Ein fiktives Rendezvous mit Mascha Kaléko und ein bewegender Roman übers Erwachsenwerden

von | 31. Oktober 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Sarah Lorenz las auf Ein­la­dung der Buch­hand­lung Fischer und der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen

Ein Kind wird im Alter von elf Jah­ren von der über­for­der­ten Mut­ter in einer Betreu­ungs­ein­rich­tung abge­ge­ben. Dort, im „kal­ten Haus“, gibt es Ver­sor­gung und Beauf­sich­ti­gung, aber kei­ne Zuwen­dung. In Sarah Lorenz Debüt­ro­man „Mit dir, da möch­te ich im Him­mel Kaf­fee trin­ken“ zeich­net die Autorin das Auf­wach­sen und Erwach­sen­wer­den von Eli­sa nach, die auf die Heim­si­tua­ti­on, auf die Stren­ge und vor allem auf die Zurück­wei­sung durch die Mut­ter mit bren­nen­der Wut und dem fes­ten Wil­len zur Selbst­ver­nich­tung reagiert. Lan­ge Zeit lebt sie auf der Suche nach den Abgrün­den der Welt als Pun­ke­rin auf Plat­te am Köl­ner Dom. Doch dann begeg­net sie der Lite­ra­tur und lernt aus Büchern, ins­be­son­de­re von der Lyri­ke­rin Mascha Kalé­ko, wie man Pro­ble­me benennt und sich auf­ma­chen kann, um Lösun­gen zu fin­den.

„Ein auto­fik­tio­na­ler Roman“ — so die Ein­ord­nung von Buch­händ­le­rin Ulri­ke Fischer bei der Begrü­ßung der Autorin in den Räu­men der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen. Und so wird bereits zu Beginn der gemein­sa­men Ver­an­stal­tung von Büche­rei und Buch­hand­lung Fischer im Rah­men der Erzähl­wo­chen 2025 der Kul­tur­ma­che­rei Gun­zen­hau­sen klar: Sarah Lorenz hat die geschil­der­ten Ereig­nis­se zwar ver­frem­det und lite­ra­risch über­formt. Aber sie hat die­se schwe­re Zeit erlebt: die Obdach­lo­sig­keit als Jugend­li­che, den Dro­gen­kon­sum, Miss­ach­tung und Miss­brauch in der Punk-Sze­ne und am Ende doch die Lie­be.

Sarah Lorenz hat als @buchischnubbel mehr als 20 000 Fol­lower bei Insta­gram, sie war lan­ge Jah­re Kolum­nis­tin bei der TAZ. Der­zeit ist sie als freie Autorin auf Lese­rei­se, der zwei­te Roman wird fol­gen. Den­noch berich­tet sie bei ihrer Lesung in Gun­zen­hau­sen von ihrem Stu­di­en­ab­schluss in Sozia­ler Arbeit und dem fes­ten Vor­ha­ben, in die­sem Beruf auch ein­mal tätig sein zu wol­len. Man kann sich das gut vor­stel­len: Wie Sarah Lorenz Jugend­li­che unter­stützt, ihren Weg in der Welt zu fin­den.

Für die jun­ge Autorin war es die Lie­be, die ihre einen Aus­weg gebo­ten hat: Der gelieb­te Freund und heu­ti­ge Lebens­part­ner, aber auch die Begeg­nung mit Mascha Kalé­kos Lyrik. Jedem der 20 Kapi­tel des Romans ist ein Gedicht der 1907 gebo­re­nen Dich­te­rin vor­an­ge­stellt. Als Start für das letz­te Kapi­tel hat die Autorin ein poe­ti­sches „Rezept“ gewählt. Es beginnt mit den Zei­len: „Jage die Ängs­te fort und die Angst vor den Ängs­ten“. 

Am Ende der Ver­an­stal­tung dank­te die Lei­te­rin der Stadt- und Schul­bü­che­rei Caro­lin Föt­tin­ger Sarah Lorenz für die „bewe­gen­de Lesung“ und bezog sich damit auch auf die gelun­ge­ne Ver­bin­dung der lebens­klu­gen Lyrik Mascha Kalé­kos mit der Schil­de­rung des Erwach­sen­wer­dens unter schwie­ri­gem Vor­zei­chen.

Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Gut­h­mann