„Es droht uns eine Kanal-Katastrophe im Freistaat!“, so MdL Harry Scheuenstuhl (SPD) zum schlechten Zustand des bayerischen Kanalnetzes.
München/Wilhermsdorf (red). Eine durch das Landesamt für Umweltschutz (kurz: LfU) beauftragte Studie der TU München hat ergeben, dass für rund 20 Prozent der öffentlichen Abwasserkanäle (Gesamt länge: ~ 90.000km) in Bayern ein massiver Sanierungsbedarf vorliegt, wie eine aktuelle Anfrage des mittelfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl an die Bayerische Staatsregierung kürzlich offenbart hat. Die geschätzten Gesamtkosten für die insgesamt rund 18.000 Kilometer maroden Kanäle belaufen sich demnach auf circa 8,6 Milliarden Euro.
Dem mittelfränkischen Abgeordneten und gelernten Umweltschutzingenieur Scheuenstuhl reicht es jetzt: „Die Staatsregierung bewertet den Sanierungsbedarf seit beinahe 20 Jahren als bewältigbar und das Kanalnetz wird von Jahr zu Jahr schlechter. Der Freistaat verrottet von unten und die Regierungsparteien lassen unsere Kommunen allein mit dem Problem.“ Laut Scheuenstuhl seien mittlerweile rund 40 Prozent aller Misch- und Schmutzwasserkanäle älter als 40 Jahre. „Unter Berücksichtigung der Schäden mit langfristigem Handlungsbedarf erhöht sich der Investitionsbedarf sogar auf etwa 18 Milliarden Euro, wie die Studie deutlich macht. Sofern die Staatsregierung nicht eingreift, wird sich dieses Fiasko mit Sicherheit irgendwann ganz massiv in den Beiträgen und Gebühren der Bürger widerspiegeln. Allein um den Ist-Zustand der Kanalisation zu erhalten, müssten jährlich rund 900 Millionen Euro aufgewendet werden.“, erklärt der Finanzpolitiker aus Wilhermsdorf im Landkreis Fürth.
Laut Auskunft des Bayerischen Umweltministeriums werden pro Jahr lediglich 0,8 Prozent der öffentlichen Kanäle saniert (hierunter fallen Reparatur, Renovierung und Erneuerung) und das, obwohl es laut eigener Studie mindestens 1,5 Prozent zur reinen Bestandssicherung sein sollten. Für die Behebung bereits bestehender Mängel sollten es im Mittel sogar 3,5 Prozent für die nächsten sechs Jahre sein, dies entspricht einer Sanierungsquote von 4.570 Kilometern Kanalnetz pro Jahr, aktuell werden nur rund 800 Kilometer jährlich saniert. „Bei geschätzten Sanierungskosten von 560 Euro pro Laufendem Meter ist das kein Pappenstiel. Wobei die tatsächlichen Kosten aufgrund der Preissteigerungen der letzten Jahre heute noch höher liegen dürften. Die Staatsregierung tut weiter nichts und geht bei einem Anschlussgrad von fast 100 Prozent noch immer mit den 12 Milliarden Euro für die Ersterschließung hausieren, die in über einem halben Jahrhundert ausbezahlt wurden.“, kritisiert der Abgeordnete und plädiert für eine wesentlich bessere staatliche Unterstützung der Sanierung, auch mittels des jüngst geschaffenen Sondervermögens der Bundesregierung.
Foto: MdL Harry Scheuenstuhl (SPD)


