Sarah Lorenz las auf Einladung der Buchhandlung Fischer und der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen
Ein Kind wird im Alter von elf Jahren von der überforderten Mutter in einer Betreuungseinrichtung abgegeben. Dort, im „kalten Haus“, gibt es Versorgung und Beaufsichtigung, aber keine Zuwendung. In Sarah Lorenz Debütroman „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ zeichnet die Autorin das Aufwachsen und Erwachsenwerden von Elisa nach, die auf die Heimsituation, auf die Strenge und vor allem auf die Zurückweisung durch die Mutter mit brennender Wut und dem festen Willen zur Selbstvernichtung reagiert. Lange Zeit lebt sie auf der Suche nach den Abgründen der Welt als Punkerin auf Platte am Kölner Dom. Doch dann begegnet sie der Literatur und lernt aus Büchern, insbesondere von der Lyrikerin Mascha Kaléko, wie man Probleme benennt und sich aufmachen kann, um Lösungen zu finden.
„Ein autofiktionaler Roman“ — so die Einordnung von Buchhändlerin Ulrike Fischer bei der Begrüßung der Autorin in den Räumen der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen. Und so wird bereits zu Beginn der gemeinsamen Veranstaltung von Bücherei und Buchhandlung Fischer im Rahmen der Erzählwochen 2025 der Kulturmacherei Gunzenhausen klar: Sarah Lorenz hat die geschilderten Ereignisse zwar verfremdet und literarisch überformt. Aber sie hat diese schwere Zeit erlebt: die Obdachlosigkeit als Jugendliche, den Drogenkonsum, Missachtung und Missbrauch in der Punk-Szene und am Ende doch die Liebe.
Sarah Lorenz hat als @buchischnubbel mehr als 20 000 Follower bei Instagram, sie war lange Jahre Kolumnistin bei der TAZ. Derzeit ist sie als freie Autorin auf Lesereise, der zweite Roman wird folgen. Dennoch berichtet sie bei ihrer Lesung in Gunzenhausen von ihrem Studienabschluss in Sozialer Arbeit und dem festen Vorhaben, in diesem Beruf auch einmal tätig sein zu wollen. Man kann sich das gut vorstellen: Wie Sarah Lorenz Jugendliche unterstützt, ihren Weg in der Welt zu finden.
Für die junge Autorin war es die Liebe, die ihre einen Ausweg geboten hat: Der geliebte Freund und heutige Lebenspartner, aber auch die Begegnung mit Mascha Kalékos Lyrik. Jedem der 20 Kapitel des Romans ist ein Gedicht der 1907 geborenen Dichterin vorangestellt. Als Start für das letzte Kapitel hat die Autorin ein poetisches „Rezept“ gewählt. Es beginnt mit den Zeilen: „Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten“.
Am Ende der Veranstaltung dankte die Leiterin der Stadt- und Schulbücherei Carolin Föttinger Sarah Lorenz für die „bewegende Lesung“ und bezog sich damit auch auf die gelungene Verbindung der lebensklugen Lyrik Mascha Kalékos mit der Schilderung des Erwachsenwerdens unter schwierigem Vorzeichen.
Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Guthmann


