Gebot der Stunde: Wasser in der Fläche halten

von | 14. September 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Poten­zi­al des Wal­des im Land­kreis noch nicht aus­ge­schöpft

Bei dem vom Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen initi­ier­ten Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“ wird bis­her das enor­me Poten­zi­al des Wal­des lei­der noch nicht aus­ge­schöpft. Daher haben Die­ter Popp aus Haun­dorf (FUTOUR Regio­nal­be­ra­tung und Dipl. Forst­in­ge­nieur) und Prof. Dr. Erwin Hus­sen­dör­fer aus Ellin­gen (Fakul­tät Wald und Fort­wirt­schaft der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf) für eine Opti­mie­rung die­ses, den gesam­ten Land­kreis ein­be­zie­hen­den Zukunfts­pro­jek­tes vor­ge­schla­gen, deut­lich stär­ker die mög­li­chen Poten­zia­le der Wäl­der zu nut­zen.

Die Bedeu­tung der Was­ser­schutz­funk­ti­on der Wäl­der ist seit über 50 Jah­ren im Fokus der soge­nann­ten Wald­funk­tio­nen­kar­tie­rung. Die­se Was­ser­schutz­wäl­der sol­len die Men­ge und Güte des Was­sers (Grund­was­ser, flie­ßen­des und ste­hen­des Ober­flä­chen­was­ser) erhal­ten oder ver­bes­sern sowie die zeit­li­che Ver­tei­lung des Was­ser­ab­flus­ses opti­mie­ren. In Bay­ern sind über 30 % der Wäl­der kar­tier­te Was­ser­schutz­wäl­der. Ergänzt wer­den die­se Funk­tio­nen neu­er­dings um wei­te­re soge­nann­te Öko­sys­tem­leis­tun­gen wie z.B. die Leis­tung des Wal­des für den Land­schafts­was­ser­haus­halt oder die Küh­lung der Land­schaft.

Bis­he­ri­ge Emp­feh­lun­gen für die Struk­tur und die Bewirt­schaf­tung der Wäl­der mit Was­ser­schutz­funk­ti­on sowie wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen über die Wir­kung des Wal­des für den Land­schafts­was­ser­haus­halt sind ins­be­son­de­re fol­gen­de:
Struk­tur­rei­che Wäl­der mit hohen Laub­baum­an­tei­len wir­ken sich posi­tiv auf die Grund­was­ser­neu­bil­dung aus. So sickern in Buchen-domi­nier­ten Wäl­dern im Ver­gleich zu Nadel­wäl­dern pro Hekt­ar und Jahr über 600 Kubik­me­ter mehr Was­ser aus den Nie­der­schlä­gen in die Wald­bö­den. Die­se höhe­re Spei­cher­ka­pa­zi­tät ent­spricht in etwa dem jähr­li­chen Was­ser­ver­brauch von 120 Men­schen! Intak­te und tief durch­wur­zel­ba­re Wald­bö­den ver­rin­gern außer­dem den Ober­flä­chen­ab­fluss von Stark­nie­der­schlä­gen und haben zudem ein deut­lich höhe­res Was­ser­spei­cher­ver­mö­gen. Dau­er­wäl­der mit geschlos­se­nem Kro­nen­dach, ste­hen­dem und lie­gen­dem Tot­holz, weni­ger Rücke­we­gen und der Rück­bau von Ent­wäs­se­rungs­grä­ben im Wald sind wei­te­re poten­zi­el­le Stell­schrau­ben.

