Von Eva Reichstadt (OB-Kandidatin der Stadt Weißenburg)
Wie sieht die medizinische Versorgung in Weißenburg und im Landkreis Altmühlfranken in zehn Jahren aus?
Wer übernimmt die Hausarztpraxis, wenn die jetzige Ärztin, der jetztige Arzt in den Ruhestand geht?
Wo bringen junge Familien ihre Kinder zur Welt, wenn weitere Abteilungen verschwinden?
Das sind keine theoretischen Fragen. Sie betreffen unseren Alltag – und unsere Zukunft.
Hausärzte: Die stille Krise
Die hausärztliche Versorgung steht vor einem Generationenwechsel. Viele Praxen werden in den kommenden Jahren altersbedingt schließen. In Teilen des südlichen Landkreises – etwa in Treuchtlingen, Ursheim, Hahnenkamm oder Langenaltheim – haben mehrere Praxen bereits keinen Nachfolger gefunden. Zum 31. März 2026 wird nach Auskunft eines ansässigen Arztes eine weitere hausärztliche Gemeinschaftspraxis in Treuchtlingen schließen – ohne gesicherte Nachfolge.
Die Folgen spüren die Menschen längst: lange Wartezeiten, Aufnahmestopps, überfüllte Praxen. Auch bei Fachärzten – etwa in der Gynäkologie oder Kinderheilkunde – sind Engpässe Realität.
Gleichzeitig ist vieles bereits auf den Weg gebracht worden:
Mit der Gesundheitsregionplus gibt es eine etablierte Koordinationsstelle. Die Medizinische Ferienakademie, das BeLA-Programm und Lehrpraxen der Region binden Studierende frühzeitig ein. Das Klinikstipendium schafft Perspektiven. Das MVZ Altmühlfranken bietet Anstellungsmodelle.
Doch reicht das?
Andere Regionen gehen zusätzliche Schritte. Und auch bei uns stellen sich berechtigte Fragen:
Gibt es ein klar kommuniziertes kommunales Niederlassungs- oder Übernahmeförderprogramm für Hausärztinnen und Hausärzte – oder sollten wir ein solches Instrument prüfen?
Existieren landkreisweit koordinierte Strukturen, etwa eine Praxisbörse oder eine feste Lotsenstelle für Praxisübergaben – oder könnten wir hier Transparenz und Verlässlichkeit verbessern?
Wäre ein Stipendienmodell denkbar, das ausdrücklich an eine spätere hausärztliche Tätigkeit im Landkreis gebunden ist?
Und bündeln wir eigentlich systematisch jene Faktoren, die über Standortentscheidungen oft mitentscheiden – Wohnraumvermittlung, Partnerjob-Unterstützung, gesicherte Kinderbetreuung, soziale Anbindung?
Diese Fragen sind keine Kritik. Sie sind Einladung zur Weiterentwicklung.
Ich bin überzeugt: Nachwuchsgewinnung ist keine rein ärztliche Aufgabe. Sie ist kommunale Verantwortung. Wer junge Mediziner gewinnen will, muss mehr bieten als schöne Praxisräume – nämlich Lebensqualität, Verlässlichkeit und Perspektive.
Klinik und Fachärzte: Ein Standortvorteil – wenn wir ihn nutzen
Der zweite große Themenkomplex betrifft die Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Altmühlfranken und den niedergelassenen Fachärzten.
In einer Zeit, in der die Krankenhauslandschaft bundesweit ausgedünnt wird, ist die Möglichkeit, als niedergelassener Facharzt operative Leistungen im Klinikum zu erbringen, beinahe ein Alleinstellungsmerkmal unseres Standorts. Für junge Fachärzte kann das ein entscheidender Anreiz sein.
Doch ein Standortvorteil bleibt nur dann einer, wenn er verlässlich nutzbar ist.
Gleichzeitig stehen Klinikabteilungen unter Druck. Zertifizierungen sichern Qualität und Zukunftsfähigkeit. Besonders sensibel sind Bereiche wie Geburtshilfe und Gynäkologie. Bereits verlorene Abteilungen zeigen, wie schnell Substanz schwindet – und wie schwer sie zurückzugewinnen ist.
Es geht hier nicht um Zuständigkeiten.
Es geht um Verantwortung.
Erfolgreiche Beispiele aus anderen Regionen zeigen:
Integrierte Versorgungsnetzwerke, verbindliche Abstimmungsprozesse zwischen Klinik und Praxen, digitale Fallkonferenzen oder gemeinsame Ausbildungsmodelle stärken beide Seiten.
Was es braucht, ist kein Gegeneinander – sondern ein strukturiertes Miteinander.
Miteinander reden – nicht übereinander
Für mich steht fest: Eine zukunftsfähige Versorgungsstruktur entsteht nur durch kontinuierliche Abstimmung. Nicht im Konfliktmodus, sondern im Dialog. Nicht in Konkurrenz, sondern in Ergänzung.
Das bedeutet:
- verlässliche Kooperationsstrukturen,
- transparente Kommunikation,
- gemeinsame Personal- und Versorgungsplanung,
- und den Mut, bestehende Instrumente zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge. Vielleicht die wichtigste.
Sie entscheidet darüber, ob sich junge Familien hier ansiedeln.
Sie entscheidet darüber, ob ältere Menschen wohnortnah betreut werden.
Sie entscheidet darüber, ob unsere Region attraktiv bleibt.
Ich bin bereit, diesen Weg gemeinsam mit Stadt, Landkreis, Klinik, niedergelassenen Ärzten und allen Beteiligten zu gehen – unabhängig von Zuständigkeiten und Parteigrenzen.
Denn Gesundheit ist kein Wahlkampfthema.
Sie ist Zukunftspolitik.
Foto: Eva Reichstadt


