: etwa durch die wöchent­li­che Lebens­mit­tel­aus­ga­be und Deutsch­kur­se in Eich­stätt oder durch das Umsonst-Kauf­haus „Mia & Fri­ends“ in Neu­markt“, wird berich­tet.

Zuver­sicht trotz finan­zi­el­len Fehl­be­tra­ges

Hin­sicht­lich des Finanz- und Rech­nungs­we­sens wird im Jah­res­be­richt fest­ge­stellt, dass die Gewinn- und Ver­lust­rech­nung im Geschäfts­jahr 2022 mit einem Jah­res­fehl­be­trag von 954.000 Euro abge­schlos­sen und sich im Ver­gleich zum Vor­jahr um 1.943.000 Euro ver­schlech­tert habe. Als Begrün­dung wird ange­führt: „Trotz gestie­ge­ner Erträ­ge konn­ten die deut­li­chen Per­so­nal­kos­ten­stei­ge­rung von 5,7 Pro­zent und die wei­ter­hin gestie­ge­nen Mate­ri­al­kos­ten von 3,6 Pro­zent nicht aus­ge­gli­chen wer­den. Zu Letz­te­ren gehö­ren die stark gestie­ge­nen Lebens­mit­tel­kos­ten sowie der not­wen­di­ge Bezug von Fremd­leis­tun­gen.“ Trotz schwie­ri­ger Rah­men­be­din­gun­gen wie des Per­so­nal­man­gels und der gestie­ge­nen Infla­ti­ons­ra­te geht der Cari­tas­ver­band laut sei­nem Jah­res­be­richt aber davon aus, „wei­ter­hin die sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben auf wirt­schaft­lich soli­der Basis gut erfül­len zu kön­nen“.

Der Jah­res­be­richt kann kos­ten­frei bestellt wer­den beim Cari­tas­ver­band Eich­stätt, Resi­denz­platz 14, 85072 Eich­stätt, Tele­fon: 08421 50901, E‑Mail: zentrale@caritas-eichstaett.de . Er steht außer­dem als Down­load unter www.caritas-eichstaett.de zur Ver­fü­gung.

Bild­un­ter­schrift: Titel­sei­te Jah­res­be­richt; Foto: Cari­tas Eich­stätt