Gunzenhäuser Konzertreihe – Die Teufelsgeigerin und der Gentleman

von | 29. Februar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). „So leicht kann Musik klin­gen“, schrieb einst die Süd­deut­sche Zei­tung über die Gei­ge­rin Tian­wa Yang. Eine Unter­trei­bung, sucht sich die Welt­klas­s­einstru­men­ta­lis­tin doch in der Regel Stü­cke aus, bei denen der Zuhö­rer­schaft auf­grund der Kom­ple­xi­tät und Geschwin­dig­keit nicht sel­ten der Gehör­gang brummt. Tian­wa Yang bewegt sich in den Sphä­ren eines Nic­colò Paga­ni­ni oder Geor­ge Bridge­tower. Ihre musi­ka­li­schen Küns­te beschrei­ben zu wol­len, als Rezen­sent könn­te man auch ver­geb­lich ver­su­chen, gegen die Erha­ben­heit des Mee­res anzu­schrei­ben. Mit Hai­ou Zhang am Flü­gel bil­det sie ein exzel­len­tes Duo, qua­si die Cham­pi­ons-League der klas­si­schen Musik. Ver­gan­ge­nen Sonn­tag durf­ten Freun­de der Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he die bei­den in der Stadt­hal­le hören und sehen.

Tian­wa Yang ist purer Wil­le. Wäh­rend des Spiels spornt sie sich und ihre Gei­ge zu immer neu­en Höchst­leis­tun­gen an. Mit ver­sun­ke­nem, hoch­kon­zen­trier­ten Gesichts­aus­druck bezwingt sie die schwie­rigs­ten Läu­fe und pro­du­ziert dabei Töne in abso­lu­ter Rein­heit. Ihr per­for­ma­ti­ves Spiel ist ein Schaf­fens­pro­zess vol­ler Schön­heit und Ele­ganz. Das Publi­kum schaut und hört gebannt zu, fin­det dadurch inne­re Ruhe und darf einen sel­te­nen Augen­blick auf den musi­ka­li­schen Kern gro­ßer Kom­po­si­tio­nen wer­fen. Der ele­gan­te Hai­ou Zhang kann einem fast leid­tun, spielt er zwar groß­ar­tig und vol­ler Wür­de, geht im Wir­bel Tian­wa Yangs jedoch unter. Die Per­for­mance der Teu­fels­gei­ge­rin saugt sei­ne Prä­senz förm­lich auf.

Dabei ist auch er ein gro­ßer Star der Sze­ne, sei­ne Mozart-Auf­nah­men mit den Hei­del­ber­ger Sin­fo­ni­kern wur­den gar als Sound­track für die erfolg­rei­che Net­flix-Serie „Haus des Gel­des“ aus­ge­wählt. In Gun­zen­hau­sen kon­zen­trier­te er sich auf den gro­ßen Beet­ho­ven, spiel­te die Früh­lings- und die Kreut­zer­so­na­te mit exzel­len­ter Bra­vour. Gera­de Letz­te­re heiz­te dem Publi­kum auf­grund sei­ner Kom­ple­xi­tät mäch­tig ein, han­delt es sich doch weni­ger um gewöhn­li­che Kam­mer­mu­sik, als um ein inno­va­ti­ves, teil­wei­se sehr selt­sa­mes Solo­stück für Vio­li­ne und Kla­vier.

High­light eines wun­der­ba­ren Kon­zert­abends war die rasan­te Inter­pre­ta­ti­on von „Nost­al­gia“, eines außer­ge­wöhn­li­chen Stücks des chi­ne­si­schen Gei­gen­vir­tuo­sen Ma Sicong. Im Ori­gi­nal mit „Lied der Heim­weh“ über­schrie­ben, kumu­lie­ren die groß­ar­ti­gen Zei­len die gan­ze Band­brei­te gro­ßer Gefüh­le. Es gibt Wer­ke, die rei­ßen einen förm­lich mit, die Zuhö­rer­schaft pen­delt zwi­schen leich­ter Melan­cho­lie und aus­ge­las­se­ner Fröh­lich­keit. In den Hän­den von Tian­wa Yang und Hai­ou Zhang wird „Nost­al­gia“ zum emo­tio­na­len Dresch­fle­gel, die Kom­po­si­ti­on ist pure Gän­se­haut.

Mit der Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he geht es am Sonn­tag, 21. April 2024, um 19.30 Uhr in der Stadt­hal­le wei­ter. Dann erwar­tet das Publi­kum das gefei­er­te Fau­ré Kla­vier­quar­tett. Nähe­re Infor­ma­tio­nen hier­zu gibt es unter www.gunzenhausen.info. Die Kon­zert­rei­he wird durch die Ver­ei­nig­ten Spar­kas­sen Gun­zen­hau­sen finan­zi­ell unter­stützt.

Foto: Stadt Gunzenhausen/Astrid Stieg­litz