Die EU-Flagge feiert am 11. April 2023 ihren 40. Geburtstag

von | 12. April 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Brüssel/Gunzenhausen, April 2023. Ein Kreis aus 12 Ster­nen auf blau­em Hin­ter­grund. Seit 40 Jah­ren ist die Flag­ge das Emblem der Euro­päi­schen Uni­on. Initia­tor Dr. Ingo Fried­rich (CSU) aus dem frän­ki­schen Gun­zen­hau­sen blickt zurück auf den schwie­ri­gen Ent­ste­hungs­pro­zess des Wahr­zei­chens.

Ingo Fried­rich ist Euro­pa­po­li­ti­ker der ers­ten Gene­ra­ti­on. 1979 wur­de er in das Euro­päi­sche Par­la­ment gewählt. Heu­te, 40 Jah­re spä­ter, brennt er nach wie vor für Euro­pa. Betre­ten Besu­cher die bei­den Büros des Euro­päi­schen Wirt­schafts­se­nats in Brüs­sel oder Mün­chen, wer­den sie unmit­tel­bar von der Euro­pa­flag­ge begrüßt. Sie hängt unüber­seh­bar über sei­nem Schreib­tisch. Die Flag­ge ist eine der größ­ten Erfol­ge sei­ner Lauf­bahn. Vie­le Men­schen wis­sen aber gar nicht, wie es zu die­sem Sym­bol kam.

Der ange­bis­se­ne Apfel steht für Apple, die Ster­nen­flag­ge für die EU. Schon immer gab und gibt es Mar­ken und Sym­bo­le. „Ich kam aus der Wirt­schaft. Mir war klar, dass wir auch für Euro­pa ein gemein­sa­mes, Iden­ti­tät stif­ten­des Sym­bol brau­chen“, so Fried­rich. Schnell wur­de klar: Der jun­ge Poli­ti­ker traf damit den Nagel auf den Kopf. Zur dama­li­gen Zeit hat­te näm­lich jede Insti­tu­ti­on in der EU ein eige­nes Logo: Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ver­wen­de­te ein gro­ßes E, das Par­la­ment eine Flag­ge mit Lor­beer­kranz, der Euro­pa­rat die Ster­nen­flag­ge seit 1955 und der Minis­ter­rat war flag­gen­los. „Es fehl­te ein ganz Euro­pa umfas­sen­des Sym­bol“, so Fried­rich. Aber genau das könn­te den Wie­der­erken­nungs­wert der Euro­päi­schen Uni­on stei­gern.

Am 31.10.1979 schließ­lich ging Fried­rich das Pro­blem an. Und stell­te den viel­leicht wich­tigs­ten Par­la­ments­an­trag sei­ner Lauf­bahn. Er plä­dier­te im Par­la­ment für die Not­wen­dig­keit eines gemein­sa­men Sym­bols und schlug dafür die heu­ti­ge Euro­pa­flag­ge vor. Damit star­te­te der jun­ge Abge­ord­ne­te einen umfang­rei­chen Pro­zess. Der inter­ne Abstim­mungs­pro­zess war schwie­rig “, so Fried­rich. Ein Sym­bol für alle Insti­tu­tio­nen und Mit­glied­staa­ten war nicht ein­fach zu fin­den. Man­che woll­ten einen euro­pa­wei­ten Wett­be­werb. Ande­re hät­ten die Zahl der Ster­ne ger­ne von der Zahl der Mit­glieds­staa­ten abhän­gig gemacht.

Nach vie­len Dis­kus­sio­nen in Aus­schüs­sen und Ple­nar­sit­zun­gen wur­de am 11. April 1983 die heu­ti­ge Euro­pa­flag­ge als Sym­bol Euro­pas end­gül­tig ver­ab­schie­det. Das Euro­päi­sche Mehr­heit stand mit gro­ßer Mehr­heit hin­ter Fried­richs Idee. Ob die­se Flag­ge ein Erfolg wird war damals noch unklar. Heu­te herrscht Gewiss­heit: Die 12 gol­de­nen Ster­ne auf blau­em Grund als Sym­bol Euro­pas sind welt­weit bekannt. Viel­leicht sogar bekann­ter als App­les ange­bis­se­ner Apfel. Heu­te ist klar: Das gemein­sa­me Sym­bol hat die EU erkenn­bar und bekann­ter gemacht.

Und es gibt eine Geschich­te hin­ter der Geschich­te:

Von Bibel­ken­nern wer­den die 12 Ster­ne nicht nur als Hin­weis auf die zwölf Stäm­me Isra­els gedeu­tet. Die Offen­ba­rung des Johan­nes (Kap. 12) wird noch kon­kre­ter: „Und es erschien ein gro­ßes Zei­chen im Him­mel: eine Frau (…) und auf ihrem Haupt eine Kro­ne von zwölf Ster­nen.“ (Luther­bi­bel 2017). Der bibli­sche Bezug scheint klar. Doch war das auch der Grund, war­um Ingo Fried­rich sich für die­ses Sym­bol ent­schied?

„Der christ­lich-kul­tu­rel­le Bezug Euro­pas war mir wich­tig. Das gebe ich zu.“, so Fried­rich. Euro­pa habe eine über 1000-jäh­ri­ge gemein­sa­me Geschich­te. „Und unse­re Län­der ver­bin­det vor allem das christ­li­che Erbe.“ Aber auch die Zahl zwölf sei beson­ders. „Zwölf steht für Aus­ge­gli­chen­heit und Voll­kom­men­heit“, meint Fried­rich. So gebe es zwölf Apos­tel, die zwölf Mona­te oder zwei­mal 12 Stun­den täg­lich. Die Anzahl der Ster­ne sei auch nicht an die Mit­glieds­staa­ten gebun­den. „Sonst müss­ten wir die Flag­ge bei jedem Ein-/ oder Aus­tritt abän­dern.“

„Euro­pa“, das möch­te Fried­rich anmer­ken, „ist das schöns­te Staa­ten­pro­jekt auf der gan­zen Welt.“ Es gebe kei­nen Zeit­raum in dem so lan­gen Frie­den in Euro­pa herrsch­te. Die Flag­ge ste­he für die­ses groß­ar­ti­ge Pro­jekt. Fried­rich möch­te die­se Nach­richt am Geburts­tag der Flag­ge allen nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen mit­ge­ben. Er steht neben der Flag­ge und liest sei­nen Antrag noch ein­mal durch. Man sieht den Stolz in sei­nen Augen. Er ist stolz, dass er an die­sem Pro­jekt mit­bau­te und immer noch mit­baut. „Sei­ne“ Flag­ge ist ein Stück Welt­ge­schich­te gewor­den.

Bild­un­ter­schrift: Initia­tor und Antrag­stel­ler war der mit­tel­frän­ki­sche Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Dr. Ingo Fried­rich aus Gun­zen­hau­sen. Foto: Dr. Ingo Fried­rich