In ein­zel­nen, ins­be­son­de­re tro­cke­nen Regio­nen Deutsch­lands sind bereits ers­te Pro­jek­te zu soge­nann­ten „Schwamm­wäl­dern“ aktiv. Die­se sol­len Was­ser län­ger spei­chern und ver­zö­ger­ter abge­ben, um sowohl für den Wald, für die Gewäs­ser aber auch für die Grund­was­ser­neu­bil­dung mehr Was­ser zur Ver­fü­gung zu haben. Zudem sol­len sie Stark­re­gen­er­eig­nis­se abpuf­fern, um poten­zi­el­le Hoch­was­ser­si­tua­tio­nen zu ver­rin­gern. Der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen bie­tet auf­grund sei­ner geo­lo­gi­schen Situa­ti­on drei Modell­op­tio­nen für Schwamm­wäl­der-Pro­jek­te. Näm­lich Kalk­stein-gepräg­te Jura­stand­or­te, san­di­ge Böden und Stand­or­te mit schwe­ren, ton­rei­chen Böden. Die­se unter-schied­li­chen Stand­or­te zusam­men mit den auf ihnen vor­kom­men­den Wald­struk­tu­ren wir­ken sich ver­schie­den auf die Auf­nah­me- und Ver­si­cke­rungs­ver­mö­gen und dem­entspre­chend auch auf die Grund-was­ser­neu­bil­dungs­po­ten­zia­le aus. 

Mit einem Modell­vor­ha­ben „Schwamm­wald Alt­mühl­fran­ken“ kann ein solch ambi­tio­nier­tes Vor­ha­ben die Gesamt­ziel­set­zun­gen des bereits in die Wege gelei­te­ten Kli­ma­re­si­li­enz-Pro­jek­tes im Land­kreis nicht nur wir­kungs­voll unter­stüt­zen, son­dern ihm sogar noch einen ganz­heit­lich wir­ken­den Impuls von beson­de­rer Bedeu­tung ver­lei­hen. Denn, wäh­rend die Anla­ge von — noch so vie­len — Was­ser­rück­hal­te­flä­chen immer nur punk­tu­ell und zeit­lich begrenzt einen rela­tiv beschei­de­nen Bei­trag zur Bewäs­se­rung von land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen leis­ten kön­nen, kön­nen Wald­le­bens­ge­mein­schaf­ten da-gegen zu einem umfas­send sta­bi­len Was­ser­haus­halt nach­hal­tig und auf gro­ßer Flä­che – immer­hin ein Drit­tel des Land­krei­ses sind bewal­det — bei­tra­gen! Durch eine Ent­wick­lung der Wäl­der hin zu solch funk­tio­nie­ren­den Wald­le­bens­ge­mein­schaf­ten (über geziel­ten Wald­um­bau) mit Vor­rang für Was­ser­schutz­funk­ti­on kann der Was­ser­haus­halt auf gro­ßer Flä­che deut­lich ver­bes­sert und sta­bi­li­siert wer­den. Gleich­zei­tig wer­den die­se damit qua­si als „add on“ einen wich­ti­gen Bei­trag zum Erhalt wei­te­rer Öko­sys­tem­leis­tun­gen für die Men­schen in der Regi­on aber letzt­lich dann auch für die nach­hal­ti­ge Nut­zung des Roh­stof­fes Holz leis­ten.

Das Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“ bie­tet jetzt mit einem ergän­zen­den Ansatz „Schwamm­wald“ die ein­zig­ar­ti­ge Chan­ce in einem Land­kreis mit unter­schied­li­chen Stand­or­ten und dort für alle Besitz­ar­ten auf­zu­zei­gen, wie eine gezielt auf den Land­schafts­was­ser­haus­halt aus­ge­rich­te­te Wald­ge­stal­tung, eine natur­na­he Wald­ent­wick­lung und eine nach­hal­ti­ge Wald­be­wirt­schaf­tung aus­se­hen müs­sen, damit die Wäl­der im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen  auch zukünf­tig einen wich­ti­gen Bei­trag für die Ver­füg­bar­keit zen­tral wich­ti­ger Res­sour­cen wie Was­ser und Holz sowie für die Lebens­qua­li­tät der Men­schen, wie u.a. Küh­lung, Nie­der­schlags­för­de­rung oder Erho­lung im Kli­ma­wan­del er-brin­gen kön­nen.

