Weißenburg — Im Rahmen des von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten Projekts Land.schafft.Demokratie war der Soziologe und Autor Rainald Manthe zu Gast in der Weißenburger Stadtbibliothek. Der Titel der Veranstaltung lautete: „Demokratie fehlt Begegnung – Über Alltagsorte des sozialen Zusammenhalts“. Das ist auch der Name seines aktuellen Buches. Der Autor ist Soziologe und promovierte zu Orten des sozialen Zusammenlebens. Praktische Erfahrungen sammelte er bei seinen Auslandsaufenthalten in St. Petersburg, San Francisco, Paris und Luzern.
Rainald Manthe vertritt in seinem Werk die These, dass es der Demokratie an Begegnung fehlt. Die Welt wird digitaler und reale Treffen und Begegnungen für Menschen entfallen öfter, z. B. durch das Homeoffice. Zeitgleich werden öffentliche Orte wie Schwimmbäder, Jugendclubs, Bibliotheken und Sportvereine, welche niedrigschwellig zugänglich sind, weniger.
Individuelle Freizeitgestaltung, digitale Medien und zuletzt die Coronapandemie haben vielen Begegnungsstätten den Rest gegeben – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Großbritannien, schließen Kneipen und Pubs und gehen als Orte der Begegnung verloren. Aber Demokratie braucht Räume des Zusammentreffens, damit sie dauerhaft funktioniert. Wen jeder daheim in seiner eigenen Welt vor sich hin lebt und die einzige Außenkommunikation nur mithilfe des Internets stattfindet, kann das nicht funktionieren. Zumal die Algorithmen auf Social Media Plattformen nicht dazu beitragen, auch andere Meinungen anzuzeigen und Interessen zu finden. Menschen umgeben sich mehr mit Leuten, welche ähnliche Ansichten haben und leben somit in ihrer eigenen „Blase“. Es fehlen Orte, an denen sich Menschen mit unterschiedlichen Meinungen treffen, wie z. B. einer Dorfkneipe, die oft unterschätzt wird.
Es fehlen niedrigschwellige Angebote, die nicht mit langen Fahrtwegen erreichbar sind. Hier sollte mehr in Orten und Städten getan und umgesetzt werden. Skandinavien ist da-bei ein gutes Beispiel. Oder auch Stadtbibliotheken als „Dritte Orte der Begegnung“.
In der anschließenden Diskussionsrunde wurden noch viele konkrete Fragen gestellt und beantwortet. Eine Frage war, warum der Regierung wenig zugetraut wird und sich Men-schen so sehr über die Politik ärgern. Die Antwort darauf, welche auch mit Zahlen belegt wurde: Es fehlt vertrauen. Die Menschen vertrauen dem Stadtrat mehr als dem Landtag, dem Landtag mehr als der Regierung. Sie vertrauen den Leuten mehr, die sie kennen!
Ein Satz war Rainald Manthe besonders wichtig: „Nur durch die Wahrnehmung von Diver-sität, durch die Bildung sozialer Beziehungen und durch gemeinsame Aktivitäten entsteht die unverzichtbare Basis, auf der moderne, vielfältige Demokratien funktionieren und sich den großen Transformationen unserer Zeit stellen können!“
Foto: Stadt Weißenburg


