Experimentalarchäologische Versuche mit römischerArtillerie am Sonntag, 29. September im Kastell in Weißenburg
Weißenburg — „Wenn Du es baust, werden sie kommen!“, dachte sich der Althistoriker Prof. Dr. Boris Dreyer von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und baute 2018 mit Studierenden und Freiwilligen ein römisches Flussschiff, ähnlich wie es bei Oberstimm gefunden wurde, nach. Es folgte 2021 ein weiteres Schiff, diesmal aus der Spätantike nach Vorbildern aus Mainz. Und tatsächlich kamen sie, die Interessierten an römischer Geschichte, Handwerkstechnik und Bootsbau. Seit einiger Zeit haben die beiden Boote ihre Heimat am Altmühlsee gefunden, wo regelmäßig Ausfahrten stattfinden und man den Bootsbauenden über die Schulter schauen kann.
Prof. Dreyer ging jedoch noch einen Schritt weiter und versuchte sich an dem nächsten Projekt, um die Antike zu veranschaulichen. Von antiken Reliefs sowie durch wenige Funde sind römische Artilleriegeschütze, sogenannte Scorpiones bekannt. Diese waren gelegentlich auch auf Schiffen installiert, um bei der Patrouille etwaige Grenzübertritte in die Schranken zu weisen. Was lag also näher, als zwei solcher antiken High-Tech-Waffen nachzubauen? Diese waren nun schon mehrfach im Einsatz und haben sich durch zahlreiche Probeschüsse bewährt. Dennoch gilt es immer wieder, an Technik und Material zu feilen und weiter Routine im Bedienen der Geschütze zu erlangen.
Da es am Altmühlsee doch recht beengt zugeht lag es nahe, dass Prof. Dr. Dreyer den Weißenburger Museumsleiter Simon Sulk – man kennt sich aus gemeinsamen Zeiten an der Goethe-Universität Frankfurt – anfragte, ob denn das Kastellgelände Biriciana für Tests zur Verfügung stünde. Viel freie Fläche, dazu gut abzusperren und zu kontrollieren und das Ganze noch in einem passenden Setting – ein spontaner Versuchsnachmittag wurde vereinbart.
So kommt es, dass am Sonntag, den 28. September zwischen 14.00 und 17.00 Uhr römische Soldaten vor dem Nordtor ihre Geschütze aufbauen und ihre experimentalarchäologischen Forschungen und Messungen durchführen. „Gib mir zwei Probeschüsse, und ich treffe die Andreaskirche vom Kastell aus!“, so Althistoriker Wolfgang Wilsch, einer der Experten für die antike Artillerie. Da für die Tests ein Schussfeld von etwa 50m ausreichend ist, muss man sich keine Sorgen um Weißenburgs ehrwürdige Kirche machen. Die Aussage verdeutlicht aber, welche Gewalt hinter der römischen Waffe steckt. Der Schussbereich vor dem Nordtor wird daher selbstverständlich ausreichend abgesperrt sein, Platz für Zuschauer wird es dennoch geben. Jeweils um 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr starten die Versuche, die jeweils etwa 20 Minuten dauern werden. Unterstützt werden die Wissenschaftler von einer kleinen Einheit des Numerus Brittonum, einer Hilfstruppeneinheit vom Limes bei Welzheim in
Baden-Württemberg. Sie sperren das Gelände zusätzlich ab und erläutern in den Pausen Ausrüstung und Leben der Soldaten am Limes.
Da es sich um einen archäologischen Versuch der Universität Erlangen Nürnberg handelt und explizit nicht um eine öffentliche Veranstaltung sind Zuschauende zwar gerne gesehen und herzlich willkommen, Verpflegung und Toiletten stehen jedoch nicht zur Verfügung. Die nahegelegenen römischen Thermen haben allerdings geöffnet und bieten neben Informationen zum römischen Badewesen auch Toiletten sowie eine Kaffeetheke.
Foto: FAU, Erlangen-Nürnberg


