Die Katastrophe im Kleinen bewältigt — Die Feuerwehr Streudorf und die BRK-Bereitschaft Gunzenhausen probten zusammen für den Ernstfall

von | 11. März 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Streu­dorf (red). Ein unge­wöhn­lich star­kes und mas­si­ves Unwet­ter zieht über Mit­tel­eu­ro­pa. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on bricht zusam­men, Infra­struk­tur ist mas­siv geschä­digt. Die Kran­ken­häu­ser gehen in den Not­be­trieb und ver­sor­gen nur noch schwer Ver­letz­te oder Erkrank­te. Der Kata­stro­phen­fall gilt in wei­ten Tei­len von Deutsch­land. Es gibt hun­der­te Ein­satz­stel­len im Land­kreis, die Ein­satz­kräf­te kom­men nicht mehr hin­ter­her und müs­sen Hil­fe­er­su­che prio­ri­sie­ren. Ein Sze­na­rio, was sich kei­ner aus­ma­len möch­te, müs­sen die Ein­satz­kräf­te aber auch mal geübt haben. Die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Streu­dorf und die BRK-Bereit­schaft Gun­zen­hau­sen setz­ten sich am ver­gan­ge­nen Sams­tag mit einer genau sol­chen Situa­ti­on aus­ein­an­der.

Am Mon­tag zuvor kam bei den Sani­tä­te­rin­nen und Sani­tä­tern der ört­li­chen Bereit­schaft die ers­te Nach­richt auf die Han­dys. Eine mit KI erstell­te Nach­rich­ten­sen­dung kün­dig­te ein gro­ßes Unwet­ter an und das BRK setz­te bereits einen Kri­sen­stab ein. Am Mitt­woch dann eine neue Sen­dung mit dra­ma­ti­schen Aus­wir­kun­gen vom Unwet­ter in Frank­reich. Die Rot­kreuz­hel­fer wer­den in den Vor­alarm gestellt. Am Frei­tag­abend gegen 18.00 Uhr wer­den sie dann alar­miert und beset­zen ihre Wache. Ihre Auf­ga­be: Ein­satz­be­reit­schaft her­stel­len und auf Anwei­sun­gen war­ten. Paul Pfei­fer, der ört­li­che Bereit­schafts­lei­ter, hat in einem sol­chen Fall die Auf­ga­be die Ein­satz­kräf­te zu koor­di­nie­ren und even­tu­ell auch einen Schicht­plan auf­zu­stel­len, falls der
Ein­satz län­ger dau­ert. „In die­sem Fall habe ich aber für einen gemüt­li­chen Abend gesorgt, denn die Kame­rad­schaft ist in einer sol­chen Ein­heit das Aller­wich­tigs­te!“, erklärt Pfei­fer.

Am nächs­ten Mor­gen ging es bereits um 8.00 Uhr dar­an, die Fahr­zeu­ge auf­zu­rüs­ten und die Mann­schaft zu ver­tei­len. Der Start­schuss kam dann kurz vor 9.00 Uhr, ein Fahr­zeug soll­te zum Feu­er­wehr­haus in Streu­dorf fah­ren und dort die Lage erkun­den. Der ört­li­che Kom­man­dant Chris­ti­an Brun­ner hat­te bereits sei­ne Feu­er­wehr im Ein­satz und über­gab dem ers­ten Ret­tungs­wa­gen drei Ver­letz­te, die sich bereits im Feu­er­wehr­haus ein­ge­fun­den hat­ten. Genau in dem Moment gab es eine Mel­dung über ein Zelt­la­ger, wel­ches das Unwet­ter zer­stört hat­te.

Die Zufahrt war durch umge­stürz­te Bäu­me ver­sperrt und die ört­li­che Feu­er­wehr muss­te erst mit der Ket­ten­sä­ge den Weg frei­räu­men. Am Ort des Gesche­hens gab es dann fünf Ver­letz­te zu ver­sor­gen, einer davon war schwer­ver­letzt. Gleich­zei­tig kam dann noch die Mel­dung über einen Lei­ter­sturz in Streu­dorf abzu­ar­bei­ten. Die Ein­satz­kräf­te muss­ten die Lage erkun­den und die Fahr­zeu­ge sinn­voll ver­tei­len, sodass alle Pati­en­ten adäquat ver­sorgt wer­den konn­ten. Die Hel­fer der Feu­er­wehr leis­te­ten dabei wert­vol­le Arbeit und leis­te­ten Ers­te Hil­fe, bis die Sani­tä­ter da waren. Aber wohin mit den Ver­letz­ten, wenn doch die Kli­ni­ken im Not­be­trieb lau­fen? Abhil­fe schaff­te eine schnell errich­te­te Sani­täts­sta­ti­on am Feu­er­wehr­haus in Streu­dorf. Unter der Füh­rung vom Grup­pen­füh­rer Moritz Mai berei­te­ten sich die „Sanis“ auf bis zu 15 Pati­en­ten vor.

Und so ging es dann Schlag auf Schlag, kaum waren Pati­en­ten trans­por­tiert, kam auch schon die nächs­te Mel­dung ein. Eine Per­son von einem umge­stürz­ten Baum ein­ge­klemmt, eine Jugend­grup­pe, die sich am Alt­mühl­see im Sturm ver­lau­fen hat­te, ein Brand­ein­satz, ein Ver­kehrs­un­fall, ein häus­li­cher Unfall mit einem Küchen­mes­ser. So muss­ten dann von der Feu­er­wehr und vom Roten Kreuz ins­ge­samt 8 ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en mit 27 Pati­en­ten ver­sorgt wer­den, 11 davon muss­ten in der Sani­täts­sta­ti­on sta­tio­när auf­ge­nom­men wer­den.

