Für den Ernstfall muss regelmäßig geprobt werden

von | 19. Februar 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). In der Not­auf­nah­me des Kli­ni­kums Alt­mühl­fran­ken wird in regel­mä­ßi­gen Abstän­den der Ernst­fall geprobt: Ein Mas­sen­an­fall von Ver­letz­ten oder Erkrank­ten (kurz “MANV”) kann jeder­zeit ein­tre­ten und ist eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung für Mit­ar­bei­ten­de und für die Orga­ni­sa­ti­on der Kli­nik. Ein­bli­cke in eine fik­ti­ve Aus­nah­me­si­tua­ti­on, die jeden Tag Rea­li­tät wer­den könn­te.

Medi­zi­ner, Pfle­ge­kräf­te und Mit­ar­bei­ten­de des Ret­tungs­diens­tes: Jeder hat im Ernst­fall sei­nen Platz — die Abläu­fe müs­sen ein­ge­spielt sein und Hand in Hand erfol­gen. Bild: Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken

Mitt­woch­mor­gen im Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken: Es ist laut in der Not­auf­nah­me am Stand­ort Gun­zen­hau­sen, bei­na­he alle Behand­lungs­räu­me sind belegt, die Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te küm­mern sich um die zahl­rei­chen ver­wun­de­ten Pati­en­ten. Zeit­gleich wer­den im Minu­ten­takt wei­te­re Ver­letz­te vom Ret­tungs­dienst ins Kli­ni­kum gebracht. Plötz­lich ver­su­chen besorg­te Ange­hö­ri­ge in den Rönt­gen­be­reich vor­zu­drin­gen, möch­ten Details zum Unfall­ge­sche­hen und zum Zustand ihrer Lie­ben erfah­ren. Die Pfle­ge­kräf­te und Medi­zi­ner ver­su­chen, die Lage zu beru­hi­gen und bit­ten die Ange­hö­ri­gen um Geduld.

Die eben beschrie­be­ne Sze­ne­rie ist glück­li­cher­wei­se eine Übung. Eine fik­ti­ve Situa­ti­on, die jedoch jeder­zeit Rea­li­tät wer­den könn­te. In der Not­auf­nah­me des Kli­ni­kums wird jedes Jahr der Ernst­fall geprobt: Was ist bei einem Mas­sen­an­fall von Ver­letz­ten oder Erkrank­ten (kurz “MANV”) zu tun? Wie las­sen sich Abläu­fe opti­mie­ren und was gibt es dar­über hin­aus zu beach­ten?

Geprobt wird der Ernst­fall: ein Mas­sen­an­fall von Ver­letz­ten

Von einem Mas­sen­an­fall von Ver­letz­ten wird gespro­chen, wenn durch Unglü­cke, Kri­sen, Kata­stro­phen oder Ter­ror­an­schlä­ge eine gro­ße Anzahl von Men­schen erkran­ken oder ver­letzt wer­den. In den meis­ten Fäl­len pas­sie­ren sol­che Ereig­nis­se im Stra­ßen­ver­kehr, bei Brän­den oder Betriebs­un­fäl­len, wes­halb die Ver­letz­ten oder Erkrank­ten vom Ret­tungs­dienst schnellst­mög­lich in geeig­ne­te Kli­ni­ken gebracht wer­den müs­sen.

Im Rah­men der Übung wird geprobt, wie die inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on des Kli­ni­kums funk­tio­niert, in wel­cher Zeit­span­ne die medi­zi­ni­schen wie pfle­ge­ri­schen Teams in der Not­auf­nah­me ein­tref­fen, nach wel­chen Regeln die Tria­ge (Fest­le­gung der Behand­lungs­prio­ri­tät) der Pati­en­ten zu erfol­gen hat. In Hin­blick auf die Rege­lung der Kran­ken­haus­alarm­pla­nung sind Kli­ni­ken ver­pflich­tet, auf einen “MANV” vor­be­rei­tet zu sein. Ziel der Übung ist stets, die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung mög­lichst vie­ler Men­schen sicher­zu­stel­len.

Zurück ins Kli­ni­kum: Über “IVENA” wird die Zuwei­sung eines Pati­en­ten mit Rauch­gas­ver­gif­tung mit­ge­teilt, kurz dar­auf erfolgt eine wei­te­re Infor­ma­ti­on: Der Trans­port einer Pati­en­tin mit Ver­dacht auf Schä­del-Hirn-Trau­ma nach Gun­zen­hau­sen wird ange­kün­digt.

Inter­dis­zi­pli­nä­rer Ver­sor­gungs­nach­weis essen­ti­ell

“Ive­na eHe­alth” steht für “inter­dis­zi­pli­nä­rer Ver­sor­gungs­nach­weis” und ist ein essen­ti­el­les Instru­ment für die Mit­ar­bei­ten­den der Not­fall­me­di­zin. Mit­hil­fe des Sys­tems wer­den Infor­ma­tio­nen zur prä­kli­ni­schen und kli­ni­schen Pati­en­ten­ver­sor­gung und über die aktu­el­len Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­tauscht – und das in Echt­zeit.

