Gunzenhäuser Konzertreihe – Duo Fortezza, das musikalische Stimmungsbarometer

von | 6. Februar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red). Es klingt furcht­bar kit­schig, doch Musik ist manch­mal mehr als eine Kom­bi­na­ti­on von Tönen und Klän­gen. In den rich­ti­gen Hän­den ist Musik erha­ben, eine sinn­li­che Erfah­rung, die tief in die See­le eines Men­schen dringt und Her­zen bewe­gen kann. Einen sol­chen ein­drucks­vol­len Moment durf­te das klas­sik­af­fi­ne Publi­kum ver­gan­ge­nen Sonn­tag in der Gun­zen­häu­ser Stadt­hal­le erle­ben. Dort tra­ten zwei musi­ka­li­sche See­len­flüs­te­rer im Rah­men der Kon­zert­rei­he auf.

Das arme­nisch-bas­ki­sche Duo For­tez­za berührt zu Trä­nen, bringt zum Lachen und sorgt für Gän­se­haut. Oft lie­gen zwi­schen die­sen kör­per­li­chen Reak­tio­nen nur weni­ge Momen­te. Es ist daher wohl Kal­kül, dass Enri­que Ugar­te und Kory­un Asatry­an die vor­her ver­öf­fent­lich­te Set­list nur als „Emp­feh­lung“ wahr­nah­men. Im Lau­fe des Kon­zerts über­rasch­ten sie mehr­mals und reagier­ten auf Stim­mun­gen des Publi­kums durch einen Wech­sel der Titel. Das ist fies, ist es der regel­mä­ßi­ge Zuhö­rer doch gewohnt, das Pro­gramm­heft in der Hand zu hal­ten und sich an einer fes­ten Rei­hen­fol­ge der Stü­cke abzu­ar­bei­ten. Nun war er den begna­de­ten Musi­kern aus­ge­lie­fert, emo­tio­nal unbe­waff­net und einem Sog der Gefüh­le aus­ge­setzt.

Enri­que Ugar­te und Kory­un Asatry­an küm­mert es nicht, ob Mozart für ein gan­zes Orches­ter geschrie­ben hat, Gio­ra Feid­man für sei­ne Klez­mer­stü­cke ger­ne Kla­ri­net­ten gehabt hät­te oder Vitto­rio Mon­ti Gei­gen für sei­nen Czar­das bevor­zug­te. Wenn die bei­den ein Werk gut fin­den, dann wird es ange­passt und modi­fi­ziert, bis es am Ende nach unzäh­li­gen Fein­ar­bei­ten den Klang­wel­ten von Akkor­de­on und Saxo­phon ent­spricht. Es steckt wahn­sin­nig viel Schaf­fens­kraft und Ener­gie in die­sen Umar­bei­tun­gen, der Klang- und Aus­drucks­kor­ri­dor des Duos kennt – rein gefühls­mä­ßig – kei­ne wahr­nehm­ba­ren Gren­zen. Es ist schlicht­weg phä­no­me­nal den bei­den Aus­nah­me­künst­lern lau­schen zu dür­fen.

Liber­t­an­go von Astor Piaz­zolla oder der Säbel­tanz von Aram Chat­scha­tur­jan waren bekann­te­re Stü­cke an die­sem über­ra­schen­den Abend. Con­tra­ba­jean­do (Astor Pia­zolla), Uf dem Anger (Carl Orff) oder La Fies­ta (Chick Corea) wer­den dage­gen sel­te­ner auf Klas­sik­büh­nen gespielt. Mit dem spa­nisch-ame­ri­ka­ni­schen Jazz­pia­nis­ten war Enri­que Ugar­te per­sön­lich befreun­det, sein Tod 2021 muss eine gro­ße Lücke beim sym­pa­thi­schen Musi­ker hin­ter­las­sen haben. Sein melan­cho­li­sches Akkor­de­on­spiel beim Stück Spain rühr­te daher wohl auch aus per­sön­li­chen Grün­den zu Trä­nen, vor allem die nicht hör­ba­ren Töne gli­chen klei­nen Nadel­sti­chen tief in die See­le eines jeden Zuhö­ren­den. Sein kon­ge­nia­ler Part­ner Kary­un Asatry­an hat­te alle Tas­ten voll zu tun, leg­te aber nach und nach eine fröh­li­che­re Klang­scha­blo­ne über das Aus­gangs­ma­te­ri­al. Her­aus kam ein Meis­ter­werk mit Tief­gang und Raf­fi­nes­se. Hier haben sich zwei groß­ar­ti­ge Musi­ker gefun­den, die auch als Men­schen offen­bar wun­der­bar har­mo­nie­ren und Gefüh­len durch Instru­men­ten Aus­druck geben. Völ­lig zurecht wur­de das Duo For­tez­za am Ende mit Stan­dig Ova­ti­on bedacht.

Mit der Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he geht es am Sonn­tag, 25. Febru­ar 2024, um 19.30 Uhr in der Stadt­hal­le wei­ter. Dann tre­ten die Vio­li­nis­tin Tian­wa Yang und der Pia­nist Hai­ou Zhang auf. Nähe­re Infor­ma­tio­nen hier­zu gibt es unter www.gunzenhausen.info. Die Kon­zert­rei­he wird durch die Ver­ei­nig­ten Spar­kas­sen Gun­zen­hau­sen finan­zi­ell unter­stützt.

Foto: Stadt Gun­zen­hau­sen