Gunzenhäuser Street Art Festival

von | 24. Juli 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Wäh­rend Kunst im klas­si­schen Sin­ne ein Stück Ewig­keit reprä­sen­tiert, wird das Kon­zept des Street Arts von der Ver­gäng­lich­keit ange­trie­ben. Geschich­te ist per­ma­nent in Bewe­gung und so ver­än­dern sich auch Street Art-Kunst­wer­ke — einem leben­di­gen Orga­nis­mus gleich — bis hin zur voll­stän­di­gen Auf­lö­sung. Die oft­mals mit opti­schen Effek­ten ver­se­he­nen Bil­der ent­ste­hen in der Regel drau­ßen, auf dem Asphalt, auf der Stra­ße, eher sel­te­ner an Wän­den oder auf gro­ben Pflas­ter­stei­nen. Man­che Wer­ke wir­ken lebens­echt, sind rie­sig dimen­sio­niert und las­sen sich nur von einem bestimm­ten Punkt aus über­haupt als zusam­men­hän­gen­de Kom­po­si­ti­on erken­nen. Sol­che span­nen­den Bil­der kön­nen momen­tan in der Gun­zen­häu­ser Innen­stadt bewun­dert wer­den. Sie sind das Ergeb­nis des Street Art Fes­ti­vals, bei dem inter­na­tio­nal-ange­sag­te Künst­le­rin­nen und Künst­ler Spu­ren hin­ter­las­sen haben.

„Gun­zen­hau­sen fei­ert gera­de Kunst­wo­chen“, lacht Jea­nette Holz­schuh vom Stadt­mar­ke­ting Gun­zen­hau­sen e.V., der das Street Art Fes­ti­val zusam­men mit der Stadt Gun­zen­hau­sen ver­an­stal­tet hat. „Erst der Skulp­tu­ren­weg, dann die Ein­wei­hung des Jubi­lä­ums­kunst­werks im Rat­haus­foy­er – da dürf­te für jedes Auge etwas dabei gewe­sen sein. Street Art ist natür­lich etwas ganz Beson­ders, denn es gibt welt­weit nur eine Hand­voll ernst­zu­neh­men­der Künst­le­rin­nen und Künst­ler. Eini­ge der Talen­tier­tes­ten durf­ten wir in der Gun­zen­häu­ser Innen­stadt bei ihrer Arbeit beob­ach­ten.“

Street Art, das ist auch die Fra­ge nach der Exis­tenz von Wirk­lich­keit. Geben die Moti­ve die Rea­li­tät wie­der, oder sehen wir frei nach Gil­les Deleu­ze in ers­ter Linie eine phi­lo­so­phi­sche Inter­pre­ta­ti­on, los­ge­löst von Raum und Zeit? Street Art löst nach die­ser Logik eine Gedan­ken­be­we­gung aus, Betrach­te­rin­nen und Betrach­ter spin­nen sich ihre eige­nen Geschich­ten um das jewei­li­ge Bild. Street Art wäre damit eine moder­ne Wei­ter­ent­wick­lung von Kunst, qua­si Neo-Art.

„Die Bil­der sind wun­der­schön, die dahin­ter ver­steck­ten Geschich­ten aller­dings noch bes­ser“, erklärt Mat­thi­as Hörr von der städ­ti­schen Wirt­schafts­för­de­rung. Wäh­rend die künst­le­ri­sche Lei­tung des Street Art Fes­ti­vals, die Deut­sche Fred­da Wou­ters, den Abgang zu einem „Blas­kel­ler“ als Gegen­stück zum Blas­turm mal­te, beschäf­tig­te sich bei­spiels­wei­se der Argen­ti­ni­er Edu­ar­do Rele­ro mit der prä­his­to­ri­schen Früh­ge­schich­te. His­to­risch nicht ganz kor­rekt, schickt das weib­li­che Fami­li­en­ober­haupt den Mann zum Dino­ja­gen, der Koch­topf ist näm­lich leer.

Die Bel­gie­rin Son­ja Maze­re­el setz­te sich mit der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on aus­ein­an­der und inter­pre­tier­te in ihrem „QR-Code-Zebra“-Bild den Ein­fluss vir­tu­el­ler Momen­te in das täg­li­che Leben. Vera Bug­at­ti aus Ita­li­en ließ die Pup­pen tan­zen und mal­te ein ein­drucks­vol­les Mario­net­ten­spiel. Der fünf­te Künst­ler Cubo­li­qui­do kommt eben­falls aus Ita­li­en und prä­sen­tier­te eine Floh­markt­si­tua­ti­on, in der ein älte­rer Herr unter ande­rem selbst­ge­bau­te Robo­ter ver­kauft, ein Hin­weis dar­auf, dass Tech­nik immer men­schen­ge­macht ist.

„Die Künst­le­rin­nen und Künst­ler haben beein­dru­cken­de Kunst­wer­ke auf den Boden gezau­bert“, so Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz. „Die Bil­der wer­den bis zu einem Jahr zu sehen sein und kön­nen rund um die Uhr bar­rie­re­frei und kos­ten­los besich­tigt wer­den. Die Stär­ke der Stadt Gun­zen­hau­sen ist ihre Viel­falt, und das Street Art Fes­ti­val hat dies wie­der ein­mal ein­drucks­voll bewie­sen.“

Umrahmt wur­de das Street Art Fes­ti­val von zahl­rei­chen Wal­king Acts und Musik­bei­trä­gen. So begeis­ter­te „Bas­ti­ans Gärt­ne­rei“ Groß und Klein mit pan­to­mi­mi­schem Schau­spiel, „Die leben­de Musik­box“ war ein Fest der Töne und das „Stelz­en­thea­ter Cir­co­lo“ ein neon­bun­tes Far­ben­event. „Das Street Art Fes­ti­val war ein Fest für die gan­ze Fami­lie“, betont Jea­nette Holz­schuh. „Wer weiß, viel­leicht gibt es eine Fort­set­zung des Events im nächs­ten Jahr.“

Fotos: Stadt Gun­zen­hau­sen