Gunzenhäuser Konzertreihe – Begeisternder Auftakt mit dem Morgenstern Trio

von | 14. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he ist ein kul­tu­rel­les Klein­od für Klas­sik-Enthu­si­as­ten. Das musi­ka­li­sche Ange­bot wird immer belieb­ter und so stei­gen die Besu­cher­zah­len von Jahr zu Jahr. Beson­ders deut­lich wird dies beim Ver­gleich der Abo-Zah­len. Wur­den für die Sai­son 23/24 noch 129 Dau­er­kar­ten ver­kauft, zäh­len wir aktu­ell bereits 159. Ver­gan­ge­nen Sonn­tag ging es wie­der los, zum Auf­takt gas­tier­te das preis­ge­krön­te Mor­gen­stern Trio in der Stadt­hal­le. Fast 200 Zuschau­er erleb­ten Klas­sik der inter­na­tio­na­len Spit­zen­klas­se.

Der Dich­ter Chris­ti­an Mor­gen­stern war spitz­fin­dig, raf­fi­niert und humor­voll. Sein teils absur­der Sprach­witz sucht sei­nes­glei­chen, es ist schlicht­weg ein Genuss, in die Tie­fen sei­nes lite­ra­ri­schen Wer­kes ein­zu­tau­chen. Das nach ihm benann­te Mor­gen­stern Trio wan­delt auf sei­nen Pfa­den und das musi­ka­lisch, mit Scharf­sinn und dem Gespür für das Beson­de­re. Cathe­ri­ne Kip­fel am Kla­vier, Ste­fan Hem­pel an der Vio­li­ne und Ema­nu­el Weh­se am Vio­lon­cel­lo beherr­schen die gesam­te Band­brei­te an Emo­tio­nen. Natür­lich hat Chris­ti­an Mor­gen­stein nicht kom­po­niert, es geht viel­mehr um sein Bestre­ben, Ste­reo­ty­pe bzw. die Ebe­ne des Gewöhn­li­chen zu durch­bre­chen und damit häu­fig Zitier­tes bzw. Inter­pre­tier­tes auf eine neue Ebe­ne zu hie­ven. Das Mor­gen­stern Trio spielt Musik nicht nur, es defi­niert sie. Im Ergeb­nis war ein Klas­sik­kon­zert sel­ten so mit­rei­ßend, wie es der Auf­tritt der drei beschei­de­nen Musi­ker in der Stadt­hal­le war.

Wie viel Haydn oder Mozart letzt­end­lich in Beet­ho­vens G‑Dur-Trio steckt, wir wer­den dar­über auch künf­tig nur spe­ku­lie­ren kön­nen. Dem Ver­fas­ser die­ser Zei­len gefällt jedoch die auf­fal­len­de Eigen­stän­dig­keit des Vio­lon­cel­los und die auf­drän­gen­de Viel­fäl­tig­keit, mit dem Beet­ho­ven als 23-jäh­ri­ger das Kla­vier­trio neu zeich­ne­te. Das Mor­gen­stern Trio geht bei der Inter­pre­ta­ti­on der Kom­po­si­ti­on ganz sinn­lich vor und ent­wi­ckelt ein musi­ka­li­sches Katz-und-Maus-Spiel. Details wer­den nicht nur durch Töne betont, son­dern auch durch Ges­ten, es ent­wi­ckelt sich schnell ein begeis­tern­der Sog. So sind die Abschnit­te vol­ler Höhe­punk­te, sen­si­ble Tie­fen fol­gen auf schnell gespiel­te Pas­sa­gen, humo­ris­ti­sche Ele­men­te auf träu­me­ri­sche Soli.

Imma­nu­el Kant soll ein­mal auf das Meer geblickt haben und vor Ergrif­fen­heit fast ohn­mäch­tig gewor­den sein. Die Erha­ben­heit des Ele­ments Was­ser hat­te ihn zutiefst berührt. In solch einem seli­gen Moment stellt sich Gän­se­haut ein und posi­ti­ve Gefüh­le trot­zen allen Wider­stän­den. Men­schen, die so emp­fin­den, wer­den von Glück heim­ge­sucht. Musik kann Ähn­li­ches bewir­ken und Anker sein, manch­mal gar das Leben ver­än­dern. Das Mor­gen­stern Trio weiß um die Bedeu­tung und leg­te in Gun­zen­hau­sen einen tonal-berau­schen­den, Endor­phin aus­schüt­ten­den Klang­tep­pich über das Publi­kum.

Ein sel­ten gespiel­tes Dickicht vol­ler Emo­tio­nen sind die irlän­di­schen Volks­lie­der von Frank Mar­tin. Die Tem­pi vari­ie­ren, außer­dem die Laut­stär­ke. Es klingt teil­wei­se schräg, ist aber unfass­bar gehalt­voll und mit­rei­ßend. Dage­gen ist das Kla­vier­trio f‑Moll op. 65 des Strei­chers Antonín Dvor­ák vol­ler süßer Melan­cho­lie, manch­mal klang­dun­kel, ein anders Mal ein schier unend­li­ches Lie­bes­lied an die klas­si­sche Musik. Die bei­den Streich­in­stru­men­te schie­nen in Trance und hauch­ten Melo­dien zum sanft gespiel­ten, teils aber auch wie rasend wir­ken­den Kla­vier. Die­se Inter­pre­ta­ti­on des Mor­gen­stern Tri­os war pure Poe­sie, roman­ti­sche Kam­mer­mu­sik, wie es sie nur in Aus­nah­me­fäl­len zu genie­ßen gibt.

Die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he kehrt am 24. Novem­ber 2024 mit dem kon­ge­nia­len Duo Mat­vey Demin (Quer­flö­te) und Gleb Koro­l­eff (Kla­vier) nach Gun­zen­hau­sen in die Stadt­hal­le zurück. Kar­ten gibt es wie gewohnt im Vor­ver­kauf über das städ­ti­sche Kul­tur­bü­ro (Tel.: 09831/508 109; E‑Mail: kulturamt@gunzenhausen.de). Die Kon­zert­rei­he wird von den Ver­ei­nig­ten Spar­kas­sen Gun­zen­hau­sen finan­zi­ell unter­stützt.

Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Gros­ser