Familienromane, Historisches und ein Thriller, der sprachlos macht

von | 9. April 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gut gelaun­tes Test­le­se-Team stellt im Früh­jahrs-Lite­ra­tur­ca­fé in der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen Neu­hei­ten vom Buch­markt vor

Gun­zen­hau­sen — So manch brand­ak­tu­el­len Lese­tipp gab es vom 15-köp­fi­gen Team des Lite­ra­tur­ca­fés in der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen als klei­ner Nach­klapp zur Buch­mes­se in Leip­zig.

Mar­gret Thill hat­te den Roman „Hal­be Leben“ von Susan­ne Gre­gor aus­ge­wählt. Das schma­le Buch schil­dert die Situa­ti­on der slo­wa­ki­schen Alten­pfle­ge­rin Pau­li­na und wid­met sich der Fra­ge, wie das Zusam­men­le­ben im Kon­text von hei­mi­scher Pfle­ge so gestal­tet wer­den kann, dass man sich mit Respekt begeg­net.

Auch in der von Hart­mut Röhl vor­ge­stell­ten Neu­erschei­nung „Das schöns­te aller Leben“ von Bet­ty Bor­as steht eine Frau im Mit­tel­punkt, die ihrer Fami­lie die Hei­mat im Banat ver­las­sen hat und nach Deutsch­land gekom­men ist. Vio kommt jah­re­lang mit den Vor­ga­ben der Fami­lie gut zurecht: „Ankom­men, sich anpas­sen und bloß alles rich­tig mach­ten!“ Doch der Unfall ihrer Toch­ter ver­än­dert ihren Blick auf das ange­streb­te „schö­ne Leben“.

In ein ent­le­ge­nes Dorf im Schwarz­wald führt Han­nah Häff­ners Gene­ra­tio­nen­ro­man „Die Rie­sin­nen“. Mel­e­na Ren­ner begeis­ter­te sich für die Lebens­ge­schich­ten von drei Außen­sei­te­rin­nen, die nicht so recht ins Dorf pas­sen, sich auch kei­nes­wegs anpas­sen wol­len und doch blei­ben.

Als „gro­ßer Erich-Käst­ner-Roman“ wird Til­man Röh­rigs gut recher­chier­te Roman­bio­gra­fie „Ohne Tabu explo­diert die Welt“ bewor­ben. Moni­ka Wop­pe­rer weck­te mit ihrer Sicht auf den Roman Inter­es­se an den eng befreun­de­ten „drei Erichs“, die man durch die Jah­re 1927 bis 1945 beglei­tet: Erich Käst­ner und sei­ne Freun­de den Zeich­ner Erich Ohser, ali­as E.O. Plau­en und den Schrift­stel­ler Erich Knauf. Alle drei stan­den auf Goeb­bels schwar­zer Lis­te.

Men­schen in Schwel­len­si­tua­tio­nen ler­nen die Lese­rin­nen und Leser in Pas­cal Mer­ciers Erzäh­lungs­band „Der Fluss der Zeit“ ken­nen. Han­nah Kre­ke­l­er emp­fahl die­se Tex­te aus dem Nach­lass des Schwei­zer Phi­lo­so­phen Peter Bie­ri, der sei­ne fik­tio­na­len Tex­te unter dem Pseud­onym Mer­cier ver­öf­fent­lich­te. Fünf Geschich­ten behan­deln gro­ße Fra­ge um Wür­de, Abschie­de, Erin­ne­rung, Freund­schaft und Selbst­be­stim­mung.

Viel zu lachen, aber kei­ne Lese­emp­feh­lung gab es bei Mari­on Hin­de­rers Kri­tik an Stan Nadol­nys Alters­werk „Herbst­ge­schich­te“. Für­sorg­lich küm­mern sich zwei älte­re Her­ren um eine schö­ne, jun­ge, hilfs­be­dürf­ti­ge Frau. In vie­len Feuil­le­tons wer­den die kom­ple­xen Bezie­hun­gen zwi­schen den Prot­ago­nis­ten sehr ernst genom­men, Mari­on Hin­de­rer hat da eine etwas ande­re Sicht­wei­se: Alt­män­ner-Phan­ta­sie!