Ein­ge­setzt waren der Ret­tungs­wa­gen, der Kran­ken­wa­gen und der „Vier­tra­ger“ – ein Kata­stro­phen­schutz­fahr­zeug – der Bereit­schaft, das Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug der Feu­er­wehr und ein Mann­schafts­trans­port­wa­gen mit Anhän­ger für die Sani­täts­sta­ti­on. Die Sani­tä­ter waren mit 12 und die Feu­er­wehr mit 10 Ein­satz­kräf­ten zeit­gleich im Ein­satz. Übungs­en­de rie­fen die drei Übungs­or­ga­ni­sa­to­ren – Flo­ri­an Schus­ter, Chris­ti­an Brun­ner und Paul Pfei­fer – erst gegen 16 Uhr aus. Beim anschlie­ßen­den Abend­essen konn­te das Erleb­te in Ruhe nach­be­spro­chen wer­den. Alle ein­ge­setz­ten Kräf­te konn­ten Feh­ler ana­ly­sie­ren und viel posi­ti­ves aus der gro­ßen Tages­übung mit­neh­men.

Das Feed­back für die Füh­rungs­kräf­te war durch­weg posi­tiv, alle Kame­ra­din­nen und Kame­ra­den lob­ten den gesam­ten Sams­tag als lehr­reich und sehr inter­es­sant. Flo­ri­an Schus­ter, der stell­ver­tre­ten­de Bereit­schafts­lei­ter, stell­te fest: „Alle Ein­satz­kräf­te waren mit gro­ßer Begeis­te­rung dabei und arbei­te­ten die Sze­na­ri­en pro­fes­sio­nell ab. Genau so soll­te es sein!“. „Für ehren­amt­li­che Kame­ra­din­nen und Kame­ra­den sind sol­che Übun­gen genau das Rich­ti­ge.“, sag­te Chris­ti­an Brun­ner aus Sicht der Feu­er­wehr. „Wer pro­fes­sio­nell sei­nen Mit­men­schen hel­fen möch­te, muss rea­lis­tisch üben kön­nen, sonst kann man sich nicht stän­dig ver­bes­sern.“, so Bru­ner wei­ter. Paul Pfei­fer erklär­te in der Nach­be­spre­chung, dass die Idee der Übung aus einem rea­len Sze­na­rio aus der Flut­ka­ta­stro­phe des Ahrtals stammt. „Über einem Ort, wel­cher zu 90 Pro­zent zer­stört war, rich­te­te der ört­li­che DRK-Ver­ein eine Pati­en­ten­ab­la­ge ein und bekam über Stun­den kei­ne Hil­fe von außen, weil kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on mehr mög­lich war. Des­halb ist es wich­tig, dass die ört­li­chen Ein­satz­kräf­te mit
ihrem vor­han­de­nen Mate­ri­al üben und wis­sen was sie selbst kön­nen.“, so der erfah­re­ne Not­fall­sa­ni­tä­ter und lang­jäh­ri­ge Bereit­schafts­lei­ter von Gun­zen­hau­sen.

Der ört­li­che Kreis­brand­meis­ter Joa­chim Selt­mann und der Kreis­be­reit­schafts­lei­ter Chris­ti­an Uhl machen sich im lau­fe des Sams­ta­ges selbst ein Bild von der Lage und lie­ßen sich von den Orga­ni­sa­to­ren die Übung erklä­ren. Bei­de zeig­ten sich begeis­tert für die Idee einer sol­chen Übung, die ihrer Mei­nung nach sehr gut orga­ni­siert war.

Bild­un­ter­schrift: Die Feu­er­wehr Streu­dorf zusam­men mit der BRK-Bereit­schaft Gun­zen­hau­sen und allen betei­lig­ten Übungs­or­ga­ni­sa­to­ren und Mimen. Foto:  Flo­ri­an Schus­ter

Die drei Übungs­or­ga­ni­sa­to­ren (v. l. n. r.): Flo­ri­an Schus­ter,
Chris­ti­an Brun­ner und Paul Pfei­fer. Foto: Flo­ri­an Schus­ter

Ein Blick in die Fahr­zeug­hal­le der Feu­er­wehr Streu­dorf. Hier ist eine klei­ne Kran­ken­sta­ti­on ent­stan­den
und Pati­en­ten kön­nen tro­cken und abge­schirmt behan­delt wer­den. Foto: Flo­ri­an Schus­ter

Vie­le Pati­en­ten auf ein­mal – Da muss genau prio­ri­siert wer­den,
was man zuerst macht! Foto: Flo­ri­an Schus­ter

 

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Füh­rungs­kräf­ten ist für die gemein­sa­me
Zusam­men­ar­beit beson­ders wich­tig. Hier der erst­ein­tref­fen­de Ret­tungs­wa­gen
mit dem Grup­pen­füh­rer der Feu­er­wehr im Gespräch über das wei­te­re
Vor­ge­hen. Foto: Flo­ri­an Schus­ter

Vier ver­letz­te und nicht genü­gend Sani­tä­ter.
Genau so kann es jeder­zeit pas­sie­ren.
So auch am Übungs­tag meh­re­re mal.
Foto: Flo­ri­an Schus­ter