Bild­un­ter­schrift: Wäl­der mit funk­tio­nie­ren­den Lebens­ge­mein­schaf­ten hal­ten mehr Was­ser zurück als auf­ge­stau­te Grä­ben oder eine Vernäs­sung der Flä­chen. Foto: FUTOUR Regio­nal­be­ra­tung.

Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken — Ergän­zungs­vor­schlag „Schwamm­wald“

Der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat das Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“ initi­iert. Im Rah­men eines abge­stimm­ten Gesamt­kon­zep­tes soll über eine Rei­he umfas­sen­der Ein­zel­maß-nah­men der Land­schafts­was­ser­haus­halt ver­bes­sert und die ver­stärk­te Rück­hal­tung von Was­ser in der Flä­che mög­lich erden.

Das Pro­jekt ver­folgt einen ganz­heit­li­chen Ansatz mit dem Ziel,

  • die Was­ser­auf­nah­me­fä­hig­keit unse­rer Land­schaft zu stär­ken,
  • Was­ser effi­zi­ent zu spei­chern und nach­hal­tig zu nut­zen
  • Tie­fen­grund­was­ser ver­ant­wor­tungs­voll zu bewirt­schaf­ten,
  • Gewäs­ser kli­ma­re­si­li­ent zu gestal­ten,
  • Sied­lungs­ge­bie­te an den Kli­ma­wan­del anzu­pas­sen sowie
  • durch Öffent­lich­keits­ar­beit Bewusst­sein zu schaf­fen und die Bevöl­ke­rung zum Mit­wir­ken zu moti­vie­ren.

Dabei unter­stützt die EU das Pro­jekt in Teil­be­rei­chen über das LIFE-Pro­gramm. Im Juli 2026 ist die­ses Pro­jekt unter dem Titel „KeepWater4Later“ offi­zi­ell an den Start gegan­gen und wird bis 2030 lau­fen.
Mit 24 Pilot­maß­nah­men sol­len mit die­sem Pro­jekt jetzt was­ser­rück­hal­ten­de Infra­struk­tu­ren reak­ti­viert bzw. neu geschaf­fen, bestehen­de Grä­ben oder Drai­na­gen steu­er­bar auch für eine Bewäs­se­rung genutzt und ers­te Ansät­ze des Key­line Design kon­kre­ti­siert wer­den.

Es wäre jedoch sinn­voll, den Maß­nah­men­ka­ta­log auch um Emp­feh­lun­gen für den Anbau was­ser-scho­nen­der bzw. grund­was­ser­för­der­li­cher Baum­ar­ten in der Wald­wirt­schaft zu ergän­zen. Denn die rei­ne Was­ser­rück­hal­tung wird im Wald nicht eine so hohe Wir­kung erzie­len, wie dies die über Jahr­hun­der­te ange­pass­ten Baum­ar­ten mit ihren Öko­sys­tem­leis­tun­gen ver­mö­gen.

