Gemeinsam gestalten: Personal- und Organisationsentwicklungsprozess im Landratsamt

von | 26. August 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Auch der öffent­li­che Dienst muss sich ste­tig wei­ter­ent­wi­ckeln, um effi­zi­ent, bür­ger­nah und zukunfts­fä­hig zu blei­ben. Durch einen geziel­ten Ent­wick­lungs­pro­zess im Bereich Per­so­nal, Orga­ni­sa­ti­on und Digi­ta­li­sie­rung hat das Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen die Wei­chen gestellt und will sich fit machen für die Her­aus­for­de­run­gen von mor­gen – von ver­än­der­ten Arbeits­wel­ten bis hin zu neu­en tech­no­lo­gi­schen Anfor­de­run­gen.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de auch im Land­rats­amt deut­lich, dass zum Bei­spiel der Fach­kräf­te­man­gel, das alters­be­ding­te Aus­schei­den der Baby-Boo­mer-Gene­ra­ti­on aus dem Arbeits­markt, die zuneh­men­de Ver­än­de­rungs­ge­schwin­dig­keit bei den staat­li­chen Auf­ga­ben und Anfor­de­run­gen — auch mit Blick auf glo­ba­le Kri­sen — die Leis­tungs­fä­hig­keit der Ver­wal­tung mit ihren bis­he­ri­gen Struk­tu­ren und Res­sour­cen zuneh­mend her­aus­for­dert. „Wenn wir in der öffent­li­chen Ver­wal­tung zusätz­lich zu den bereits vor­han­de­nen Auf­ga­ben mit der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on jetzt neue Her­aus­for­de­run­gen schul­tern und im Sin­ne der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger gestal­ten müs­sen, brau­chen wir mehr als das Ein­spie­len einer neu­en Soft­ware. Wir brau­chen einen ganz­heit­li­chen Ent­wick­lungs­an­satz, der alle Dimen­sio­nen umfasst, die für eine effek­ti­ve, bür­ger­freund­li­che sowie zukunfts­fä­hi­ge Ver­wal­tung eine wich­ti­ge Rol­le spie­len“, erklärt Land­rat Manu­el West­phal.

Des­we­gen hat sich das Land­rats­amt ent­schie­den, gemein­sam mit allen Mit­ar­bei­ten­den einen haus­in­ter­nen Ent­wick­lungs­pro­zess unter dem Mot­to „Ent­wick­lung, die bewegt. Wir lau­fen zusam­men los – jeder in sei­nem Tem­po, aber alle ans Ziel!“ durch­zu­füh­ren. Zuletzt hat ein sol­cher Pro­zess Anfang der 2000er Jah­re im Land­rats­amt statt­ge­fun­den.

„Als Ziel haben wir uns ein wer­te­ba­sier­tes Füh­rungs­ver­ständ­nis gesetzt, das auf Ver­läss­lich­keit, Sta­bi­li­tät und Effi­zi­enz bei der Bewäl­ti­gung der all­täg­li­chen Auf­ga­ben setzt und auch zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen zum Bei­spiel der Digi­ta­li­sie­rung gerecht wird. Von einem moder­nen und für Fach­kräf­te attrak­ti­ven Land­rats­amt pro­fi­tie­ren letzt­lich nicht nur die Mit­ar­bei­ten­den, son­dern auch die Bevöl­ke­rung“, erklärt Land­rat Manu­el West­phal.

Im März wur­de der Pro­zess mit einer Hybrid-Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung für alle Mit­ar­bei­ten­den gestar­tet. Anschlie­ßend folg­te eine umfas­sen­de Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung, die sich rund um die The­men Kom­mu­ni­ka­ti­on und Zusam­men­ar­beit all­ge­mein sowie mit der Füh­rungs­kraft dreh­te, aber auch die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on beinhal­te­te. Beglei­tet wird der Pro­zess fach­lich von Frau Pro­fes­sor Bri­git­te Waf­fen­schmidt von der inter­na­tio­na­len Berufs­aka­de­mie (iba) und der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Nürn­berg. Auch Lui­sa Wör­lein, die ihre Aus­bil­dung in der 3. Qua­li­fi­ka­ti­ons­ebe­ne am Land­rats­amt absol­viert hat, betreut den Pro­zess fach­lich im Rah­men ihres berufs­be­glei­ten­den Mas­ter­stu­di­en­gangs „Public Manage­ment“. Für die­se Abschluss­ar­beit hat sie auch kon­kre­te Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zur Per­so­nal- und Füh­rungs­kräf­te­ent­wick­lung im Land­rats­amt ent­wi­ckelt. „72,52 Pro­zent der Beschäf­tig­ten haben an der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung teil­ge­nom­men! Die hohe Rück­lauf­quo­te im Ver­gleich auch zu ande­ren Land­rats­äm­tern zeigt eine star­ke Betei­li­gung und ein hohes Enga­ge­ment aller Mit­ar­bei­ten­den im Land­rats­amt. Wir konn­ten damit aus­sa­ge­kräf­ti­ge Ergeb­nis­se gewin­nen“, erklärt Pro­fes­sor Waf­fen­schmidt. Die Ergeb­nis­se der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung wur­den im Mai in einer wei­te­ren Hybrid­in­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung für alle Mit­ar­bei­ten­den vor­ge­stellt.

Nach einer Klau­sur­ta­gung der Füh­rungs­kräf­te des Land­rats­am­tes, also der Abteilungs‑, Sach­ge­biets- und Stab­stel­len­lei­tern, star­te­te auf Grund­la­ge der Befra­gungs­er­geb­nis­se die Pro­jekt­grup­pen­pha­se mit Ermitt­lung der Opti­mie­rungs­be­dar­fe in den Berei­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on, Zusam­men­ar­beit, Füh­rung und Digi­ta­li­sie­rung des Amtes. „In den ver­gan­ge­nen Wochen haben wir in drei Arbeits­grup­pen zu den drei The­men­fel­dern ‚Füh­rungs­be­zie­hung & Füh­rungs­leit­li­ni­en‘, ‚Zusam­men­ar­beit, Kom­mu­ni­ka­ti­on & Ent­wick­lung‘ sowie ‚Kun­den- und Ser­vice­ori­en­tie­rung, Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on‘ kon­kre­te Ver­bes­se­rungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men zur Umset­zung der Pro­zess­ergeb­nis­se erar­bei­tet. An den Arbeits­grup­pen konn­ten sich alle Mit­ar­bei­ten­den frei­wil­lig betei­li­gen“, erklärt Jür­gen Simon, Abtei­lungs­lei­ter „Zen­tra­le Auf­ga­ben“, der das Pro­jekt gemein­sam mit der Per­so­nal­ver­wal­tung und dem Fach­be­reich Digi­ta­li­sie­rung betreut. Wäh­rend der Per­so­nal­ver­samm­lung, die Anfang Juli statt­ge­fun­den hat, wur­den den Mit­ar­bei­ten­den die ers­ten vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­se der Pro­jekt­grup­pen vor­ge­stellt und auch das wei­te­re Vor­ge­hen skiz­ziert.

„Als wei­te­re Hand­lungs­stra­te­gie wird im Land­rats­amt ein gemein­sa­mes Füh­rungs­ver­ständ­nis ent­wi­ckelt und geziel­te Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Zusam­men­ar­beit – auch res­sort­über­grei­fend – ein­ge­führt. Wich­tig dabei ist die För­de­rung einer wert­schät­zen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur. Auch das pro­zess­ori­en­tier­te Den­ken über Sach­ge­bie­te hin­weg ist ein wich­ti­ger Teil der zukünf­ti­gen Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung“, erklärt Lui­sa Wör­lein. Dazu ist die Qua­li­fi­zie­rung der Füh­rungs­kräf­te im Bereich Handlungs‑, Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Füh­rungs­kom­pe­tenz unab­ding­bar, aber auch aller Beschäf­tig­ten im Bereich der Digi­ta­li­sie­rung, wie zum Bei­spiel im Pro­zess- und Daten­ma­nage­ment. „Alle Maß­nah­men, die in den Pro­jekt­grup­pen mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ent­wi­ckelt wur­den, sol­len im Sep­tem­ber dann wei­ter kon­kre­ti­siert wer­den. Wir wol­len dann unse­re zukünf­ti­gen Füh­rungs­leit­li­ni­en mit der Ziel­set­zung einer guten, wer­te­ba­sier­ten Füh­rung sowie ein Qua­li­fi­zie­rungs­pro­gramm im Herbst fina­li­sie­ren“, erklärt Jür­gen Simon das wei­te­re Vor­ge­hen.

Nach der Ver­ab­schie­dung des Haus­halts für 2026 sol­len die Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men abhän­gig von den vor­han­de­nen Res­sour­cen geplant wer­den und mit der Umset­zung der Maß­nah­men begon­nen wer­den. Ganz wich­tig ist natür­lich ein Eva­lua­ti­ons­kon­zept, um die Wirk­sam­keit und Ziel­er­rei­chung der Maß­nah­men zu über­prü­fen.

Durch den umfas­sen­den Ent­wick­lungs­pro­zess wird das Land­rats­amt als moder­ner Arbeit­ge­ber wei­ter­ent­wi­ckelt, der sich auf die beschrie­be­nen Ver­än­de­run­gen der Arbeits­welt bes­ser ein­stel­len kann. „Letzt­lich pro­fi­tie­ren unse­re Bür­ge­rin­nen und Bür­ger von qua­li­fi­zier­ten und moti­vier­ten Mit­ar­bei­tern in unse­rem Land­rats­amt“, bekräf­tigt Land­rat West­phal.

Bild­un­ter­schrift: Wäh­rend einer Klau­sur­ta­gung der Füh­rungs­kräf­te im Land­rats­amt gaben auch Exper­ten aus Digi­ta­li­sie­rung bzw. Per­so­nal­füh­rung wert­vol­le Impul­se. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen / Clau­dia Wag­ner