Experimentalarchäologische Versuche mit römischerArtillerie

von | 26. September 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Expe­ri­men­tal­ar­chäo­lo­gi­sche Ver­su­che mit römi­scher­Ar­til­le­rie am Sonn­tag, 29. Sep­tem­ber im Kas­tell in Wei­ßen­burg

Wei­ßen­burg — „Wenn Du es baust, wer­den sie kom­men!“, dach­te sich der Alt­his­to­ri­ker Prof. Dr. Boris Drey­er von der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg und bau­te 2018 mit Stu­die­ren­den und Frei­wil­li­gen ein römi­sches Fluss­schiff, ähn­lich wie es bei Ober­stimm gefun­den wur­de, nach. Es folg­te 2021 ein wei­te­res Schiff, dies­mal aus der Spät­an­ti­ke nach Vor­bil­dern aus Mainz. Und tat­säch­lich kamen sie, die Inter­es­sier­ten an römi­scher Geschich­te, Hand­werks­tech­nik und Boots­bau. Seit eini­ger Zeit haben die bei­den Boo­te ihre Hei­mat am Alt­mühl­see gefun­den, wo regel­mä­ßig Aus­fahr­ten statt­fin­den und man den Boots­bau­en­den über die Schul­ter schau­en kann.

Prof. Drey­er ging jedoch noch einen Schritt wei­ter und ver­such­te sich an dem nächs­ten Pro­jekt, um die Anti­ke zu ver­an­schau­li­chen. Von anti­ken Reli­efs sowie durch weni­ge Fun­de sind römi­sche Artil­le­rie­ge­schüt­ze, soge­nann­te Scor­pio­nes bekannt. Die­se waren gele­gent­lich auch auf Schif­fen instal­liert, um bei der Patrouil­le etwa­ige Grenz­über­trit­te in die Schran­ken zu wei­sen. Was lag also näher, als zwei sol­cher anti­ken High-Tech-Waf­fen nach­zu­bau­en? Die­se waren nun schon mehr­fach im Ein­satz und haben sich durch zahl­rei­che Pro­be­schüs­se bewährt. Den­noch gilt es immer wie­der, an Tech­nik und Mate­ri­al zu fei­len und wei­ter Rou­ti­ne im Bedie­nen der Geschüt­ze zu erlan­gen.

Da es am Alt­mühl­see doch recht beengt zugeht lag es nahe, dass Prof. Dr. Drey­er den Wei­ßen­bur­ger Muse­ums­lei­ter Simon Sulk – man kennt sich aus gemein­sa­men Zei­ten an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt – anfrag­te, ob denn das Kas­tell­ge­län­de Biri­cia­na für Tests zur Ver­fü­gung stün­de. Viel freie Flä­che, dazu gut abzu­sper­ren und zu kon­trol­lie­ren und das Gan­ze noch in einem pas­sen­den Set­ting – ein spon­ta­ner Ver­suchs­nach­mit­tag wur­de ver­ein­bart.

So kommt es, dass am Sonn­tag, den 28. Sep­tem­ber zwi­schen 14.00 und 17.00 Uhr römi­sche Sol­da­ten vor dem Nord­tor ihre Geschüt­ze auf­bau­en und ihre expe­ri­men­tal­ar­chäo­lo­gi­schen For­schun­gen und Mes­sun­gen durch­füh­ren. „Gib mir zwei Pro­be­schüs­se, und ich tref­fe die Andre­as­kir­che vom Kas­tell aus!“, so Alt­his­to­ri­ker Wolf­gang Wilsch, einer der Exper­ten für die anti­ke Artil­le­rie. Da für die Tests ein Schuss­feld von etwa 50m aus­rei­chend ist, muss man sich kei­ne Sor­gen um Wei­ßen­burgs ehr­wür­di­ge Kir­che machen. Die Aus­sa­ge ver­deut­licht aber, wel­che Gewalt hin­ter der römi­schen Waf­fe steckt. Der Schuss­be­reich vor dem Nord­tor wird daher selbst­ver­ständ­lich aus­rei­chend abge­sperrt sein, Platz für Zuschau­er wird es den­noch geben. Jeweils um 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr star­ten die Ver­su­che, die jeweils etwa 20 Minu­ten dau­ern wer­den. Unter­stützt wer­den die Wis­sen­schaft­ler von einer klei­nen Ein­heit des Nume­rus Britto­num, einer Hilfs­trup­pen­ein­heit vom Limes bei Welz­heim in
Baden-Würt­tem­berg. Sie sper­ren das Gelän­de zusätz­lich ab und erläu­tern in den Pau­sen Aus­rüs­tung und Leben der Sol­da­ten am Limes.

Da es sich um einen archäo­lo­gi­schen Ver­such der Uni­ver­si­tät Erlan­gen Nürn­berg han­delt und expli­zit nicht um eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung sind Zuschau­en­de zwar ger­ne gese­hen und herz­lich will­kom­men, Ver­pfle­gung und Toi­let­ten ste­hen jedoch nicht zur Ver­fü­gung. Die nahe­ge­le­ge­nen römi­schen Ther­men haben aller­dings geöff­net und bie­ten neben Infor­ma­tio­nen zum römi­schen Bade­we­sen auch Toi­let­ten sowie eine Kaf­fee­the­ke.

Foto: FAU, Erlan­gen-Nürn­berg