Die Rol­le des Wal­des bei „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“
Im Bereich der Wald­ent­wick­lung bestehen viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, den Land­schafts­was­ser­haus­halt aktiv zu beein­flus­sen. Dies ist vor allem über die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Wald­le­bens­ge­mein­schaf­ten mög­lich, dem eng mit­ein­an­der ver­floch­te­nen Netz­werk von Boden, Boden­le­be­we­sen, Mykorrhi­za-Pilz­ge­flech­ten sowie der krau­ti­gen und ver­hol­zen­den Pflan­zen. In die­ser Wald­le­bens­ge­mein­schaft spie­len die Bäu­me mit ihrem enor­men Was­ser­be­darf und der damit zusam­men­hän­gen­den Wur­zel-inten­si­tät eine beson­de­re Rol­le für den Was­ser­haus­halt. Denn sie sind es, die sich in einem min­des­tens meh­re­re hun­dert Jah­re wäh­ren­den Aus­le­se­pro­zess als beson­ders für die­sen Stand­ort und des­sen Was­ser­haus­halt bewährt und durch­ge­setzt haben. Die ent­schei­den­den Fak­to­ren waren dabei die nach Baum­ar­ten unter­schied­li­che Sicker­was­ser­spen­de und die Fähig­keit bestimm­ter Baum­ar­ten, einen auch tief ver­an­ker­ten Was­ser- oder Nähr­stoff­ho­ri­zont zu erschlie­ßen. Unter der Sicker­was­ser-spen­de wird der Anteil der Nie­der­schlä­ge ver­stan­den, die bis ins Grund­was­ser gelan­gen und des­sen Poten­zi­al wie­der auf­fül­len kön­nen. Die Wur­zel­in­ten­si­tät mar­kiert die Fähig­keit bestimm­ter Baum-arten, durch hydrau­li­schen Druck auch fest gebun­de­nes Was­ser (z.B. im Ton, der ja in vie­len Böden Alt­mühl­fran­kens vor­han­den ist) und dar­in gebun­de­ne Nähr­stof­fe aus die­sen Tie­fen des Bodens bis in die höchs­ten Baum­spit­zen von mit­un­ter 40 m sowie in alle Blatt­ver­äs­te­lun­gen zu pum­pen. Je nach Baum­art und Baum­vo­lu­men kön­nen dies bis 300 bis 600 Liter je qm Kro­nen­flä­che je Jahr, also durch­aus enor­me Was­ser­men­gen sein.

Es ist daher nach­voll­zieh­bar, dass – gera­de in Zei­ten von beson­de­rer Tro­cken­heit – der Land­schafts­was­ser­haus­halt von der jeweils domi­nie­ren­den Wald­ge­sell­schaft abhän­gig ist. In der Regel sind die in Jahr­hun­der­ten gewach­se­nen poten­zi­ell-natür­li­chen Wald­ge­sell­schaf­ten auch die­je­ni­gen, die eine opti­ma­le Siche­rung des Was­ser­haus­halts gewähr­leis­ten.
Durch Baum­ar­ten­ver­än­de­run­gen in der Ver­gan­gen­heit oder geplan­te Baum­ar­ten­wech­sel in der Zukunft, kön­nen sich aber zum Teil erheb­li­che Ände­run­gen im Was­ser­haus­halt ein­stel­len. In einer Model­lie­rung des Land­schafts­was­ser­haus­halts eines groß­räu­mi­gen Gebiets mit Kie­fern­fors­ten konn­te nun ermit­telt wer­den, dass eine Bei­be­hal­tung die­ser struk­tur­ar­men Nadel­baum­be­stän­de in einem Zeit­raum von etwa 30 Jah­ren und bei einem wei­ter anhal­ten­den Kli­ma­trend, den Grund­was­ser­stand der gesam­ten Regi­on um bis zu 1,50 m absin­ken wür­de. Optio­nal könn­ten sich dage­gen die Grund­was­ser­stän­de zwi­schen 0,2 und 0,8 m an die­sem Stand­ort erhö­hen, wenn die einst künst­lich ein­ge­brach­ten Kie­fern wie­der in die hier ursprüng­lich hei­mi­schen Eichen, bzw. Eichen-Buchen-Wäl­der über­führt wür­den.

Die­ses Bei­spiel soll trans­pa­rent machen, im Wald kann ein groß­räu­mig ein­ge­lei­te­ter Baum­ar­ten­wech­sel zu den ursprüng­lich dort hei­mi­schen Baum­ar­ten, die­se Wald­le­bens­ge­mein­schaft mit all ihren Orga­nis­men reak­ti­vie­ren und den Land­schafts­was­ser­haus­halt spür­bar posi­tiv ver­än­dern!

