Flächeneffiziente Gewerbeentwicklung: Online-Informationsveranstaltung der Regierung mit mittelfränkischen Kommunen

von | 17. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Der Anteil von Gewer­be- und Indus­trie­flä­chen an der jähr­li­chen Zunah­me der Sied­lungs- und Ver­kehrs­flä­che in Bay­ern beträgt aktu­ell etwa 28 Pro­zent. Die Flä­chen­spar­ma­na­ge­rin­nen der Regie­rung von Mit­tel­fran­ken haben aus die­sem Grund die Fra­ge – „Wie kann es uns gelin­gen, die gewerb­li­che Ent­wick­lung flä­chen­ef­fi­zi­ent zu gestal­ten?“ – im Rah­men einer Online-Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung auf­ge­grif­fen. Etwa 60 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer, dar­un­ter Bür­ger­meis­te­rin­nen und Bür­ger­meis­ter, Mit­ar­bei­ten­de aus kom­mu­na­len Bau­ver­wal­tun­gen und Wirt­schafts­för­de­run­gen, Regio­nal- und Alli­anz­ma­nage­ments sowie Akteu­re der IHK Mit­tel­fran­ken waren der Ein­la­dung der Regie­rung von Mit­tel­fran­ken gefolgt.

Gewer­be­an­la­gen sind häu­fig geprägt von ein­ge­schos­si­gen Hal­len- und Flach­bau­ten. Die Ver­gan­gen­heit zeigt hin­ge­gen, dass bis in die 1950er Jah­re für vie­le Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men die kom­pak­te Bau­wei­se mit Geschoss­bau­ten üblich war. Flä­chen­ef­fi­zi­en­te Gewer­be­ent­wick­lung heißt, die immer knap­per wer­den­den Flä­chen inten­si­ver zu nut­zen, in dem wie­der mehr in die Höhe oder Tie­fe gebaut wird, und Flä­chen mul­ti­funk­tio­nal zu gestal­ten, bei­spiels­wei­se durch die Kom­bi­na­ti­on von Ein­zel­han­del und Woh­nen oder die Nut­zung von bebau­ten Flä­chen für die Ener­gie­er­zeu­gung.

Für Tho­mas Mül­ler, Lei­ter des Sach­ge­biets Raum­ord­nung, Lan­des- und Regio­nal­pla­nung an der Regie­rung von Mit­tel­fran­ken, ist es ein beson­de­res Anlie­gen, die Städ­te und Gemein­den bei der Umset­zung einer flä­chen­scho­nen­den Gemein­de­ent­wick­lung zu unter­stüt­zen und in den Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen bei­spiel­haf­te Pro­jek­te aus der Pra­xis vor­zu­stel­len und zu dis­ku­tie­ren. Um die­ser Auf­ga­be gerecht zu wer­den, ste­hen den mit­tel­frän­ki­schen Städ­ten und Gemein­den mit Fran­zis­ka Wurzin­ger und Ste­fa­nie Boj­ko zwei Flä­chen­spar­ma­na­ge­rin­nen bera­tend zur Sei­te.

Dr. Tho­mas Bir­ner, Geschäfts­füh­rer des Bera­tungs­bü­ros Len­nardtund­Bir­ner GmbH, beton­te in sei­nem Vor­trag, dass nach­hal­ti­ge Gewer­be­ent­wick­lung mehr als die Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien und Begrü­nung ist. Er ermu­tig­te die Städ­te und Gemein­den bei der Ansied­lung von Betrie­ben kla­re Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en zu ent­wi­ckeln, die beson­ders die Stär­kung der Wert­schöp­fungs­ket­ten vor Ort in den Blick neh­men. Auch mit Fokus auf „Erneu­er­ba­re Ener­gien in Gewer­be­ge­bie­ten“ ist die Nut­zung der enor­men Flä­chen­po­ten­tia­le auf gewerb­li­chen Dächern und an Fas­sa­den sowie auf Logis­tik- und Park­flä­chen aus­schlag­ge­bend. Ent­schei­dend sei der Abgleich von Ange­bot und Nach­fra­ge in Bezug auf die Men­ge und Ener­gie­ar­ten der Unter­neh­men vor Ort. Ziel ist es, inner­halb der Gewer­be­ge­bie­te durch Sek­to­ren­kopp­lung und ver­schie­de­ne Ener­gie­trä­ger eine unab­hän­gi­ge und lokal pro­du­zier­te Ener­gie­ver­sor­gung sicher­zu­stel­len und damit den Druck auf Frei­flä­chen zu neh­men.

Fre­de­ric Ruth, Ers­ter Bür­ger­meis­ter der Gemein­de Utten­reuth, stell­te das Pro­jekt „Woh­nen auf dem Super­markt“ vor. Das Kon­zept sieht auf einer inner­ört­li­chen Brach­flä­che einen Voll­sor­ti­men­ter vor, der mit Woh­nun­gen und Gewer­be­flä­chen über­baut ist und sich in das Orts­bild ent­spre­chend ein­fügt. Die Park­flä­chen für das Gewer­be und die Woh­nun­gen sol­len als Tief­ga­ra­ge umge­setzt wer­den. Dass in Utten­reuth kein Super­markt auf der „grü­nen Wie­se“ ent­steht, stärkt den Innen­ort mit einem viel­fäl­ti­gen und hoch­wer­ti­gen Ein­zel­han­dels­an­ge­bot wel­ches auf kur­zem Wege erreich­bar ist. Die Kom­bi­na­ti­on von Woh­nen, Gewer­be und Han­del auf ver­schie­de­nen Ebe­nen inner­halb des Gebäu­de­kom­ple­xes trägt dazu bei, die Flä­che so effi­zi­ent wie mög­lich zu nut­zen.

Her­bert Bla­scheck, Bür­ger­meis­ter des nie­der­baye­ri­schen Mark­tes Lang­quaid zeig­te mit Vor­stel­lung sei­nes Pro­jek­tes, dem ers­ten baye­ri­schen Öko-Plus-Gewer­be­ge­biet, auf, was über die Ebe­ne der Bau­leit­pla­nung mög­lich ist. Auf den rund 3 Hekt­ar will der Markt Lang­quaid mit der Kon­zep­ti­on des Gewer­be­ge­bie­tes mit neu defi­nier­ten Qua­li­täts­maß­stä­ben neue Wege gehen und Öko­no­mie und Öko­lo­gie in Ein­klang brin­gen. Im Bebau­ungs­plan wur­den vie­le viel­sei­ti­ge Maß­nah­men zur Bau­öko­lo­gie und Nach­hal­tig­keit fest­ge­setzt. Dass die Vor­ga­ben für Unter­neh­men kein Ansie­de­lungs­hemm­nis sind, zeigt sich dar­an, dass die Grund­stü­cke schnell an Unter­neh­men diver­ser Bran­chen ver­ge­ben wur­den und auch die öko­lo­gi­schen Auf­la­gen viel Aner­ken­nung von den Betei­lig­ten erhal­ten.

Bild­un­ter­schrift: Dar­stel­lung aus Utten­reuth: „Woh­nen auf dem Super­markt?“ (Quel­le: Grä­ßel-Archi­tek­ten).