Globale Perspektiven auf den ländlichen Raum: Internationale Studierende zu Gast in Pappenheim

von | 1. Juli 2025 | Altmühlfranken, Treuchtlingen, Weißenburg

Pap­pen­heim (red). Länd­li­che Räu­me ste­hen vor Her­aus­for­de­run­gen. In Deutsch­land sind es Fra­gen der Mobi­li­tät, des demo­gra­fi­schen Wan­dels, der Nah­ver­sor­gung und der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung. In Län­dern des Glo­ba­len Südens ist die Lage ungleich dra­ma­ti­scher, häu­fig man­gelt es an der Grund­ver­sor­gung, also an sau­be­rem Was­ser, Strom oder Nah­rungs­mit­teln – mit gra­vie­ren­den Fol­gen für das per­sön­li­che Wohl­be­fin­den, Gesund­heit, Bil­dung und die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Men­schen vor Ort.

Wer ursprüng­lich aus Afri­ka, Latein­ame­ri­ka, Ost­eu­ro­pa oder Asi­en stammt und inzwi­schen an einer deut­schen Uni­ver­si­tät oder Hoch­schu­le stu­diert, erhält mit dem Bil­dungs­pro­jekt „STUBE“ eine wert­vol­le Mög­lich­keit, sich mit die­sen The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen. Seit über 25 Jah­ren bie­tet STUBE inter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den Raum für ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Bil­dung und nach­hal­ti­ges Enga­ge­ment. Trä­ger von STUBE sind Mis­si­on EineWelt und die Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Bay­ern, geför­dert wird es zusätz­lich von dem Spen­den­werk Brot für die Welt.

Damit ver­bun­den ist das Ziel, dass aus­län­di­sche Stu­die­ren­de über das Stu­di­um hin­aus befä­higt wer­den, sich für die Ent­wick­lung ihres Lan­des ein­zu­set­zen. Vor die­sem Hin­ter­grund fand ein Wochen­end­se­mi­nar im Evan­ge­li­schen Bil­dungs­zen­trum Pap­pen­heim statt, bei dem sich knapp 30 Stu­die­ren­de aus 14 Län­dern mit dem The­ma „Leben und demo­kra­ti­sche Teil­ha­be im länd­li­chen Deutsch­land und welt­weit“ beschäf­tig­ten. Geför­dert durch die Evan­ge­li­sche Jugend in Deutsch­land (aej) im Auf­trag des BMZ, fand das Semi­nar in Koope­ra­ti­on mit der auf dem Hes­sel­berg ange­sie­del­ten Evan­ge­li­schen Fach­stel­le für Länd­li­che Räu­me statt.

Den Auf­takt mach­te Peter Schlee von der Fach­stel­le für Länd­li­che Räu­me, der einen Über­blick über die Ent­wick­lun­gen, Poten­zia­le und Her­aus­for­de­run­gen länd­li­cher Regio­nen in Deutsch­land gab. Die Fra­ge, wie Demo­kra­tie und Teil­ha­be in länd­li­chen Räu­men gestal­tet wer­den kann, zog sich wie ein roter Faden durch das Semi­nar. Dabei erwies sich der Ort Pap­pen­heim als idea­ler Aus­gangs­punkt, um
die geleb­te Pra­xis erfahr­bar zu machen: Die 3. Bür­ger­meis­te­rin Chris­ta Seu­berth berich­te­te, wie Ent­schei­dun­gen zu länd­li­cher Ent­wick­lung oder zu Bau­vor­ha­ben in der Kom­mu­nal­po­li­tik dis­ku­tiert und beschlos­sen wer­den. Am Bei­spiel des „K14 Haus der Bür­ger“ konn­te ver­mit­telt wer­den, wie ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment in Ver­ei­nen zur Attrak­ti­vi­tät länd­li­cher Räu­me bei­tra­gen kann.

In einem Work­shop mit Pas­cal Hanisch von Pro­fil Zei­gen e.V. wur­den die Ent­wick­lung demo­kra­ti­scher Struk­tu­ren sowie die Vor­aus­set­zun­gen und Her­aus­for­de­run­gen, die mit deren Ent­ste­hung und Erhalt ver­bun­den sind, dis­ku­tiert. Glo­ba­le Per­spek­ti­ven auf länd­li­che Räu­me run­de­ten das Semi­nar ab. Ange­lei­tet von der Pap­pen­hei­mer Kreis­rä­tin Anet­te Papp­ler teil­ten Stu­die­ren­de ihre Erfah­run­gen zu länd­li­chen Regio­nen im Glo­ba­len Süden, in denen Ungleich­hei­ten oder die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels oft sehr deut­lich spür­bar sind. Gleich­zei­tig ent­stün­den, so die Stu­die­ren­den, dort krea­ti­ve For­men der Gemein­schaft und des Mit­ein­an­ders, die Mit­be­stim­mung ermög­li­chen – Ansät­ze, von denen  auch der Glo­ba­le Nor­den viel ler­nen kann.

Das STU­BE-Semi­nar in Pap­pen­heim ver­deut­lich­te: Länd­li­che Räu­me sind kei­ne Rand­zo­nen der Demo­kra­tie – weder in Deutsch­land noch welt­weit, son­dern leben­di­ge Zen­tren zivil­ge­sell­schaft­li­cher Kraft, sozia­ler Inno­va­ti­on und gemein­sa­mer Ver­ant­wor­tung. Für die inter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den war das Semi­nar weit mehr als rei­ne Wis­sens­ver­mitt­lung – es war eine Inspi­ra­ti­on, sich in ihren Hei­mat­län­dern und dar­über hin­aus für gerech­te­re Gesell­schaf­ten ein­zu­set­zen.

Bild­un­ter­schrift: Das Foto zeigt die Semi­nar­teil­neh­mer vor dem Pap­pen­hei­mer Rat­haus. Foto: STU­BE-Bay­ern­/Heil­mann