Grüne Fraktion Gunzenhausen

von | 17. Dezember 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Zum neu eröff­ne­ten Kli­ma­platz in der Waag­stra­ße

Gun­zen­hau­sen — Die Grü­ne Frak­ti­on im Stadt­rat Gun­zen­hau­sen begrüßt das Anlie­gen der Stadt, mit dem neu­en Kli­ma­platz in der Waag­stra­ße ein Zei­chen für Kli­ma­an­pas­sung und Auf­ent­halts­qua­li­tät zu set­zen. Bei genau­er Betrach­tung zeigt sich jedoch, dass der Platz die­ses Ziel bis­lang über­wie­gend sym­bo­lisch erfüllt und nur begrenzt kli­ma­tisch wirk­sam ist.

Wohl wis­send, dass der­zeit Win­ter ist und vie­le Pflan­zen erst im Früh­jahr aus­trei­ben wer­den, wird den­noch deut­lich, dass die umfang­rei­chen Pflas­ter­flä­chen die Flä­che stark ver­sie­geln und kaum zur Abküh­lung bei­tra­gen. Der ein­ge­bau­te Was­ser­lauf ist zwar als Gestal­tungs­ele­ment sicht­bar, in sei­ner schma­len und tech­nisch geführ­ten Form jedoch wenig geeig­net, die Tem­pe­ra­tur­ent­wick­lung im Som­mer spür­bar zu beein­flus­sen. Auch die bis­he­ri­ge Bepflan­zung lässt bis­lang kei­nen Grün­raum erken­nen, der öko­lo­gi­sche Funk­tio­nen erfüllt oder zu einer mess­ba­ren Ver­bes­se­rung des Mikro­kli­mas bei­trägt.

Ein wesent­li­cher Punkt der Kri­tik betrifft die Men­ge der Hart­flä­chen. Bar­rie­re­freie Wege sind selbst­ver­ständ­lich not­wen­dig – doch über die­se funk­tio­na­len Berei­che hin­aus wur­de deut­lich mehr Pflas­ter ver­baut, als für einen kli­ma­wirk­sa­men Platz sinn­voll wäre. Auch die Ver­wen­dung von Ökopf­las­ter ändert dar­an wenig: Zwar lässt es Regen­was­ser ver­si­ckern, doch als Mate­ri­al bleibt es eine Stein­flä­che, die sich im Som­mer auf­heizt und kei­ne öko­lo­gi­sche Wir­kung ent­fal­ten kann.

Die gesetz­ten Ligus­ter­pflan­zun­gen gel­ten dar­über hin­aus als öko­lo­gisch wenig wert­voll, da sie nur weni­gen Insek­ten­ar­ten Nah­rung bie­ten und kaum zur För­de­rung der Bio­di­ver­si­tät bei­tra­gen. Unter einem der neu gepflanz­ten Bäu­me wur­de zudem groß­zü­gig Lav­amulch ein­ge­setzt. Mine­ra­li­scher Mulch kann sich stark erhit­zen und eig­net sich unter Laub­bäu­men nur bedingt, da er die natür­li­che Ent­wick­lung eines leben­di­gen Ober­bo­dens behin­dert. 

Zwar wur­den eini­ge schat­ten­spen­den­de Bäu­me gesetzt, deren posi­ti­ve Wir­kung sich aber erst mit­tel- bis lang­fris­tig ent­fal­ten wird. Ins­ge­samt bleibt der Ein­druck bestehen, dass der Platz stär­ker auf ästhe­ti­sche Wir­kung und Sym­bo­lik aus­ge­rich­tet ist als auf ech­te kli­ma­ti­sche Funk­ti­on. Für einen „Kli­ma­platz“ wären deut­lich mehr natur­na­he Vege­ta­ti­ons­flä­chen, insek­ten­freund­li­che Pflan­zun­gen und ein öko­lo­gisch inte­grier­ter Was­ser­lauf not­wen­dig gewe­sen, der spür­ba­re Küh­lung erzeugt.

Wie sich der Platz im All­tag bewährt und wel­che Wir­kung er tat­säch­lich ent­fal­tet, wird sich erst zei­gen. In sei­ner jet­zi­gen Form erfüllt der Kli­ma­platz vor allem einen reprä­sen­ta­ti­ven Anspruch – den kli­ma­ti­schen hin­ge­gen nur in Ansät­zen.

Foto: Bri­git­te Dorr