Ein gelungener Abend im Lutherhaus

von | 4. November 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

…bescher­te die inklu­si­ve Thea­ter­grup­pe „Schau mer X“ dem Publi­kum.

Gun­zen­hau­sen — Im klei­nen Dörf­chen Hol­ler­busch geht es hoch her. Hier kennt man sich. Jeder weiß was von sei­nen Mit­bür­gern zu hal­ten und zu erwar­ten ist. Doch plötz­lich wird alles anders. Die Brat­wurst­bu­de wird auf­ge­baut und der Kuchen gebracht. Da ertönt eine Fan­fa­re. Der rote Tep­pich wird aus­ge­brei­tet und Lae­ti­tia, ele­gant geklei­de­te, schrei­tet über den Tep­pich. Für alle Dorf­be­woh­ner ist die­se Erschei­nung uner­war­tet. Erwar­tet hat­ten sie Herrn Pfle­ger vom Kul­tur­er­be­pfle­ge­ver­ein. Dem Dorf soll­te eine Aus­zeich­nung ver­lie­hen wer­den. Ver­zwei­felt ver­sucht der Bür­ger­meis­ter Hora­ti­us und sei­ne Sekre­tä­rin ihn zu errei­chen, denn kommt er nicht recht­zei­tig, gehen die erhoff­ten Gel­der an den „Kopf­stein­pflas­ter­fu­gen­pfle­ge­ver­ein“. Doch sie haben kei­nen Erfolg.

Die Schön­heits­chir­ur­gin Lae­ti­tia will im Dorf eine Pra­xis eröff­nen. Doch wes­halb kommt sie über­haupt. Ist in Mün­chen die Mie­te zu teu­er oder hat sie sie gar nicht bezahlt? Wil­de Spe­ku­la­ti­on berei­chern ab jetzt das Dorf­le­ben. Sie schreibt Nach­rich­ten, die die Zuschau­er mit­le­sen kön­nen. An wen? Das bleibt vor­erst ein Geheim­nis.

Mit etwas Hil­fe und dem guten Wil­len gelangt sie in ihre neu­en Pra­xis­räu­me im ers­ten Stock mit dem Fahr­stuhl. Pau­se und Büh­nen­um­bau.

Der neue Tag beginnt soll mit einer Chor­pro­be begin­nen. Doch was ist denn da schon wie­der los? Die Dörf­ler wol­len erst ein­mal, nach der Ent­täu­schung vom Vor­tag Eier­ku­chen haben. Jedoch Pro­fes­sor Jan­son besteht auf die Chor­pro­be. „Mein klei­ner grü­ner Kak­tus“ wird meis­ter­haft ange­sun­gen. Plötz­lich taucht die Tier­ärz­tin auf und wir­belt über die Büh­ne. Sie wiegt sich in einem rosa­ro­ten Abend­kleid im Rhyth­mus der Melo­die um den Chor. Das Publi­kum macht begeis­tert macht und klatscht hef­tig Bei­fall.

Nach einem gekonn­ten Schnitt in der Beleuch­tung rollt ein Plansch­be­cken über die Büh­ne. Nepo­muk aus Mün­chen will die Ruhe auf dem Land genie­ßen. Als Spül­kraft hat­te er sehr viel Stress und sucht nun eine Blei­be. Der Bür­ger­meis­ter lässt sich erwei­chen und bie­tet einen Platz in sei­nem Gar­ten an. Dort rich­tet Nepo­muk sich häus­lich in sei­nem Schwimm­be­cken ein und beschimpft von nun an die neu­gie­rig gewor­den Dorf­be­woh­ner.

Im Dorf ist nicht mehr wie es vor­her war. Alles ist anders gewor­den, seit die bei­den da sind. Das Plansch­be­cken­haus mit Nepo­muk soll wie­der ver­schwin­den. Nie­mand mag ihn.

Immer noch war­tet man auf Herrn Pfle­ger am Bahn­hof. Eine Frau steht plötz­lich da und ent­puppt sich als „Herr“ Pfle­ger. Der rote Tep­pich wird geschwind wie­der aus­ge­rollt, ein gro­ßes Fest wird aus­ge­rich­tet und es stellt sich her­aus, dass Nepo­muk mit sei­nem Schwimm­be­cken nur wegen Lae­ti­tia gekom­men ist. Bei­de ent­schul­di­gen sich und alles wird gut.

Hal­lo, die Geschich­te ist noch nicht zu Ende!

Hei­ke Pfän­der Thea­ter­päd­ago­gin und Hei­de­ma­rie Metz­ger Heil­päd­ago­gin betont in ihrem Dan­kes­wort gerich­tet an Tho­mas Thill, dass die Ent­wick­lung in der Impro­vi­sa­ti­on geschieht, d. h. die The­men wer­den erfragt – „Was wollt ihr spie­len?“, „Was ist Eure Idee für das nächs­te Stück?“. Coro­na gab damals den Anstoß. Vie­le unse­rer Dar­stel­ler waren ver­schreckt wegen des Virus und such­ten nach den Ein­schrän­kun­gen, Sicher­heit im All­tag. So kamen sie auf das The­ma Angst und schrie­ben das Stück und ent­wi­ckelt die Cha­rak­te­ren.

Dekan Asch­off, der die Schirm­herr­schaft über­nom­men hat­te, war begeis­tert und dank­te den Schau­spie­lern für ihr tol­les auf­tre­ten und lob­te Charme, Witz und Tie­fe des Stücks. „Es war ernst­haft und kann mit­un­ter zum Nach­den­ken anre­gen“, so Dekan Asch­off.

Ulri­ke Hörst von der katho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de dank­te der Stif­tung der Lebens­hil­fe Gun­zen­hau­sen für die in Aus­sicht gestell­te Spen­de und Tho­mas Thill bat um eine Spen­de für die kirch­li­che Alten­ar­beit in bei­den Gemein­den.

Dank der Unter­stüt­zung durch die ört­li­che VR Bank im süd­li­chen Fran­ken und der Spen­den­samm­lung am Bene­fiz­thea­ter­abend gehen jeweils sechs­hun­dert Euro an die bei­den Kir­chen­ge­mein­den.

Es war ein gelun­ge­ner Abend.

Foto: Stif­tung der Lebens­hil­fe Gun­zen­hau­sen