Der Wald — ein Garant von Land­schafts­was­ser­haus­halts
Der Wald hat für den Was­ser­rück­halt in der Flä­che, dem Schutz und der Erhö­hung der Grund­was­ser-stän­de, bei der Inter­zep­ti­on, bei Land­schafts­küh­lung und der Beein­flus­sung von Ver­duns­tungs­ra­ten bzw. Nie­der­schlags­bil­dung schon immer eine zen­tra­le Rol­le gespielt. Daher sol­len sich die­se was­ser-affi­nen Öko­sys­tem­leis­tun­gen auch in der Stra­te­gie des Pro­jek­tes „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken wider­spie­geln. Im öffent­li­chen Wald (Baye­ri­sche Staats­fors­ten, Kom­mu­nal­wald, Bun­des­wald­flä­chen) kann an das Urteil des Bun­des-Ver­fas­sungs­ge­richts vom 31.05.1990 ange­knüpft wer­den, in dem unmiss­ver­ständ­lich zum Aus­druck gekom­men ist, dass im öffent­li­chen Wald die Gemein­wohl­in­ter­es­sen Vor­rang vor jeg­li­chem Gewinn­stre­ben ein­neh­men müs­sen. Daher ist im Hin­blick auf denk­ba­re Maß­nah­men ein­deu­tig zwi­schen Wald­flä­chen im öffent­li­chen bzw. pri­va­tem Besitz zu dif­fe­ren­zie­ren.

In Zei­ten zuneh­men­der Tro­cken­heit, Nie­der­schlags­de­fi­zi­ten, sin­ken­der Grund­was­ser­spie­gel und einer dar­aus abge­lei­te­ten Dis­kus­si­on um kli­ma­an­ge­pass­te Baum­ar­ten­wahl für den not­wen­dig gewor­de­nen Umbau in „kli­ma­plas­ti­sche Wäl­der“, muss sich die­se The­ma­tik auch in den Lösungs­an­sät­zen für das Pro­jekt „‘Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“ wie­der­fin­den. Unter der Prä­mis­se der dabei ange­streb­ten Ver­bes­se­run­gen des Land­schafts­was­ser­haus­halts darf aber die Fra­ge nach den geeig­ne­ten Baum-arten nicht vor­ran­gig am poten­zi­ell bes­ten Zuwachs und damit höchs­ten Holz­ertrag gemes­sen wer-den. Es ist viel­mehr zwin­gend erfor­der­lich, die Aus­wahl poten­zi­ell geeig­ne­ter Baum­ar­ten durch die Initi­ie­rung einer Ent­wick­lung zu erset­zen, bei der eine an die­se ver­än­der­ten Kli­ma­be­din­gun­gen ange­pass­te Wald­le­bens­ge­mein­schaft steht. Gera­de unter die­sen sich extrem ver­än­dern­den Bedin­gun­gen ist vor­ran­gig dem opti­mal funk­tio­nie­ren­den Boden­le­ben eine hohe Auf­merk­sam­keit zu wid­men, um beson­ders wich­ti­ge koad­ap­tier­te Asso­zia­tio­nen zwi­schen den Mykorrhiz­a­pil­zen und den stand­ort-hei­mi­schen Baum­ar­ten syn­er­gis­tisch zu nut­zen. Lebens­ge­mein­schaf­ten, die durch öko­sys­te­mi­sche und gene­ti­sche Mecha­nis­men über Jahr­mil­lio­nen Anpas­sungs­er­fah­rung geübt haben, wer­den im Zwei­fel auch die größ­ten Per­spek­ti­ven der evo­lu­tio­nä­ren Adap­ti­on im Kli­ma­wan­del auf­wei­sen.