Damit ermög­licht die IT-Anwen­dung den Kran­ken­häu­sern eine früh­zei­ti­ge Infor­ma­ti­on – und damit die Mög­lich­keit, sich recht­zei­tig auf die Ankunft und Ver­sor­gung von Ver­letz­ten und Erkrank­ten vor­be­rei­ten kön­nen. Dar­über hin­aus wird die Pati­en­ten­zu­wei­sung ver­ein­facht, da erkenn­bar ist, in wel­chen Kli­ni­ken noch Behand­lungs­ka­pa­zi­tä­ten vor­han­den sind. Ein wei­te­rer Vor­teil ist die enge Ver­zah­nung von Ret­tungs­diens­ten und Kli­ni­ken mit­hil­fe des web­ba­sier­ten Ver­sor­gungs­nach­wei­ses. Damit gilt “IVENA” als ein wich­ti­ger Bau­stein bei der Digi­ta­li­sie­rung des Not­fall­ma­nage­ments und ist aus dem Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken nicht mehr weg­zu­den­ken.

Im Rah­men der Übung wird eine ver­letz­te Per­son nach der ande­ren in die Not­auf­nah­me gebracht. Wäh­rend ein jun­ger Mann über star­ke Schmer­zen im Becken­be­reich klagt, wird eine älte­re Dame mit einer blu­ten­den Wun­de im Gesicht ein­ge­lie­fert. Die Pati­en­ten und Ange­hö­ri­gen wer­den an die­sem Mitt­woch­mor­gen von Mit­ar­bei­ten­den des Kli­ni­kums gemimt und stel­len die Ver­let­zun­gen täu­schend echt dar – wüss­te man nicht, dass es sich dabei um eine Übung han­delt, könn­te man es kaum erah­nen.

Als medi­zi­ni­scher Laie und stil­ler Beob­ach­ter der Übung kommt unwei­ger­lich das Gefühl von Angst und Ohn­macht auf – und die Hoff­nung, der Fall der Fäl­le möge nie ein­tre­ten. Ein bei­na­he nai­ver Wunsch, denn das dar­ge­stell­te Sze­na­rio ist alles ande­re als unwahr­schein­lich: Ein Bus- oder Zug­un­glück, eine Mas­sen­ka­ram­bo­la­ge, eine Panik auf einem Fest — all das kann jeden Tag und zu jeder Zeit pas­sie­ren und führt meist unwei­ger­lich zu einer Viel­zahl von Ver­letz­ten. Die Kli­ni­ken müs­sen also stets auf den Ernst­fall vor­be­rei­tet sein.

Wo liegt Opti­mie­rungs­be­darf?

Von den Chef- bis zu den Assis­tenz­ärz­ten, von den Pfle­ge­kräf­ten bis hin zu den Sani­tä­tern: Jeder Griff sitzt, die Bereit­stel­lung des CT für die Pati­en­tin mit Ver­dacht auf ein Schä­del-Hirn-Trau­ma erfolgt inner­halb kür­zes­ter Zeit und das breit auf­ge­stell­te Team arbei­tet Hand in Hand.

Nach der Übung gilt es, Resü­mee zu zie­hen: Was kann ver­bes­sert wer­den und vor allen Din­gen: wie? Auch wer­den im Rah­men der Nach­be­spre­chung noch vie­le Fra­gen von Mit­ar­bei­ten­den des Kli­ni­kums gestellt, die erst durch die prak­ti­sche Übung auf­ka­men. Klar wur­de bei der Übung zudem die begrenz­te Kapa­zi­tät an Räu­men und die Wich­tig­keit der Tria­ge.

Im Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken ist der Lei­ten­de Ober­arzt und Fach­arzt für Anäs­the­sie und Not­fall­me­di­zin, Dr. Tho­mas Som­me­rer, nach der Simu­la­ti­on des Ernst­falls weit­ge­hend zufrie­den: “Die Zuord­nung, wer sich um wel­chen Pati­en­ten küm­mert, kann noch opti­miert wer­den, aber dar­über hin­aus lief es gut.” Auch Chef­arzt Dr. Marc Gut­sche lobt den Ein­satz sei­ner Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen und betont noch ein­mal die Wich­tig­keit die­ser Simu­la­ti­on.

Die Hoff­nung bleibt, von einem sol­chen Kri­sen­sze­na­rio auch künf­tig ver­schont zu wer­den. Das Wis­sen um die gute medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in unse­rer Regi­on lässt einen einem sol­chen Ereig­nis doch etwas gelas­se­ner ent­ge­gen­bli­cken.

Bild­un­ter­schrift: Simu­la­ti­on eines Mas­sen­an­falls von Ver­letz­ten. Foto: Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken