Gesundheit vor Ort sichern – jetzt handeln, bevor Lücken entstehen

von | 26. Februar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Weißenburg

Von Eva Reich­stadt (OB-Kan­di­da­tin der Stadt Wei­ßen­burg)

Wie sieht die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in Wei­ßen­burg und im Land­kreis Alt­mühl­fran­ken in zehn Jah­ren aus?
Wer über­nimmt die Haus­arzt­pra­xis, wenn die jet­zi­ge Ärz­tin, der jetz­ti­ge Arzt in den Ruhe­stand geht?
Wo brin­gen jun­ge Fami­li­en ihre Kin­der zur Welt, wenn wei­te­re Abtei­lun­gen ver­schwin­den?

Das sind kei­ne theo­re­ti­schen Fra­gen. Sie betref­fen unse­ren All­tag – und unse­re Zukunft.

Haus­ärz­te: Die stil­le Kri­se

Die haus­ärzt­li­che Ver­sor­gung steht vor einem Gene­ra­tio­nen­wech­sel. Vie­le Pra­xen wer­den in den kom­men­den Jah­ren alters­be­dingt schlie­ßen. In Tei­len des süd­li­chen Land­krei­ses – etwa in Treucht­lin­gen, Ursheim, Hah­nen­kamm oder Lan­gen­alt­heim – haben meh­re­re Pra­xen bereits kei­nen Nach­fol­ger gefun­den. Zum 31. März 2026 wird nach Aus­kunft eines ansäs­si­gen Arz­tes eine wei­te­re haus­ärzt­li­che Gemein­schafts­pra­xis in Treucht­lin­gen schlie­ßen – ohne gesi­cher­te Nach­fol­ge.

Die Fol­gen spü­ren die Men­schen längst: lan­ge War­te­zei­ten, Auf­nah­me­stopps, über­füll­te Pra­xen. Auch bei Fach­ärz­ten – etwa in der Gynä­ko­lo­gie oder Kin­der­heil­kun­de – sind Eng­päs­se Rea­li­tät.

Gleich­zei­tig ist vie­les bereits auf den Weg gebracht wor­den:
Mit der Gesund­heits­re­gi­onplus gibt es eine eta­blier­te Koor­di­na­ti­ons­stel­le. Die Medi­zi­ni­sche Feri­en­aka­de­mie, das BeLA-Pro­gramm und Lehr­pra­xen der Regi­on bin­den Stu­die­ren­de früh­zei­tig ein. Das Kli­nik­sti­pen­di­um schafft Per­spek­ti­ven. Das MVZ Alt­mühl­fran­ken bie­tet Anstel­lungs­mo­del­le.

Doch reicht das?

Ande­re Regio­nen gehen zusätz­li­che Schrit­te. Und auch bei uns stel­len sich berech­tig­te Fra­gen:

Gibt es ein klar kom­mu­ni­zier­tes kom­mu­na­les Nie­der­las­sungs- oder Über­nah­me­för­der­pro­gramm für Haus­ärz­tin­nen und Haus­ärz­te – oder soll­ten wir ein sol­ches Instru­ment prü­fen?

Exis­tie­ren land­kreis­weit koor­di­nier­te Struk­tu­ren, etwa eine Pra­xis­bör­se oder eine fes­te Lot­sen­stel­le für Pra­xis­über­ga­ben – oder könn­ten wir hier Trans­pa­renz und Ver­läss­lich­keit ver­bes­sern?

Wäre ein Sti­pen­di­en­mo­dell denk­bar, das aus­drück­lich an eine spä­te­re haus­ärzt­li­che Tätig­keit im Land­kreis gebun­den ist?

Und bün­deln wir eigent­lich sys­te­ma­tisch jene Fak­to­ren, die über Stand­ort­ent­schei­dun­gen oft mit­ent­schei­den – Wohn­raum­ver­mitt­lung, Part­ner­job-Unter­stüt­zung, gesi­cher­te Kin­der­be­treu­ung, sozia­le Anbin­dung?

Die­se Fra­gen sind kei­ne Kri­tik. Sie sind Ein­la­dung zur Wei­ter­ent­wick­lung.

