Frühjahrstagung der Landessynode mit Bischofswahl und anderen wichtigen Entscheidungen beendet

von | 5. April 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Im Mit­tel­punkt die­ser Syn­odal­ta­gung der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Bay­ern (ELKB) stand die Wahl eines neu­en Lan­des­bi­schofs bzw. einer neu­en Lan­des­bi­schö­fin. Nach­dem zunächst kei­ner der vier Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten die benö­tig­te Stim­men­zahl auf sich hat­te ver­ei­ni­gen kön­nen, wur­de der Münch­ner Regio­nal­bi­schof Chris­ti­an Kopp am Don­ners­tag im zwei­ten Anlauf zum neu­en Lan­des­bi­schof gewählt. Er tritt zum 1. Novem­ber die Nach­fol­ge von Lan­des­bi­schof Hein­rich Bedford-Strohm an, der noch bis zum 31. Okto­ber im Amt ist.

Der Aus­tausch und die Zusam­men­ar­beit mit den Part­ner­kir­chen welt­weit haben einen hohen Stel­len­wert im Selbst­ver­ständ­nis der ELKB. So wur­den in Anwe­sen­heit zahl­rei­cher inter­na­tio­na­ler Gäs­te bei die­ser Tagung zwei Part­ner­schafts­ver­trä­ge ver­län­gert: mit der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Tan­sa­nia, zu der seit mehr als 60 Jah­ren part­ner­schaft­li­che Bezie­hun­gen bestehen, und der Gemein­schaft Luthe­ri­scher Kir­chen in Zen­tral­ame­ri­ka. Dar­über hin­aus wur­de im Blick auf die Drei­er­part­ner­schaft der ELKB mit der Gemein­schaft Luthe­ri­scher Kir­chen in Zen­tral­ame­ri­ka und der Evan­ge­li­schen Kir­che Luthe­ri­schen Bekennt­nis­ses in Bra­si­li­en eine ver­tief­te Zusam­men­ar­beit beschlos­sen.

Zu dem gesell­schaft­lich wich­ti­gen The­ma Assis­tier­ter Sui­zid hat die Lan­des­syn­ode ein Posi­ti­ons­pa­pier ver­ab­schie­det. Dar­in unter­streicht sie, dass die bei­den Wer­te des Lebens­schut­zes und der Selbst­be­stim­mung sowohl in ihrer je eige­nen Digni­tät zu begrei­fen als auch ange­mes­sen auf­ein­an­der zu bezie­hen sind. Dar­über hin­aus ent­hält das Papier auch For­de­run­gen an die Poli­tik, unter ande­rem, dass die Hos­piz­ar­beit und Pal­lia­tiv­me­di­zin gestärkt wer­den müs­sen oder dass flä­chen­de­ckend für alle Schwerst­kran­ken in aus­rei­chen­dem Umfang gute ambu­lan­te und sta­tio­nä­re Ange­bo­te eines wür­de­vol­len und mög­lichst schmerz­frei­en letz­ten Weges vor­ge­hal­ten wer­den. Erar­bei­tet wur­de das Posi­ti­ons­pa­pier vom syn­oda­len Unter­aus­schuss „Ethik in Medi­zin und Bio­tech­nik“.

Ober­kir­chen­rat Ste­fan Blum­tritt infor­mier­te die Syn­ode über die jüngs­ten Schrit­te auf dem Weg zu einem Kli­ma­schutz­ge­setz, das im Jahr 2024 beschlos­sen wer­den soll. Bereits jetzt sei­en die Finanz­an­la­gen der Lan­des­kir­che CO2-neu­tral. Bis zum nächs­ten Jahr kön­ne der Kli­ma­schutz­fonds mit 60 Mio. Euro grund­aus­ge­stat­tet wer­den. Auch leis­te das Umwelt­ma­nage­ment einen wich­ti­gen Bei­trag zum Kli­ma­schutz: So hät­te es im ver­gan­ge­nen Win­ter eine erhöh­te Nach­fra­ge nach Erst-Zer­ti­fi­zie­run­gen für den „Grü­nen Gockel“, das Umwelt­ma­nage­ment­sys­tem für Kir­chen­ge­mein­den und kirch­li­che Ein­rich­tun­gen, gege­ben, erläu­ter­te Blum­tritt.

Die Syn­ode hat sich auch mit dem The­ma Sexua­li­sier­te Gewalt beschäf­tigt. Bis­lang sei­en 211 sol­cher Fäl­le in der ELKB bekannt, die teil­wei­se bis in die 1950er Jah­re zurück­reich­ten, so Ober­kir­chen­rat Niko­laus Blum in sei­nem Bericht zum aktu­el­len Stand der Auf­ar­bei­tung.  Zugleich wie­der­hol­te er den Auf­ruf der Kir­chen­lei­tung, dass Men­schen, die in Kir­che oder Dia­ko­nie Erfah­run­gen mit Sexua­li­sier­ter Gewalt machen muss­ten, sich an die Ansprech­stel­le wen­den soll­ten. Erst­mals kamen bei einer Syn­odal­ta­gung in einem Podi­ums­ge­spräch auch Betrof­fe­ne zu Wort, die ihre For­de­run­gen an die Kir­che im Blick auf Auf­ar­bei­tung und Prä­ven­ti­on vor­tru­gen.

Eben­so hat die Lan­des­syn­ode eine Kapi­tal­erhö­hung für den „Evan­ge­li­schen Cam­pus Nürn­berg“ (ECN) beschlos­sen. Grund dafür waren die auf­grund äuße­rer Ein­flüs­se wie die Unter­bre­chung von Lie­fer­ket­ten auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie und des Ukrai­ne-Krie­ges um rund 18 Pro­zent gestie­ge­nen Bau­kos­ten. Die Kapi­tal­erhö­hung soll höchs­tens 37 Mil­lio­nen Euro betra­gen. Das Eigen­ka­pi­tal, das die Lan­des­kir­che für die­ses Bau­pro­jekt ein­setzt, erhöht sich damit auf 111 Mil­lio­nen Euro. Das ange­peil­te Ren­di­te­ziel von 3 Pro­zent sei wei­ter­hin rea­lis­tisch, beton­ten die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen.

Die nächs­te Tagung der Lan­des­syn­ode der ELKB fin­det vom 26. bis 29. Novem­ber 2023 in Amberg statt.

Foto: Pix­a­bay