Auch wenn mit­un­ter stand­ort­hei­mi­sche Baum­ar­ten, wie z.B. die Buchen durch Kro­nen­ver­lich­tun­gen geschä­digt sind oder sogar kom­plett abster­ben kön­nen, bedeu­tet dies nicht zwin­gend den Aus­fall der gesam­ten Buchen­wald-Lebens­ge­mein­schaft. Ent­schei­dend ist, wie rasch sich die­se wie­der rege­ne­rie­ren kann (Resi­li­enz). Nur die Baum­art Buche an dem betref­fen­den Stand­ort durch ande­re – ver­meint­lich bes­ser ange­pass­te – Baum­ar­ten zu erset­zen, ohne die Lebens­ge­mein­schaft gesamt­haft zu betrach­ten, ist daher kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Denn es soll­te mit gro­ßem Respekt bedacht wer­den, dass die­ser Baum­art es seit der letz­ten Eis­zeit und ihrer Rück­kehr nach Mit­tel­eu­ro­pa immer wie­der gelun­gen ist, sich an all die kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen über die­sen Zeit­raum von rund 6000 Jah­ren anzu­pas­sen! Dabei ist es bereits wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­sen, dass sich im Saat­gut der letz­ten Tro­cken­jah­re seit 2018 u.a. auch ent­spre­chen­de epi­ge­ne­ti­sche Ver­än­de­run­gen voll­zo­gen haben und aus die­sem Gen­pool jetzt jun­ge Pflan­zen erwach­sen, die bereits eine bes­se­re Anpas­sung an die­se aktu­el­len Kli­ma­ver­än­de­run­gen auf­wei­sen.
Wir benö­ti­gen daher — auch in Alt­mühl­fran­ken und gera­de in die­sem Pro­jekt — den Mut zu einem deut­lich grö­ße­ren Ver­trau­en in die bewähr­ten Selbst­re­gel­a­ti­ons­kräf­te der Natur. Dies gilt auch in glei­cher Wei­se für die ande­ren hier hei­mi­schen Baum­ar­ten, wie z.B. die Eichen, Hain­bu­chen, die ver­schie­de­nen Ahorn­ar­ten, die Weiß­tan­ne, Erle oder Wei­den.

Neue Bäu­me braucht das Land ??
In den Zei­ten des Kli­ma­wan­dels wird aktu­ell aber immer stär­ker – auch aus den Rei­hen der Forst­wirt­schaft selbst – auf das Ein­brin­gen von „Alter­na­tiv­baum­ar­ten“ gesetzt, die häu­fig von ande­ren Kon­ti­nen­ten ein­ge­führt wer­den. In Bay­ern wird u.a. mit Baum­ha­sel und Atlas­ze­der geforscht. Die damit ver­bun­de­ne Gefahr der ggf. aus­zu­lö­sen­den Inva­si­vi­tät und der Ver­drän­gung hei­mi­scher Baum­ar­ten, ande­rer Pflan­zen und Tie­re und sogar der sym­bio­ti­schen Pil­ze ist durch eine Fül­le zum Teil erschre­cken­der Bei­spie­le belegt. Es wäre daher nur ver­ant­wort­lich, bis­her nicht-hei­mi­sche Baum­ar­ten ggf. hier – unter noch zu defi­nie­ren­den Rah­men­be­din­gun­gen und auch nur auf limi­tier­ter Flä­che — ein­zu­brin­gen, wenn dafür die not­wen­dig wer­den­den Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Dazu gehö­ren die gene­ti­sche Anpas­sungs­fä­hig­keit, die Über­le­bens­fä­hig­keit und Eig­nung als beglei­ten­de Baum­art sich in einer Wald­le­bens­ge­mein­schaft öko­lo­gisch als unpro­ble­ma­tisch zu erwei­sen. Eine sol­che lang­fris­tig anzu­le­gen­de Über­prü­fung wur­de aber bei kei­ner der hier bereits jetzt ein­ge­führ­ten Baum­ar­ten durch­ge­führt, als man sich für deren Anbau ent­schied! Und auch für die jetzt neu dis­ku­tier­ten Baum­ar­ten sind der­ar­ti­ge Unter­su­chun­gen bis­lang nicht bekannt. Dem­entspre­chend haben auch die mit die­sen Fremd-Baum­ar­ten auf­ge­tre­te­nen Pro­ble­me – u.a. auch bei der Siche­rung von Grund­was­ser­vor­kom­men – zu den heu­te kri­ti­schen Dis­kus­sio­nen über die wei­te­re Nut­zung sol­cher Exo­ten geführt.