Ulri­ke Fischer hält Sven­ja Lei­bers Roman „Nel­ka“ auch wegen sei­ner mäan­dern­den Erzähl­wei­se für einen beson­de­ren Titel, der es auf die Nomi­nie­rungs­lis­te zum nächs­ten Deut­schen Buch­preis schaf­fen kann. Erzählt wird die Geschich­te von Nel­ka, die im damals ukrai­ni­schen Lemberg/Liwiw von der Stra­ße weg ent­führt und als Zwangs­ar­bei­te­rin nach Deutsch­land depor­tiert. Was sie auf einem nord­deut­schen Apfel­gut erdul­den muss, lässt sie ihr Leben lang nicht wirk­lich los und im Alter von 80 Jah­ren reist sie zurück, um den Guts­be­sit­zer noch ein­mal zu tref­fen. 

Tina Ellin­ger bekennt sich auch bei dem dies­jäh­ri­gen Lite­ra­tur­ca­fé zu ihrer Lie­be zum Meer. Ihre Emp­feh­lung gilt Julia Kel­lys ein­dring­li­chem Debüt­ro­man „Das Geschenk des Mee­res“. Ein Jun­ge wird an den Strand einer klei­nen schot­ti­schen Insel geschwemmt. Die Leh­re­rin Doro­thy nimmt sich des Kin­des an, der ihrem vor Jah­ren ver­schwun­de­nen Sohn so ähn­lichsieht. Alte Wun­den rei­ßen auf…

Vie­le ken­nen Cor­ne­lia Fun­ke als Autorin von „Die wil­den Hüh­ner“ „Tin­ten­herz“ oder „Herr der Die­be“. Nun hat sie mit „Das Pferd des Gra­fen“ Mär­chen auf­ge­schrie­ben. Han­na Abel­ein ent­führ­te das Publi­kum in eine Mär­chen­welt: Der ver­wöhn­te und eit­le Schim­mel Namens Kra­nich wächst so behü­tet auf, dass er kurz dem Irr­glau­ben ver­fällt, alles dre­he sich nur um ihn und sei­ne benei­dens­wer­te Mäh­ne, sein glän­zen­des Fell und sei­nen lan­gen Schweif. Doch dann flat­tert ein Feen­we­sen in Kra­nichs Stall und bie­tet ihm ein Geschenk an, das er sich aber ver­die­nen muss… Die Illus­tra­tio­nen kom­men aus der Werk­statt der Pup­pen­baue­rin Sara-Kris­tin Rich­ter, die zuerst die Figu­ren und die Sze­ne­rie anfer­tigt und anschlie­ßend foto­gra­fiert.

„Herz­fluch“, einen Thril­ler von Andre­as Gru­ber, hat­te Chris­ti­ne Höl­ler auf ihrer Aus­wahl­lis­te und sie mach­te deut­lich: das ist was für Leu­te mit star­ken Ner­ven! Das Ehe­paar Ele­na und Peter Ger­ink, Pri­vat­de­tek­ti­vin und BKA-Ent­füh­rungs­spe­zia­list, ermit­teln auf einer grie­chi­schen Insel. Sie suchen nach einer jun­gen Urlau­be­rin, die zuletzt auf einer Par­ty in Athen gese­hen wur­de. Vom Fort­gang der Hand­lung ver­rät Chris­ti­ne Höl­ler nur so viel: „Die Insel birgt ein Geheim­nis, das einen sprach­los macht!“

Jan­nis Brühl, gebo­ren in Nürn­berg, ist einer der füh­ren­den Digi­tal-Jour­na­lis­ten in Deutsch­land. In sei­nem neu­es­ten Buch „Dis­rup­ti­on“ nimmt er die Ideo­lo­gie der Tech-Olig­ar­chen unter die Lupe.  Hubert Bau­er hat­te das Buch für das Lite­ra­tur­ca­fé aus­ge­wählt und hält die Bot­schaft des Buches für top­ak­tu­ell: Mit ihrer Markt­macht, ihrem Reich­tum und ihrer Nähe zu Trump haben Peter Thiel, Mark Zucker­berg, Alex Karp und Marc And­re­es­sen sich zu einer geo­po­li­ti­schen Macht auf­ge­schwun­gen. Hubert Bau­er hat die Ein­schät­zung des Autors zusam­men­ge­fasst: Euro­pa muss sich unab­hän­gi­ger von den Tech-Kon­zer­nen machen.

Einen Fly­er zu den 20 Buch­tipps – auch die des Büche­rei­teams mit Caro­lin Föt­tin­ger, Nik Bau­mann, Ulri­ke Zatsch­ker und Babett Gut­h­mann – gibt es in der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen. 

Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Gut­h­mann