Ich bin über­zeugt: Nach­wuchs­ge­win­nung ist kei­ne rein ärzt­li­che Auf­ga­be. Sie ist kom­mu­na­le Ver­ant­wor­tung. Wer jun­ge Medi­zi­ner gewin­nen will, muss mehr bie­ten als schö­ne Pra­xis­räu­me – näm­lich Lebens­qua­li­tät, Ver­läss­lich­keit und Per­spek­ti­ve.

Kli­nik und Fach­ärz­te: Ein Stand­ort­vor­teil – wenn wir ihn nut­zen

Der zwei­te gro­ße The­men­kom­plex betrifft die Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken und den nie­der­ge­las­se­nen Fach­ärz­ten.

In einer Zeit, in der die Kran­ken­haus­land­schaft bun­des­weit aus­ge­dünnt wird, ist die Mög­lich­keit, als nie­der­ge­las­se­ner Fach­arzt ope­ra­ti­ve Leis­tun­gen im Kli­ni­kum zu erbrin­gen, bei­na­he ein Allein­stel­lungs­merk­mal unse­res Stand­orts. Für jun­ge Fach­ärz­te kann das ein ent­schei­den­der Anreiz sein.

Doch ein Stand­ort­vor­teil bleibt nur dann einer, wenn er ver­läss­lich nutz­bar ist.

Gleich­zei­tig ste­hen Kli­nik­ab­tei­lun­gen unter Druck. Zer­ti­fi­zie­run­gen sichern Qua­li­tät und Zukunfts­fä­hig­keit. Beson­ders sen­si­bel sind Berei­che wie Geburts­hil­fe und Gynä­ko­lo­gie. Bereits ver­lo­re­ne Abtei­lun­gen zei­gen, wie schnell Sub­stanz schwin­det – und wie schwer sie zurück­zu­ge­win­nen ist.

Es geht hier nicht um Zustän­dig­kei­ten.
Es geht um Ver­ant­wor­tung.

Erfolg­rei­che Bei­spie­le aus ande­ren Regio­nen zei­gen:
Inte­grier­te Ver­sor­gungs­netz­wer­ke, ver­bind­li­che Abstim­mungs­pro­zes­se zwi­schen Kli­nik und Pra­xen, digi­ta­le Fall­kon­fe­ren­zen oder gemein­sa­me Aus­bil­dungs­mo­del­le stär­ken bei­de Sei­ten.

Was es braucht, ist kein Gegen­ein­an­der – son­dern ein struk­tu­rier­tes Mit­ein­an­der.

Mit­ein­an­der reden – nicht über­ein­an­der

Für mich steht fest: Eine zukunfts­fä­hi­ge Ver­sor­gungs­struk­tur ent­steht nur durch kon­ti­nu­ier­li­che Abstim­mung. Nicht im Kon­flikt­mo­dus, son­dern im Dia­log. Nicht in Kon­kur­renz, son­dern in Ergän­zung.

Das bedeu­tet:

  • ver­läss­li­che Koope­ra­ti­ons­struk­tu­ren,
  • trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on,
  • gemein­sa­me Per­so­nal- und Ver­sor­gungs­pla­nung,
  • und den Mut, bestehen­de Instru­men­te zu prü­fen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Gesund­heits­ver­sor­gung ist Daseins­vor­sor­ge. Viel­leicht die wich­tigs­te.

Sie ent­schei­det dar­über, ob sich jun­ge Fami­li­en hier ansie­deln.
Sie ent­schei­det dar­über, ob älte­re Men­schen wohn­ort­nah betreut wer­den.
Sie ent­schei­det dar­über, ob unse­re Regi­on attrak­tiv bleibt.

Ich bin bereit, die­sen Weg gemein­sam mit Stadt, Land­kreis, Kli­nik, nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten und allen Betei­lig­ten zu gehen – unab­hän­gig von Zustän­dig­kei­ten und Par­tei­gren­zen.

Denn Gesund­heit ist kein Wahl­kampf­the­ma.
Sie ist Zukunfts­po­li­tik.

Foto: Eva Reich­stadt